Muss das - Das muss

Moin, es ist immer dasselbe, vor dem Frühstück kommt die unerbittliche Frage: "Soll das?" Und wenn man schon gefragt hat, dann wird auch ein "Das soll!" erwartet, also kommt es und der Vertrag über ein Frühstücksei ist hier am Obenende abgeschlossen. Wie beim Viehhandel mit einem knappest möglichen verbalen Handschlag. So habe ich es von Hedi Glock gelernt und nenne den ersten Blog deshalb auch "Muss das? - Das muss!". Spätestens seitdem die Veranda fertig ist und das Frühstück dort einen längeren Zeitaufwand benötigt, weil man in frischer Luft die Dinge dieser Welt viel besser beurteilen und vor allem aburteilen kann. Und Obenende ist ein vortrefflicher Ort sich von dort der übrigen Welt anzunehmen. Das kann!     

 

Ob es darf, frage ich nicht, denn das würde sicherlich vielerorts verneint. Aber alle übersehen, dass es hier am Obenende eine hervorragende Anbindung an das weltweite Netz von Informationen jeder Art gibt - also googelt man sich schlau, aboniert BVB-Seiten, webt bei facebook im Netz, bezieht weiter die verschiedensten Newsletter and more und liest zum Frühstück die Emszeitung - das muss. Spätestens dann hat man seinen Punkt in der Weltgeschichte fixiert und blickt weise zurückgelehnt auf alles andere (nein, nicht . . . herab, sondern . . . ) verständnisvoll mitleidend.  Der Obenender ist so.

 

Im Augenblick, wir haben die Adventszeit noch nicht erreicht, sind die Medien gefüllt mit Trauermomenten, so als wäre der Tod eine Entdeckung, die gerade eben erst gemacht worden wäre. Welche andere Zeitung hätte dennoch wohl berichtet, dass in ihrem Einzugsbereich ein preisgekrönter Sarg entworfen worden sei? Steht nur in der Emszeitung, 1. Lokalseite, Foto des Sargs samt Designer über 6 Spalten:

Preisgekrönter Sarg aus Neubörger - Bambusschrein

landet bei Schönheitswettbewerb der  Bestatterbranche

bundesweit auf Rang zwei.

Wir haben das Thema beim Frühstück - heute nicht auf der Veranda - weitausholend diskutiert. Da stand die Auffassung, dass es sich letztlich um eine Realsatire handeln würde mit dem Schönheitspreis, hier die Vorstellung, dass Särge ein ökologisches Wirtschaftsgut seien, das man transparent und nicht in der Tabuzone anbieten müsse. Letztlich hat uns die Jury überzeugt: "Der Farbton ist naturbelassen, das Material wird lediglich geschliffen und lackiert. So ergibt sich ein milder und eleganter Glanz."  Die Nachfrage nach einem Bambussarg, so wird berichtet, ist weltweit. Der Preis liegt im oberen Marktsegment.

 

Und dann lerne ich, dass Bambus kein Holz, sondern Gras sei. Nun, wer das immer schon gerne gehabt hat, wird sich wohlfühlen. Und jene, die 1968 die Dinge angeschoben haben, so denke ich weiter, sind ja auch bald am statistischen Verfalldatum angekommen.  

 

Einmal kurz gegoogelt bestätigt die Site bambussarg.de. Und dort finde ich doch auch tatsächlich Urnen aus Bambus. Doch die gleichen eher Saunaaufgussgefäßen, nur eben mit Deckel. Dafür gab es dann wohl keinen Preis mehr.  

 

"Darf das", frage ich, erhalte zur Antwort "das darf" und schenke mir meine zweite Tasse Kaffee ein. Tschüß.