Den Traum zum Leben erwecken

Moin, heute fanden wir auf der fünften Lokalseite (links) unserer Emszeitung ein halbseitiges Bild von Rudi Evers. Er hält ein dickes Buch in die Kamera, eine Mustersammlung von Tapetenentwürfen, die aus dem 19. Jh. stammt. Er hat dieses Werk unter schwierigen persönllichen Umständen auf einer Fachmesse in den USA ersteigert, zu einem Zeitpunkt, als er noch keine mit heute vergleichbaren finanziellen Spielräume hatte. Eine Woche, die ganze Messe lang, so berichtete er mir, hatte es gebraucht, den Verkäufer von seiner Leidenschaft zu überzeugen, den Preis erträglich werden zu lassen und auch die Bereitschaft zu erlangen, das Buch nach einer Anzahlung mitnehmen zu dürfen, den Rest würde er dann über den großén Teich überweisen. Stolz und zu gerne präsentiert Rudi Evers jedem Besucher seines privaten Tapetenmuseums die Mustersammlung. Und wenn man vorher sich die Sammlung von Pinseln angeschaut hat, der Technik des Lasierens näher gekommen ist und die zentral aufgestellte alte Tapetendruckmaschine bewundern konnte, dann ist man in seiner Welt schon längst angekommen: Seine Träume real werden lassen - und damit steht er hier nicht alleine.

 

Um in dieses Museum hineinzukommen bedarf es natürlich einer privaten Verabredung, denn er macht das so nebenbei, als Seniorchef einer regionalen Einrichtungsfachmarktkette eigentlich schon im Ruhestand und mit viel Zeit für seine Leidenschaft ausgestattet. Aber was heißt "eigentlich"? Loslassen fällt schwer. Ja, und dann muss man auf dem Weg ins Tapetenmuseum zunächst im Radiomuseum den Mund wieder geschlossen bekommen. Hier hat man einen richtigen Sammler kennengelernt! Und gerne trägt er seine Trichtergrammophone raus in die Welt, z. B. zu Anni Arns, die ihren wunderbaren Siedlergarten auch für öffentliche Lesungen öffnet. Dann kann es losgehen!

 

Hermann-Josef Averdung ist als Vorsitzender des Heimatvereins und Seniorchef eines führenden Textilhauses am Ort mit von der Partie. Er hätte zu gern einmal den Hauptkanal verpackt, ist aber persönlich in New York nur bis zur Ehefrau Christo vorgedrungen. Zuvor hatte es ihn mehrfach nach Kigoma an den Tangajikasee in Afrika gezogen. Dort liegt die "Liemba", in Papenburg vor 100 Jahren gebaut und als "Graf Götzen" anschließend im Tangajika-See in den  Dienst des Deutschen Reiches gestellt worden. Man musste seinerzeit lediglich das Schiff in 5.000 Kisten verpacken, diese über Dar-es-Salam und anschließend 600 km Landweg zum See bringen - und wieder zusammenbauen. Zu allem Unglück wurde dann im 1. Weltkrieg noch eine Kanone darauf montiert.

 

Die Versenkung dieses Schiff ist dann auch das Ziel in dem Film "African Queen". Tatsächlich ist es mehrfach versunken und immer wieder gehoben worden. Als Liemba sodann über Jahrzehnte das wichtigste Verkehrsmittel am See, heute jedoch annähernd fahruntüchtig.

 

Herman-Josef Averdung hatte schon den Bundespräsidenten Horst Köhler von der Rückführung nach Papenburg überzeugen können - aber dann kam ja alles anders und auch das Interesse in Tansania ließ etwas nach. Aber es wäre das erste Mal, das Averdung aufgeben würde, etwas geht immer! Das macht den kleinen Unterschied.

 

Darf das? Das darf! Und ich genieße die zweite Tasse Kaffee an diesem sonnigen Samstagmorgen. Tschüß. 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0