Das Muss: Der Größte und die Längste

Moin, es sind ja noch ein  paar Tage hin bis Weihnachten, aber in 4 Wochen ist das alles auch schon wieder vorbei und wir werden anstehen, Knallkörper zu kaufen, während die nicht verkauften Weihnachtsmänner bereits umgepackt und als Osterhasen deklariert werden.  Gibt ja nur sehr wenige Arbeitstage zwischen den Festen, auch am Obenende. Da muss man schon aufpassen, dass alles das kann, was muss oder soll und wir dann auch gut zufrieden sein werden.

 

Woanders, in ganz großen Städten, die spielen sozusagen in der demographischen Bundesliga ganz weit vorne mit und können es sich wohl deshalb auch leisten, Ausländer in großen Scharen einzukaufen, also da sind die Probleme auch noch viel größer. Sicher, in den Wohnungen gibt es auch Tannenbäume, ähnlich wie hier am Obenende, aber in die Mitte ihrer Stadt muss der größte kommen. Und das will geplant sein! Denn drum herum stehen ganz viele Buden, wo es meist etwas zu essen gibt, aber auch Schmuck für die Frau und die kleinen Tannenbäume, denn das muss da auch. Aber wenn das alles fertig aufgestellt ist und dann käme erst der Jupp – die heißen da alle so, am Obenende hat man allerdings immer noch den Herman davor geschrieben  –  mit seinem  Transporter, der käme ja gar nicht durch! Mehr als 1.100 ehemals fröhliche Fichten werden da zusammen gesteckt. Lastwagenweise werden Gerüste benötigt, die bis in eine Höhe von 45 m zusammen geschraubt werden. 30 t wiegt das Teil, 140 t Ballast sorgen dafür, dass er bei Sturm nicht umkippt, dann fliegen nur noch Nadeln durch die Luft. Aber wehe, eine der 13.000 Glühlampen würde mitfliegen, womöglich würde es brennen! Das wäre aber nicht mehr ganz so schlimm, denn während früher der Baum rund um die Uhr von Feuerwehrleuten in einem Container bewacht wurde, erledigt das heute eine automatische Sprinkleranlage. Man kann jetzt fragen ob das soll, muss oder darf, egal, es kann. Echtes Hightech wird da eingesetzt und darauf ist Dortmund auch sehr stolz. Und hier am Obenende ist es natürlich Thema am Frühstückstisch, auch wenn die Ems-Zeitung  nur über den großen Baum im Ems-Center (Untenende)  berichtet hat und der Bürgermeister diesen gemeinsam mit dem Pfarrer angeknipst hat. Der Pfarrer hat davon gesprochen, dass Weihnachten an ein Leben mit Gott erinnert.

 

Gestern Nachmittag hat der Dortmunder Oberbürgermeister den weltgrößten Tannenbaum für die Weihnachtsmarkt-Saison 2012 angeknipst (die Bilder stammen aus 2011 und zeigen das Richtfest, ist eh immer dasselbe)  und die ganzen Schausteller haben sich gefreut und der Streit, wer den Glühwein verkaufen darf, der geht jetzt - wie jedes Jahr -  wieder los, denn das darf nicht so einfach.   

 

Ob das nun wirklich der größte Tannenbaum der Welt ist? Weil die Ems-Zeitung nichts dazu geschrieben hat, habe ich mich ein wenig schlau-googeln wollen, aber so richtig hat es nicht geholfen.  Vor 45 Jahren war es auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt  anders. Heute würde man vielleicht sagen „langweiliger“.  Klar, von dem Dortmunder Baum sind jetzt global mehr Bilder drin und die stehen auch weiter vorne, aber  so richtig vergleichen kann man das alles nicht. Quantität, woran auch gemessen, vor Qualität? Das kann. Wintertourismus und Weihnachtsgeschäft ankurbeln, dass soll. Frierende Seelen mit Glühwein abfüllen, das muss. Genauso wie Champions League.

 

Die Dortmunder wollten auch schon einmal den größten Adventskranz der Welt bauen, auf dem Borsigplatz, wo der BVB 09 hundert Jahre zuvor gegründet worden war, aber das hat nur einmal etwas geklappt, es konnte nicht. Der Wettkampf wäre auch hier riesengroß gewesen.    

 

Nun, denken wir uns beim Frühstück am Untenende, können wir etwas dagegensetzen? Wir haben doch auch unsere Stärken. Die „längste Salatgurke“ würde sicherlich saisonbedingt nicht angenommen. Aber weil ja jeder zweite Weihnachtsstern in Deutschland aus Papenburg kommt, wäre es doch vielleicht möglich einen  „welt-größten Weihnachtsstern“ auf dem Gelände der Landesgartenschau 2014 aufzubauen, Weihnachten 2013 als Marketingsignal und ab Ende 2014 dann in seliger Erinnerung. Das wäre allerdings in Untenende, aber das kann.

 

Und Obenende? Da würde sich die „längste Weihnachtsbeleuchtung der Welt“ förmlich aufdrängen. Denn was ist schon der Berliner Kurfürstendamm gegen  die geschätzten 30 km Kanallauf, die man festlich schmücken könnte, um den Menschen eine himmlische Vorfreude zu bringen? Das kann. Aber . . .

 

. . . muss das? Das muss nicht mehr, denn der Kaffee ist schon kalt. Tschüss.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0