Staatsstreich!

Moin, na, da stand ja heute wieder was in der Frühstückszeitung, hatte sich gestern beim Schlaugurgeln ja schon angekündigt. Als ob die Regierung in Berlin nicht schon genug am Hacken hätte: Europa retten und die eigene Haut, Gutscheine ausgeben für die Beschäftigung von Haushaltshilfen, um den Wiedereinstieg in das Berufsleben zu fördern, und Betreuungsgeld nach Hause bringen, damit man den Wiedereinstieg nicht unbedingt forciert und dann ist da ja noch im nächsten Jahr eine Wahl, wohl am 22. September. Habe ich auch alles der Ems-Zeitung entnommen. Und jetzt dieses. Da darf die Bundesregierung nicht mehr darüber aus freien Stücken entscheiden, was in einen Bericht rein soll?! Das sollen ihr einige Ministeriale stattdessen vorschreiben, die das wahrscheinlich über freie Gutachter haben erarbeiten lassen und anschließend nicht mehr lesen konnten? Honorar gezahlt und sich damit der Verantwortung entledigt?  Einfach so - und am Ende berufen die sich auch noch auf Statistiken? Sachzwänge werden da aufgebaut, denen man dann nichts mehr entgegenhalten  kann. Wir wissen doch, die Statistiken versteht ohnehin niemand und jeder macht damit was er will, oder sie. Darf das? Das darf nicht. Das ist ein Staatsstreich!

 

Das wäre ja so, als wenn man hier am Obenende die Kanäle entgegen der strikten Vorgabe mal weniger tief oder breit ausgehoben hätte, weil in dem Jahr, wo man sein Haus bspw. in Bethlehem (gibt es in der Variante li. und re. auf beiden Seiten des Wasserlaufs)  gebaut hat, mal etwas weniger Wasser zu sehen war. Auch die weit vorausschauende Überlegung, dass man die Eilfahrt in den Kanal per Auto bei geringerer Tiefe besser überleben kann, darf nicht zu individuellen Lösungen führen, die das Ganze, nämlich den zügigen Abfluss von Abwasser gefährden. Hier am Obenende weiss man das und ist folgsam. Da kann Berlin noch etwas von lernen.

 

Auch die weiter entfernt am Untenende lebenden Menschen wissen das. Die Schiffe sehen dort alle gleich aus - und wenn jetzt eins nach dem anderen immer größer wird, dann aufgrund von Unternehmerentscheidungen. Da kommt sicherlich kein Betriebsrat auf die Idee, mal so ein paar Meter in der Länge zuzulegen, weil die Arbeiter durch Überstunden an einem Schiff mehr verdienen können. Nein, da ist der Emsländer ausgesprochen stur und staatstragend. Muss das? Das muss.

 

Aber in Berlin. Da schreiben die Arbeiter im Ministerium einen Armutsbericht und es scheint ihnen egal zu sein, wofür die Regierung steht! Da steht etwas von einer Schere drin zwischen Arm und Reich, die immer größer würde und das sähe man daran, dass immer mehr Menschen weniger Geld verdienen (Niedriglohngruppen wird als Begriff genannt), als sie zum Leben benötigen (gemessen an den Maßstäben von Hartz IV). Das passt doch wohl gar nicht in das Konzept dieser viel beschäftigten Bundesregierung. Wenn die das umformuliert (sie ändert ja nicht die beschriebenen Tatbestände) etwa in den Gedanken, dass es durch die Einführung von Niedriglohngruppen gelungen sei, mehr Menschen in Lohn und Brot (oder Pommes mit Stütze) zu bringen, dann entspringt das dem aktuell staatstragenden Konzept und darf jetzt nicht in Frage gestellt werden. Oder etwa doch? Darf das? Das darf (nicht)!

 

Mein vorheriger Oberbürgermeister hatte mir bald zu Beginn seiner ersten Amtszeit gesagt, dass ihn Statistik nicht interessieren würde, außer der Einwohnerzahl, für die es Geld gäbe. Da solle ich mir aber nichts draus machen. Und, ich könne schreiben, was ich wolle, sicherlich sei das fachlich alles in Ordnung. Er aber würde letztlich politisch entscheiden, was veröffentlicht würde. Ja, Dortmund wusste schon immer Bescheid! Und nachdem ich ihm einmal verwaltungsöffentlich im Kreise meiner Kollegen aus fachlicher Sicht im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der Einwohnerzahl widersprochen hatte, war mir über ein ganzes Jahrzehnt die Anerkennung höherrangiger Kollegen sicher. Nein, zu einem Staatsstreich hätte ich nicht getaugt, dann schon lieber boreout. Aber die in Berlin sind noch nicht so weit! Sie können allerdings vom Obenende, vom Untenende und von Dortmund noch lernen.

 

Soll das? Das soll, denn diese letzte Tasse Kaffee bringt mich heute noch so richtig in Fahrt. Jetzt gehts los. Tschüss. 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0