Jedem sein Panama

Moin, Panama, einmal um das Maisfeld rumgelaufen, dann quer durch, auf einem kleinen Hügel orientiert und dann angekommen, da ist Panama. Man muss zufrieden sein, egal wo man ankommt, was man macht. Ankommen heißt auch unterwegs gewesen sein, Erfahrungen mitzubringen, eins mit diesen zu werden.  Dann ist Panama auch zuhause, gerade mal um das Maisfeld herum gelaufen, egal, kann auch ganz woanders liegen. Davon schreibt die Ems-Zeitung heute? Zumindest habe ich das so gelesen: Arthur (52) findet in Papenburg das Glück – obwohl er die ganze Welt kennt.

 

Als ich vor über 40 Jahren meine Heimatstadt Oldenburg Richtung Panama verließ, verschlug es mich zunächst an eine Uni im Ruhrgebiet, anschließend ins Ruhrgebiet selber, das sind verschiedene Dinge! Den Menschen zu erklären, wo ich alle 2 Wochen meine Wäsche waschen lassen würde, bedurfte einer verständlichen Kurzfassung: Die Hansalinie (A 1) nach Norden, bei Ahlhorn Heide runter und links ab, dann kommt Oldenburg. Nein, die Pferde werden dort nicht beim Einkauf an die Parkuhren gebunden. Umgekehrt fuhr ich immer Richtung Süden, ins Rheinland, wo die Briketts durch die Luft flogen. So konnte man irren.

 

Hätte man mich in Oldenburg gefragt, wo Papenburg liegen würde, hätte ich den Arm nach Westen gestreckt und „immer dem Kanal lang“ hinzugefügt, eigentlich nicht genau wissend, wohin das führen würde.  Spätestens an der holländischen Grenze würde man ja merken, dass man zu weit gefahren sei. Aus heutiger Sicht war das eine Antwort, die noch die Erde als eine Scheibe zur Erklärung bemühte und wo man Papenburg jenseits der Kante suchen müsste. Interessierte mich auch nicht wirklich.

 

Und jetzt nach Obenende befragt beschreibe ich die Lage aus Richtung Dortmund kommend mit „am anderen Ende vom Dortmund-Ems-Kanal“. Das wird sich geografisch nicht jeder vorstellen können, aber hinterlässt eine Vorstellung von Erreichbarkeit. Es gibt heute ja auch Navis. Nur, mit dem Navi allein kommt man nicht nach Panama – und dort ist Arthur angekommen, schreibt die Ems-Zeitung und das muss wohl.

 

Arthur ist Niederländer und stammt aus einer großen Familie in Den Haag, sagt auch, dass seine Mutter nicht gut kochen konnte. Er wollte damals was erleben und vor allem auch lecker essen – das bot ihm Deutschland. Die Landwirtschaftslehre hat er bald geschmissen und sich zu einem von Norddeutschlands beliebtesten Discjockeys entwickelt, dann in Belgien zwei Restaurants betrieben und schließlich sein Panama in Papenburg gefunden: Kneipe, Restaurant und Café in einem, direkt neben Norddeutschlands modernsten Kino. Und, er vermietet Formel 1-Simulatoren an jeden der nachfragt. Und die kommen aus Moskau, Rio, Shanghai . . . Ganz zum Schluss schreibt der Lokalchef der Ems-Zeitung dann auch, dass Arthur mit seiner Frau in diesem Jahr das Prinzenpaar im Papenburger Karneval macht. Das scheint eher als Randnotiz gedacht, vermittelt aber mehr: Erst mal was darstellen, dann kannst du was werden. Karneval ist hier wichtig. Arthur und sein Panama.

 

Das hat das Team Emsland im Rodeo-Reiten schon länger im Emsland gefunden, wenngleich es seinen Ruhm, jetzt wieder aktuell drei deutsche Meistertitel, anderswo einfährt. Die Jungs in Westernkleidung wirken gut zufrieden. Kann das? Das kann.

 

Und wenn jetzt einer aus "dem Rheinland" lächelt und von der großartigen Kulturszene dort träumt, dem Konzerthaus in der City, dem Kabarett Queue in Hörde, dem U,  dem Hansa-Theater, dem Cinestar-Kino, den vielen Kneipen im Kreuzviertel usw., dann sucht dort Euer Panama. Vielleicht findet ihr es aber auch erst bei der Pflaumenkirmes in Lütgendortmund oder der Kirmes in Eving. Vielleicht auch in den vielen Nachbarschaften, Vereinen und bei den Festen der kleinen Ortsteile. Und dann stehen wir wieder Schulter an Schulter beieinander und ich zeige Euch die Moorlandschaften, die Marina, den Hauptkanal mit seinen Schiffsnachbauten im Maßstab 1:10 (die Brigg beherbergt das Standesamt) und das NewsCafé beim Stadtpark. Zum Schluss gehen wir ins Kino, schauen uns den aktuellsten Film an und beschließen den  Abend bei Arthur. Kann das? Das kann! Und überall sind die Parkplätze kostenlos. Muss das? Das muss, denn einen ÖPNV gibt es hier so gut wie gar nicht.        

 

Jetzt noch eine zweite Tasse Kaffee und Tschüss                 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Beate (Mittwoch, 05 Dezember 2012 07:32)

    "Man muss viel Ferne getrunken haben,
    um den Zauber des Nächsten zu fassen!"
    Martin Kessel (1901–1990)

    Wunderbar geschrieben; ich hab' es am frühen Morgen mit Vergnügen gelesen. Zu einer Tasse Kaffee.

  • #2

    loire2012 (Mittwoch, 05 Dezember 2012 15:14)

    Ich habe einmal in den neuen Ländern mit Familie eine Paddeltour gemacht: 4 Tage, 2 Boote, 3 Übernachtungen in kleinen Zelten, Eltern und zwei Töchter. Wir tauchten in eine wunderbare, exotische Welt ein, fern aller bekannten Orte. Das Treideln im enger werdenden Wiesenbach wurde zum Erlebnis. Nur eines durfte ich anschließend nicht, diese Tour auf der Autokarte markieren, denn wir sind täglich durch diese Gegend gefahren, konnten nur durch die Scheiben nichts erkennen . . .