Das Alter, die Anerkennung und das Zeitungspapier

Alte Tapetendruckmaschine aus dem Papenburger Malermuseum
Alte Tapetendruckmaschine aus dem Papenburger Malermuseum

Moin, nicht dass der Eindruck entstehen würde, hier am Obenende wäre der Winter eingebrochen und nichts würde mehr passieren! Heute Nacht kam der erste Schnee, zuvor waren schon mal Autos in einen der Kanäle gerutscht – aber so richtig nichts dabei, was den großen Bogen über den Kanal nach Dortmund spannen würde, immer entlang der Weltnachrichtenlage, wie sie meine Ems-Zeitung so vortrefflich zum Frühstück präsentiert. Natürlich – Hedi war erst gestern sehr früh, so gegen 1 h, aus Osnabrück zurückgekehrt, wo sie als Mitglied des Leserbeirates einmal nachgeschaut hat, wie diese Zeitung denn tatsächlich gedruckt würde. Von dem Besuch konnte man dann auch heute Morgen lesen, mit Bild natürlich. Gestern Abend schon stand es bereits reich bebildert bei den EL-Nachbarn im Netz. Das ist das sehr rege Online-Forum unserer Tageszeitung, nächsten Sonntag dann wohl auch im EL-Kurier, dem sonntäglichen Werbeschmöker unserer Zeitung. Ja, wir Senioren sind vernetzt. Muss das? Das muss!

 

Das ist nämlich so, das berichtet die Ems-Zeitung heute aus der weiten Welt, dass die alten Menschen in der ganzen Welt immer mehr werden. Und ab 2050 gibt es weltweit mehr Menschen über 60, als Kinder unter 15. Das sagt der HelpAge-Schirmherr Henning Scherf im Gespräch mit der OZ, die auch die EZ herausbringt. In Osnabrück ist in diesen Tagen auch eine internationale Konferenz, auf der zum weltweiten Älterwerden viel diskutiert wird, auch die UN beteiligt sich. Nicht nur die Rechte der alten Menschen sind zu bewahren und deren menschenwürdige soziale Absicherung weltweit, sondern auch deren gesellschaftliche Anerkennung, etwa in Form eines „positiven Altenbildes“. Finden wir gut, hier beim Frühstück. Ohne Frage, das muss! Doch dann: Stirnrunzeln. Ist das nicht schon? Und wieder einmal sind wir in eine Falle getappt: Man kann nicht immer von sich auf andere schließen, also fühlen wir uns weiter gefordert unseren Weg zu gehen und damit zu zeigen, dass möglicherweise viel mehr geht, als zuvor, vielleicht auch nur anderes. Aber das kann man ja ausprobieren. Also, Herr Scherf, kann man Ihnen auch hier am Obenende helfen? Wir fühlen uns dafür noch nicht als zu alt. Sie konnten das ja noch nicht wissen, sonst hätte Hedi in Osnabrück glatt übernachtet!

 

Jetzt aber wieder zurück ans Obenende, was hat das mit der EZ, unserer Zeitung zu tun? Die Gesellschaft altert, mit ihr die Menschen - wer denn sonst? Weniger wachsen nach und die schauen Fernsehen wo es am buntesten ist, bewegen ihre smartphones, wo immer es noch einen Empfang gibt und leben in einer zunehmenden Hektik, in der sie für die neuesten Nachrichten keine Zeitung mehr aufschlagen können, sondern diese gezielt elektronisch abrufen. So, und dann diese riesige Druckanlage, nur noch Werbezeitungen für uns am Obenende? Geht das? Das geht nicht. Und dann ziehen immer mehr Menschen um, ändern ihre Wohnorte, verlassen die Stadt oder kommen in ihr an. Und immer ist es dann eher ein Abo weniger geworden, als eines dazu gewonnen. Das ist auch so, wenn Menschen nicht mehr lesen oder verstehen können, oder auch sterben. Die Nachwachsenden werden weniger sein und anders – auch fremd und aus anderen Kulturen stammend. Das ist der demografische Wandel. Und das ist der Grund, weshalb sich unsere Ems-Zeitung so um die Leserbindung bemüht – denn sonst geht das ja nicht mehr lange mit der großen Druckmaschine. Und darum ist Hedi auch im Leserbeirat. Und deshalb haben wir zunächst mal keine Angst um Anerkennung, denn wir sind dabei – vom Obenende übers Internet in die ganze Welt, aber die Zeitung?

 

Das habe ich auch mal mit den Ruhrnachrichten in Dortmund und ihrer Verlagsleitung diskutiert. Die sehen das ähnlich, sind mittelständisch ähnlich aufgestellt wie die Osnabrücker Nachrichten mit ihren vielen lokalen Ablegern, haben eine ähnliche Druckanlage in DO-Dorstfeld, ähnliche – aber weil große Stadt auch andere – Probleme. Das ist so und darüber diskutieren wir nicht.

 

Und so lernen wir, dass die Alten zumindest in den Ländern Westeuropas (so auch am Obenende) eigentlich am längeren Hebel sitzen, wenn sie mitmischen und ein positives und solidarisches Altenbild leben. So lange die was zu sagen haben, werden sie im Zweifel noch die nächsten 20 Jahre lieber die Zeitung zum Frühstück lesen wollen und aufpassen, dass sie nicht in das Stövchen  kommt und in Flammen aufgeht, als laufend das smartphone aus der Tasche zu ziehen und beim Lesen den Laternenpfählen auszuweichen.

 

Muss das? Das muss! Und genussvoll zische ich mir den zweiten Kaffee rein. Tschüß               

 

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Kommentare: 4
  • #1

    zypresse (Mittwoch, 05 Dezember 2012 10:50)

    Guten Morgen in den Norden,

    das heutige Thema erinnert mich an zahlreiche Veranstaltungen zum Thema demografischer Wandel, an denen ich teilnehmen durfte. Ein großes AHA-Erlebnis gab es immer, wenn ich meine Mit-Teilnehmer oder Zuhörer darauf aufmerksam machte, dass wir im übrigen nicht über irgendetwas Abstraktes in ferner Zukunft reden, sondern über uns selbst: wir sind der demografische Wandel.

    Und auch wenn die immer steigende Zahl von Älteren langsam in der Wirklichkeit ankommt und Beachtung findet - beim Kulturangebot, bei der Gestaltung von Supermärkten und wo sonst noch überall - ein wenig bange wird mir schon, wenn ich mal 20 Jahre weiter denke und mich frage, wer dann eigentlich die Pflegedienste erbringen soll, die meine Generation und ich (hoffentlich erst)dann benötigen.

    Lieben Gruß aus dem Dorf an der Düssel.

    ach so: ich lese meine Zeitungen nur noch online... das Papier am Frühstückstisch war immer im Weg ;-)

  • #2

    loire2012 (Mittwoch, 05 Dezember 2012 11:06)

    Huhu Düsseldorf,
    ja, wir sind oder leben der/den demografischen Wandel, er hat mit uns unmittelbar zu tun. Das predige ich (beruflich) seit ca. 30 Jahren und jetzt (grins) tuen viele so, als wenn er gerade erst entdeckt wurde. Prof. Grohmann erzählte mir vor ca. 10 Jahren, dass er 1980 die Beitragsquote der RV (für 2002) fast exakt vorausberechnet habe - aber niemand habe ihm das geglaubt. Prof. Birk sprach immer davon, dass Frauen, die nicht geboren wurden, auch nicht gebären können, also kein schneller Wandel möglich . . . usw. Aber all' das - und mehr - plane ich für einen anderen Blog ab 2013 - aber nicht täglich. Der Tanker Bevölkerungsentwicklung ändert ja auch nicht laufend seine Richtung . . .
    Lieben Gruß nach Düsseldorf!
    ach ja: liegt die richtige Einwohnerzahl (Zensus 2011) endlich auf dem Tisch?

  • #3

    zypresse (Mittwoch, 05 Dezember 2012 14:01)

    nö, schau her http://www.duesseldorf.de/zensus/warum_zensus.shtml
    Dein ehemaliger Kollege meint, es sind 590.667 am 31.12.2011 gewesen....

  • #4

    loire2012 (Mittwoch, 05 Dezember 2012 14:47)

    Jaja, da warten wir mal den Zensus ab . . . da wird Düsseldorf verlieren, aber nicht weitersagen, den dann verhauen die den aus Dortmund wieder! Eigentlich sollten die EWO-Zahlen aus dem Zensus schon im November 2012 vorliegen, 18 Monate nach dem Erhebungszeitpunkt (Mai 2011). . .