Kunst ist dort wo sie entsteht - Kultur folgt

Moin, was darf sich Kunst nennen, was Kultur, darüber mag man sich auch am Obenende lange beim Frühstück aufhalten. Kultur ist hie und dort schon mal der Männergesangverein, das Schützenfest, der kirchliche Posaunenchor und auch der Augustmarkt - wobei die Betonung auf dem "ma" liegt. Pflaumenkirmes fällt mir für Dortmund ein und alles andere gibt es dort wie am Obenende auch. Gelebter Fußball ist eine örtliche Kultur, egal ob nun Champions League oder in der zweiten DFB-Pokalrunde gegen eine Mannschaft aus der 2. Liga. Das hat vor Ort immer dieselbe Bedeutung: Wir haben unsere kulturelle Identität!

 

Ist das ein Kunststück? Nö, das muss nicht. Es kommt immer darauf an, wie man sich in der Öffentlichkeit wiederfindet. Deshalb ist die Ems-Zeitung ja auch so wichtig für die örtliche Kultur, jeder will da mal rein. Die wissen das - und so ist Kultur ein Geben und Nehmen, am Obenende und in Dortmund, wobei es dort drei Tageszeitungen gibt, allerdings nicht ein so bedeutendes Werbeblatt wie auch nur eines der drei hier. Dafür gibt es in Dortmund Museen, Musik- und Theatertempel in Überzahl. Und mit demselben Aufwand, wie man vom Obenende aus versucht einen, ggfs. auch einen zweiten zu erreichen, kann man in einer Metropolregion spielend das Überangebot verdoppeln und verdreifachen. Das ist so.   

 

Obenende und das restliche nördliche Emsland ein no-go-Areal für Kunst? Bemühen wir doch wieder einmal die Physik: Es gibt kein Vacuum, wenn man die Schotten öffnet, es stellt sich immer ein Druckausgleich ein. Natürlich gibt es unweit vom Obenende das Gut Altenkamp, Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, aber im Eingentum der Stadt Papenburg. Wunderbare Ausstellungen, welche auch manche Großstadt zieren würden, finden den Weg hierher. Daneben das renovierte Stiefelknechthaus, welches duchgängig als Ausstellungsraum der VHS genutzt wird, oft auch von der Jugendmalschule.

 

Da ensteht dann örtliche Kunst - nicht im  Wettstreit, sondern ist als lokale Ergänzung zur "großen" geschaffen worden und hat den Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Heute berichtet die Ems-Zeitung von der Ausstellung einer Dörpener Malerin in den Räumlichkeiten der dortigen Stadtverwaltung. Diese freut sich über die Förderung der örtlichen Kunstszene als Standortfaktor. Ähnliches hat am letzten Wochenende der Bürgermeister von Rhauderfehn in seiner Verwaltung betont, wo die Mitglieder des dortigen Kunstkreises ihre Bilder der Öffentlichkeit zeigen konnten. Die Hütte war um 11 h zur Eröffnung voll, tolle Bilder wurden gezeigt und der Kunstkreis mit seinen mehr als 50 aktiven Mitgliedern, viele auch aus den Niederlanden kommend, hatte seine Öffentlichkeit, nicht die einzige in diesem Jahr, und der Bürgermeister seine frohe Botschaft: Wir in Rhauderfehn, schaut einmal. Ja, Kunst sucht sich ihre Räume, es gibt kein Vacuum.

 

In Alt-Papenburg, bezeichnen wir einmal so die Union von Oben- und Untenende, gibt es auch die Möglichkeit, Bilder zu hängen: In den Räumen der Sparkasse, im Generationenhaus der HÖB, in der 2. Etage des Ems-Center und sicherlich auch anderswo. Von den Räumlichkeiten in der Stadtverwaltung habe ich noch nicht berichtet gefunden. Da ist sogar Dortmund mit dem Rathaus, der Bersworthalle und dem Torhaus im Rombergpark weiter. Die großen Museen und den U-Turm habe ich bewußt ausgelassen. Vielleicht sollte man auch in Papenburg einmal mit der Kunst die Nähe zur Kultur suchen, so etwas mehr auf den Punkt bringen. Kunst fördern, die hier entstanden ist. Vielleicht kann dann auch das Obenende etwas partizipieren, wenn sich das etwa in der Schnittmenge von Oben- und Untenende kristallisieren kann.

 

Also Hedi wird im nächsten Herbst zusammen mit Editha ihre experimentellen Fotos in  Rhauderfehn zeigen. Zuvor wird sie im Mai eine größere Ausstellung im Stiefelknechthaus alleine bestreiten. Das geht. Und wenn es um Lesungen geht: Hier ist man auch außerhalb der Buchläden überall sehr bemüht, solche zu organisieren und öffentlichkeitswirksam in die Ems-Zeitung zu bringen. Das kann man immer wieder nachlesen. Die Menschen machen und fördern ihre Kultur gerne, weil sie Teil ihrer örtlichen Identität ist. Wir haben am Obenende auch etwas Fussball, freuen uns jedoch genauso mit dem BVB in Dortmund - und leiden mit ihm!

 

Muss das? Das muss! Und schnell noch eine Tasse Kaffee, dann raus in die Schneesonne. Ab 16 Uhr kommt eh' wieder der öde Teil des Rentnerdaseins - dann, wenn alle frei haben. Tschüss.      

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