Es ist doch immer dasselbe

Moin, Anfang der 90er gab's hier nahe dem Obenende eine Emslandschau. Das waren und sind große Ausstellungen, Messen, die auf die Leistungsfähigkeit der Region hinweisen und tatsächlich etwas - lockend - auch umsetzen: Bauland für Eigenheime, Musterhäuser buhlen um die Interessierten. Nicht, dass es zu wenig Eigenheime hier gäbe, beileibe nicht. Die sind jedoch älter und finden sich sehr oft kilometerweit aufgereiht entlang der Kanäle. Straßenrandbebauung in z. T. erschreckender Vielfalt der Formen, nach hinten hinaus offen - da ist nur Moor, der Grund und Boden erschwinglich. Ideal für Pferdefreunde. Aber vorne steht halt das kleine, alte Siedlerhäuschen; man kann es nicht ewig umbauen und erweitern . . . Von diesen Siedlungen lese ich wenig in der Ems-Zeitung, zähle nur im Vorbeifahren die Verkaufsschilder und notiere im Geiste, wie lange die da schon eingepflockt sind: Splitting, Bethlehem, Lüchtenburg, . . . immer re. und lik.! Muss das? Das muss, weil jeder Kanal ja nun mal zwei bebaute Seiten hat. Dann muss das.

 

Also Anfang der 90er fand eine Emslandschau im heutigen Kapitänsviertel statt. Hedi bekommt immer noch glänzende Augen bei dem Gedanken, dass ihr dort erstmals das Internet begegnete und sie eine Website (wohl noch die einzige) der Universität in Santiago de Chile  öffnen konnte, vom späteren Kapitänsviertel aus, hart an der Grenze zum Obenende. Die Zeiten haben sich gewandelt, heute können wir die lokalen Radiosender aus Santiago im Netz hören, allerdings bevorzuge ich den Dortmunder, DO 91,2. besonders am Samstagnachmittag.  

 

Das Kapitänsviertel hat viele große und kleine Straßen, alle sind nach einem der vielen Papenburger Kapitäne benannt worden. Bestimmt hätten die Namen noch für ein paar mehr Straßen gereicht, aber auch so ist es ein prächtiges Viertel mit großen meist freistehenden Häusern geworden, es vermittelt Wohlstand und ich werde schwach an Teile der Konversionsfläche Stadtkrone-Ost in Dortmund (nahe der B1) erinnert. Genau wie dort gibt es auch hier kein Angebot an frischen Brötchen, Milch, Gemüse usw., alles was man eben so täglich brauchen könnte, außer die als Kiosk getarnte Apotheke hat da was auf Lager.

 

Heute lese ich in der Ems-Zeitung, dass ein neuer Markt dort entstehen soll. Vor Jahren hatte bereits das letzte Geschäft, ein Handarbeitsladen, geschlossen. Lebensmittel auf 750 qm VK-Fläche haben schon einen Investor gefunden, daneben könne eine Bäckerei mit Café entstehen, die Möglichkeit, einen Getränkefachmarkt anzusiedeln besteht zusätzlich. Und dann wird auch noch die Vision eines Restaurants in den Raum (bzw. die Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus) gestellt. Weil der Investor an der Grünfläche mitten des Viertels interessiert ist, wird er auch die Kosten der Verlagerung der darauf befindlichen Freizeiteinrichtung übernehmen, also des Spielplatzes. Mal sehen, wie lange das jetzt einzuleitende Bauleitplanverfahren dauern oder auch das Interesse des Investors überleben wird. Kann das? Das kann. Und wenn man bislang keinen Bedarf abdecken konnte, dann gibt es jetzt nur zwei neue Gründe: Zum einen schlägt der demographische Wandel zu, weniger Kinder und mehr verbrauchsgewöhnte Erwachsene zum einen und zum anderen die Öffnung des Viertels für eine größere Region, denn von irgendwo muss die Kohle ja kommen. Ich kann mit die Entwicklung gut vorstellen: Luxuriöse Häuser ermöglichen eben nur noch die Versorgung durch einen Discounter. Und irgendwann ist Luxus dann auch für jeden erschwinglich! 

 

Kann das? Das wird! Tschüss, trinke gleich meine nächste Tasse Kaffee im News-Café, sofort neben der Ems-Zeitung. 

 

 

 

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