Mütter können keine Männer machen

Moin, an manchen Tagen dreht man die Ems-Zeitung in alle Richtungen, hält sie gegen das Licht der milden Wintersonne und schüttelt kräftig dran, nichts kommt raus, was am Obenende diskutiert werden könnte. Dass der jugendliche Amokläufer aus Newtown von seiner Mutter alleine erzogen wurde, die zudem eine Waffennärrin gewesen sei, ist eine Randnotiz und kann sicherlich nicht gegen die Allein-Erziehung von Jungen durch Frauen herhalten - Väter waren da sicherlich in einer sehr viel größeren Zahl "erfolgreicher". Das kann.

 

Doch plötzlich finde ich neben den unvermeidlichen Tages-Horoskopen einen ausgesprochen interessanten Leserbrief: "Mütter können keine Männer machen" lautet die provozierende Überschrift und ich frage umgekehrt: "Männer keine Töchter?" So einfach ist das natürlich nicht! Der Rektorin der Grundschule meiner älteren Tochter hatte ich als Pflegschaftsvorsitzender einmal gesagt, dass ich keine Erfahrung mit Jungen hätte, ich hätte nur zwei Mädchen. Sie: "Aber Mädchen sind doch genauso gut!" Als ob es darum gegangen wäre . . .

 

Es gibt Unterschiede. Ich weiss nicht, wie das bei den Mädels ist, aber ich habe irgendwann gelernt, dass ich meinem Vater etwas beweisen muss, ebenbürtig bis besser zu sein wahrscheinlich. Das treibt und lässt irren. Und wie soll man sich dagegen wehren, wenn die Voraussetzungen so unterschiedlich sind? Wenn sein Vater nicht hat erkennen lassen, dass auch er gefangen war, dies erkannt hat und seinerseits dies seinen Sohn wissen lässt, ihn damit frei gibt, seinen Weg zu gehen. Dass sei Vaterliebe, so habe ich den Leserbrief verstanden. Das und noch einiges mehr hat mir sehr gut gefallen! Das gilt entlang des gesamten Kanals, vom Obenende bis Dortmund, und anderswo auch. Das muss!

 

Und weil das so ist, muss auch der Vaterliebe ein eigener Platz eingeräumt werden. Sie ist nicht, dem folge ich heute gerne, allein bestimmt durch die absolute Hingabe zur Familie, ihr immer zu erklären, was für sie das Beste sei und dieses durch unermüdliches Tun und Machen in der weiten Welt umzusetzen, während Mutterliebe sich in der täglichen Hin- und Aufgabe in der Familie beweist, bis zum "mama-taxi-mobil". Auch eine Frau steht in der überlieferten Rolle der Frauen ihrer Familie. Sicherlich anders, aber ähnlich. Das kann.

 

Wenn wir von Gleichberechtigung sprechen, dann müssen wir für Chancengleichheit beider Geschlechter einstehen. Wenn wir von Elternliebe reden, dann müssen wir erkennen, das Vater und Mutter für das Kind ganz verschieden sind - da muss man Unterschiedlichkeiten berücksichtigen um die Entwicklung des Kindes in der Waage zu halten. Muss das? Das muss!

 

Dieser Leserbrief hat mich ein ganzes Stück weitergebracht, mag mancher seine Aussagen auch als Ansammlung von Allgemeinplätzen bewerten, ein anderer sie ablehnen. Ich weiss, dass jede Überlieferung etwas Gutes in sich trägt, ihre Wertigkeit aber erst in der Anpassung an den Lauf der Zeit beweist. Das ist so.

 

Noch eine Tasse Kaffee und ein wenig auf die vorweihnachtliche Seele gedrückt, dann raus, einen Tannenbaum holen, es kommen Kinder am 24. zu Besuch! Tschüss.     

 

 

Kommentare: 3 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Hedi (Montag, 17 Dezember 2012 11:46)

    Hallo, EO,
    du - bzw. die Lesebriefschreiberin - hast ja so Recht!
    Ich kenne das auch, dies dem Vater beweisen müssen, dass man "gut" genug ist, will heißen "liebenswert" in seiner ursprünglichsten Bedeutung. Das treibt viele Männer, selbst dann, wenn der Vater längst nicht mehr lebt.
    Was diesen Absatz von dir betrifft:

    Wenn wir von Gleichberechtigung sprechen, dann müssen wir für Chancengleichheit beider Geschlechter einstehen. Wenn wir von Elternliebe reden, dann müssen wir erkennen, das Vater und Mutter für das Kind ganz verschieden sind - da muss man Unterschiedlichkeiten berücksichtigen um die Entwicklung des Kindes in der Waage zu halten. Muss das? Das muss!

    so kann ich nur sagen: Mist, Mist, Doppelmist, dass man erst dann zu diesen Erkenntnissen gelangt, wenn die eigenen Kinder schon groß sind und man nur noch versuchen kann, die gemachten Fehler zu korrigieren.
    Man sollte es auf jeden Fall versuchen.
    Herzlichst, Hedi

  • #2

    loire2012 (Montag, 17 Dezember 2012 13:43)

    Ja, das ist schon ganz schön mistig und korrigieren wohl wenig erfolgreich. Aber vielleicht hilft es, seine Fehler zu erkennen und gelegentlich in Gespräche einfließen zu lassen. Vielleicht liest das hier sogar jemand . . .? Ja, das wär's! Und sagt das weiter! Wenn fünf Finger eine Faust bilden, sieben Menschen einen Verein gründen können, einen Chor bringen wir doch wohl zusammen! eo

  • #3

    Rebbecca Titcomb (Montag, 06 Februar 2017 13:17)


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