Kochen in Marokko

Wenn man zu viert hungrig ist, hinten im alten VW-Bus seinen kleinen Campingkocher aufgebaut hat (nur von außen kommt man da ran) und auf die Schnelle Gemüse des Landes (Paprika, Zucchini, Zwiebeln, Auberginen und Tomaten) zu einem Ratatouille zusammenkocht, ist das spannend. Aber auch risikoreich, wenn der Gaskocher samt großem Topf umkippt. Er tat es. Was tun, wenn einem dabei 30 hungrige Kinderaugen inmitten von Marokko zuschauen?  



Es war im August 1974. Wir waren schon seit Wochen zu viert mit unserem bei der OFD in Düsseldorf ersteigerten VW-Bus unterwegs. Geteilte Frontscheibe, hinten der klassische 34 PS-Motor drin, die rechte Tür zum klappen, das Heck konnte bei geöffneter Heckklappe gut zum Kochen-Unterwegs genutzt werden. Klapperregale für die Küchenutensilien waren rechts und links angebracht. Heute wäre da vielleicht ein mehrflammiger Herd möglich, aber das entzieht sich meinem aktuellen Interesse.

 

Damals hatten wir zwei kleine Kartuschenkocher von Camping-Gaz, die blauen, die originalen. Darauf ließ sich vortrefflich in dem großen Topf für vier Personen kochen. Natgürlich muisste das Bus genau waagerecht nach Seiten stehen und man selber aufpassen, wenn das Ratatouille gewürzt wurde. Nicht, dass man sich da nicht schon mal die Unterarme heftig an den noch heißen Topfträgern verbrennen konnte (ich trug rechts und links jahrelang je eine Narbe), nein, es konnte auch der Topf um- und vor allem runterkippen.

 

Das tat er dann auch einmal. Und das, während wir zudem von vielen großen Kinderaugen aus angemessener Entfernung bei der Essenzubereitung beobachtet worden waren. Das war schon ärgerlich genug, aber was war zu tun, wir hatten Hunger und es gab nicht viele Möglichkeiten, den Bus zu stellen. Das Gemüse am Boden war auch verloren, drin beim Kochen und Essen stehen wollten wir auch nicht. Also setzten wir das Auto einen guten Meter zurück, kochten erneut, aßen und fuhren weiter.

 

Im Rückspiegel konnten wir noch sehen, wie sich die Kinder auf die unter dem Auto zurückgelassenen Reste aus dem ersten Kochversuch gestürzt. haben. Ich habe mich geschämt, dem Grunde nach satt gegessen (was soll der klene Hunger!) mal eben einen neuen Gemüsetopf aufgesetzt zu haben, ohne die ganze Zeit auch nur einen Gedanken an die vielen kleinen hungrien Mäuler aufgebracht zu haben. Deshalb habe ich dieses Erlebnis nie vergessen. Und natürlich: anhalten und noch schnell ein Foto machen - das hätte es noch getopt!   

Kommentar schreiben

Kommentare: 0