Die Menschheit hat auch ein Recht auf Wohlbefinden!

Moin, es gibt Themen, die entzweien uns hier am Obenende, sicherlich auch anderswo, aber hier wird es konkret. Damit falle ich gleich nicht nur aus dem warmen Bett, sondern mit der Tür ins Haus. Heute fand ich viel in meiner Ems-Zeitung und dem EL-Kurier, aber eines ließ mich das Dotter im Eierbecher gefrieren. Ein Leserbrief, der die Strickanleitung und das Kochrezept als Topthemen unserer Zeitung einforderte, die Zeitung solle alle ansprechen und es gäbe viel zu viele schlechte Nachrichten, die wolle uind könne man nicht mehr lesen: "Der Mensch hat auch ein Recht auf Wohlbefinden!" Dem ging ein Leserbrief voraus, wo eben solches (Strickanleitung und Kochrezept) auf der Titelseite kritisiert wurde. Ja, da steckt die Zeitung nun in einer bösen Klemme - wie halte ich meine LeserInnen?

 

Nun wird bekanntlich nichts so heiß gegessen, wie es aus dem Kochtopf kommt, und es wird auch einen Mittelweg sowohl für die Zentral-, als auch die Lokalredaktion geben. Z. B. könnte man ja positiv als Top berichten, dass am Dörpener Gymnasium sich die Sechstklässlerin Esra Düzer im Vorlesewettbewerb als Siegerin durchgesetzt hat. Zwar knapp, aber davon spricht in der nächsten Runde des Wettbewerbs niemand mehr. Ist doch ein schönes Beispiel für Integration! 

 

Mich macht bei dem Leserbrief nachdenklich, dass der Mensch so viel enger gefasst wird als die Menschheit als Ganzes. Gestern war in der Dortmunder Pauluskirche eine Informationsveranstaltung mit Musik zum Bosnien der 90er Jahre. Dirk Planert hatte eingeladen und aus seinen Erlebnissen berichtet, hautnah und mit der Betroffenheit eines jungen Menschen, der sich oft an der Kante zum Tod meinte und tatsächlich sah, aber im Gegensatz zu seinen Freunden ohne zu große Schwierigkeiten dem auch immer wieder nach Deutschland entweichen konnte. Ich werde heute erfahren, wieviele Besucher dort waren, wie seine Botschaft rüberkam. Nicht aus der Dortmunder Zeitung, eher aus dem sozialen Netzwerk facebook. Von  der Ems-Zeitung erwarte ich keinen Bericht. Im Vorfeld hatte zudem ein Pressekollege geschrieben, er solle nicht immer so gefühlsduselig reden, sondern harte Fakten von heute bringen, das wollten die Redaktionen, dafür würde er bezahlt. UJnd ich denke daran, dass die Nachricht vom Hund, der einen Mann beisst, keine ist. Nur umgekehrt, Mann beisst Hund, dafür rollt der Rubel.

 

Es gibt noch sehr viele Orte in dieser Welt, wo die Menschen sich nicht wohlbefinden, nicht nur Newtown, Syrien, Afganistan, Gaza, Ägypten. Auch Tibet, Lybien, Kongo, Somalia, Spanien und Griechenland, Nordirland. Eigentlich würde man ganz Afrika nennen, wenn man mehr über die Menschen erfahren würde, die ihr Leben während ihrer halsbrecherischen Bootsfahrt über das Mittelmeer für ein bisschen Hoffnung auf Brot und Freiheit einsetzen. Und verschließen wir vielleicht auch die Augen davor, dass die uns fremden Arbeiter, jene aus Rumänien, Bulgarien, Polen und Ungarn, sich gar nicht so sehr auf der Flucht vor einem übermäßigen Wohlbefinden zuhause befinden? Sie leiden Not! Haben sie hier ein Recht auf Wohlbefinden? 6 Männer teilen sich ein Zimmer und ein Waschbecken, 8 eine Dusche und Toilette? Ach so, ja, richtig, zuhause sind sie schlimmer dran. Kann das? Das kann.

 

Lasst uns Nachrichten wegen unseres Wohlbefindens nicht unterdrücken! Vielleicht stellt sich ja Wohlbefinden ein, wenn wir uns für die Menscheit einsetzen. Es ist jetzt etwa 2012 Jahre her, da ging eine Nachricht um die Welt, dass eine junge Frau bei der Geburt ihres Sohnes ihr Wohlbefinden in einem Stall finden musste, das Kind gewärmt wurde vom Hauch des Ochsen und des Esels. Und alle waren glücklich. Diese Nachricht sollten wir auch heute nicht unterdrücken - und erst recht nicht jene Hinweise, wo das anderswo immer noch nicht der Fall ist.

 

Muss das? Das muss. "Ja," sagt Hedi, "nimm dir noch eine Apfelsine, ist ja auch bald Weihnachten!" Tschüss   

 

 

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