Ein guter Platz zum Wohlbefinden?

Moin, bei dem Versuch, den persönlichen Wohlfühlfaktor hier am Obenende laufend zu steigern, vermeine ich richtig gute Fortschritte gemacht zu haben. Aber wenn wir dann - wie jeden Tag - aus unserem netten Häuschen beim Frühstück hinaus in die Ferne schauen, etwa zum Hümmling, dort liegt übrigens Sögel, da verzichten wir schnell auf das Frühstücksei - wie wenn es 4 Wochen zu lange in der Sonne gelegen hätte . . .  

 

Links unten auf der Titelseite der Ems-Zeitung war ein kleiner Artikel eingesetzt. Nein, kein kompromissfähiges Kochrezept und auch keine Strickanleitung, es war eine kurze Nachricht und der Verweis auf die Seite 11. Ein Blick und es war klar, was heute auf der Tagesordnung des Frühstück stehen würde: Wie kann jeder Mensch im Hümmling noch sein Wohlbefinden erreichen - vom Steigern sicherlich keine Rede mehr. Also, die Nachricht hatte man schon auf Seite 11 gedrängt. Das reicht aber nicht. Denn da war eine Karte, die mal so vergleicht, was welcher Arbeiter in einer Massenunterkunft an Wohlfühlunterstützung zu erwarten hat: Im Hümmling durchgängig etwa halb so viel wie in den angrenzenden Landkreisen, in denen bekanntermaßen die Großschlachtereien auch erfolgreich wirtschaften: Cloppenburg, Osnabrück und Vechta im Vergleich zum Emsland. Allenfalls bei der Anzahl der Waschbecken und der Koch-Herde gibt es einen gemeinsamen Standard. Und, den status-quo wolle man seitens des Kreises derzeit beibehalten, jedoch genauer hinschauen, ob die gesetzlichen Vorgaben auch immer eingehalten würden. Einzige Hoffnung: Das Hotel Lucull wurde teilweise stillgelegt.

 

Ja, Sögel und der Kreis bemühen sich um ein besseres Image. Das konnte man lesen und ich weiss auch, wie wichtig das selbst für ganz große Städte ist, wenn mal was anbrennt. Da hat man immer noch Themen in der Hinterhand. Und so kam es sicherlich nicht von ungefähr, dass man freudestrahlend und gerne auf der letzten Sitzung des Kreistages von der Einrichtung eines Naturschutzgebietes im Hümmling sprach. Kein Wort mehr von Eimermenschen. Die SPD-Fraktion warnte zwar vor der Verfestigung eines neuen Hümmlinger Proletariats, aber das ist dort ja nicht mehrheitsfähig. Und mit dem Proletariat ist das ohnehin so eine Sache der Definition. Wanderarbeiter sind es, die dort zusammengepfercht werden, vielleicht sogar ganz zufriedene, weil sie hier, ganz weit weg von ihren Familien etwas Geld für die Ihrigen verdienen können. Kann sein, dass sie über die deutsche Vorstellung von Wohlbefinden kaum ein Lächeln finden. 

 

Im Hümmling arbeitet man dennoch ununterbrochen an diesem Wohlbefinden, scheint es. Weil das mit den Eimern offensichtlich nicht so gut ankommt, überlegt man sich seitens der Schlachthofleitung nun Taschen auszugeben, Kühltaschen munkelt man. Ändert das etwas daran, dass diese Menschen ausgegrenzt und auf das reduziert werden, was sie sichtbar an Besonderem mit sich tragen? Darf das? Das darf nicht. Und wozu brauchen die gerade Kühltaschen, wenn sie darin eigentlich nur ihre Arbeitskleidung sowie -werkzeuge (Messer) zur Arbeit in die   Großschlachterei mitnehmen?    

 

Ein Schelm, wer böses darin sieht! Schaut einmal in den nachstehenden Bericht aus der Ems-Zeitung vom heutigen Tag. Ladet Euch den runter. Muss das? Das muss! Ich denke inzwischen an das Naturschutzgebiet im Hümmling und stelle mir ein Reservat von Taschenkrebsen vor, das allsonntäglich Ziel vieler Familienausflügler, auch aus dem Ruhrgebiet, ist. Ein Reservat für das letzte Proletariat, wie man es sich so vorstellt. Na, vielleicht habe ich versehentlich Tote Tante mit zuviel Tante drin getrunken - aber anders lässt es sich kaum aushalten. Lest Ihr den Artikel, inzwischen gehe ich meine zweite Tasse Kaffee an! Tschüss 

Download
Platz zum Leben.jpg
JPG Bild 1.4 MB

Kommentar schreiben

Kommentare: 0