Nachhaltige Wachstumsperspektiven vor der Haustür

Moin, bei angekündigten  und nun von Westen heranziehenden heftigen Unwettern hier am Obenende sowie dem drohenden Weltuntergang, weil der Maya-Kalender im Laufe des Tages nicht mehr weiterzählt, reicht es, einen Schritt vor die Haustür zu tun und schon ist man im prosperierenden Dörpen. Wurde hier schon öfters genannt: Papierfabrik Nordland, Güterverkehrszen-trum mit Ausbau um weitere 50 ha Gewerbegebiet und Erweiterung des Container-Terminals. Gelegen - nicht nur neben unserem Obenende - an der Nahtstelle des Dortmunds-Ems-Kanals und des Küstenkanals, der Bahnlinie Duisburg - Emden und der BAB A 31, dem sog. "Ostfriesenspieß", von dem es heißt, man könne nur noch dort durchgängig 220 km/h erreichen  aber auch das war einmal, gilt nur noch für sehr kleine Zeit- und Streckenabschnitte.

 

Und auch um große Fische war man hier nie verlegen - das beweist der nebenstehende Artikel aus der heutigen Ems-Zeitung. Auch wenn dieser Wels jetzt schon vor etwa sechs Jahren hier an Land gezogen wurde - er bewegt die Gemüter immer noch. "Muss wohl von einer Schiffschraube einen vor den Kopf bekommen haben ," munkelte man auf meinem Fischerei-Lehrgang, "sonst wäre das nicht möglich gewesen." Der Emsländer nimmt es hin, es gehört zu seinem Leben, und zu dem eines Dörpeners allemal.

 

"Joa," meint der Bürgermeister, "seit 30 Jahren hat sich die Einwohnerzahl hier verdoppelt." Und wenn das so weitergeht, setzt die Ems-Zeitung einen drauf, dann wird Dörpen in 90 Jahren, ich sage mal im nächsten Jahrhundert, Papenburg überflügelt haben. Heute, so entnehme ich der Bildunterschrift zu einem süßen Baby-Foto, hat Dörpen knapp über 5.000 Einwohner und der kleine Levi war im August die Nr. 5.000. 

 

Papenburg mit heute rd. 35.000 Einw. wollte im 19. Jh. mit seinem Hafen und den  Werftanlagen irgendwann Hamburg den Rang ablaufen - es kam anders. Immerhin hatten sich Ende des 19. Jh. ein knappes halbes Hundert Papenburger Schiffe mit ihren Papenburger Kapitänen zum selben Zeitpunkt im Hafen von Valparaiso (Mittel-Chile und am Pazifik gelegen) versammelt - auch davon spricht man gerne und erinnert im Untenender Zeitspeicher, dem Papenburger Gedächtnis für große Dinge, gerne daran. Es ist ja nicht so, dass Größe immer nur von den heute schon Großen ersehnt wird, nein, die Träume wachsen überall. Träume sind es, keine Ängste.

 

Oder doch etwas Angst? In Dörpen kann nur der ein städtisches Baugrundstück erwerben, der dort mind. 5 Jahre gewohnt hat. Das sind Erfahrungen aus einer nachhaltigen Integrationsgeschichte, seitdem sich vor 30 Jahren (aha!) die Papierfabrik UPM Nordland angesiedelt hatte. Man denkt vorsichtig und will sich weder überfremden (manchmal - z. B. etwa bei der Ausgabe von Gastscheinen in guten Fischgewässern -   habe ich die Angst vor den Ruhrgebietlern wie die Angst der Bayern vor den Preußen erlebt), noch finanziell zum Nachteil der eigenen Bevölkerung unter Druck setzen lassen - die genießt vernünftigerweise eine Vorzugsbehandlung, da könnte ja jeder kommen! Kann das? Das kann.    

 

Ach, da wo ich herkomme, vom anderen Ende des Kanals, ist es so ähnlich und doch anders, nicht nur größer. Natürlich will man kräftig bei der Bevölkerungszahl zulegen und alle anderen überflügeln, aber bundesweit. Und wenn es nicht klappt, dann war's die Konjunktur, der Strukturwandel, der Neue Markt oder die Statistik, die nicht richtig zählen kann, zumindest ihre Ergebnisse falsch bewertet. Was ist, wenn die Papiernachfrage sinkt? Vor 50 Jahren hatten im Ruhrgebiet auch nicht alle das Zechensterben als Vorboten eines grausamen Strukturwandels angesehen, hat man den Menschen bis vor 20 Jahren noch weismachen wollen, ihre Zahl würde immer mehr steigen, bis zur Größe einer globalen Metropole (gefühlt, denn jetzt übertreibe ich eine Winzigkeit). Darf das? Das darf.

 

Es wird heute keinen Weltuntergang geben, nur weil ein alter Kalender seinen letzten Tag zählt. Levi wird es wahrscheinlich nicht erleben, dass Dörpen die Nachbarstadt Papenburg in der Einwohnerzahl übertrumpfen wird, genauso, wie Dortmund erkennen muss, dass, wenn nicht schon jetzt wider Erwarten, eines Tages Düsseldorf mehr Einwohner haben wird. Was soll es? Das kann. Es interessiert den Wels nicht, der vorbeizieht, die Gänse und Kraniche nicht, die man überall im Herbst Richtung Süden ziehen sieht. Es interessiert eigentlich niemanden, außer jene, denen die wirkliche Größe offensichtlich abhanden gekommen ist: Die Suche nach sozialem Frieden, dem Miteinander aller, egal wo sie leben. Geht doch auch woanders, woll! Und so frage ich, ob das wohl mag und höre: "Das mag."

 

Noch'n Kaffe, die letzten Resteinkäufe für die lange einzelhandelslose Weihnachtszeit (das muss wegen einsetzendem Schneefall und trotz drohendem Weltuntergang)  und Tschüss!        

 

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Kommentare: 2
  • #1

    zypresse (Freitag, 21 Dezember 2012 12:37)

    Das ist schon so zum 30.06.2012, soweit es nach den amtlichen Landesstatisten (http://www.it.nrw.de/statistik/a/daten/amtlichebevoelkerungszahlen/index.html) geht
    593 442 in Düsseldorf
    580 961 in Dortmund

    Nicht das das was zu sagen hätte, mehr Geld brächte oder sonst zu was nütze wär. Nur die Rheinländer, die werden vielleicht noch ein bisschen versnobter...

    Schöne Grüße und einen wunderbaren, trocknen, vierten Advent ohne - na klar - Weltuntergang!

  • #2

    loire2012 (Freitag, 21 Dezember 2012 13:19)

    geschenkt, geschenkt, das glauben die alle. Habe mich mit dem LDS-Präsidenten darüber auch schon unterhalten, mit ganz Düsseldorf (RP-Kommentare) angelegt. Warten wir den 10. Mai 2013 ab, da kommen die Einwohnerzahlen aus dem Zensus 2011. Düsseldorf kann gar nicht soviel in echt zugelegt haben, wie es die Landesstatistik ausweist - und die kommunale hat auch ein Problem . . .

    Noch eine schöne Zeit! Übrigens wird es nie einen Weltuntergang geben - nur unsere Vorstellung davon. Wir entwickeln dann neue, und das wird auch Zeit! Tschüß eo