Du bist die FDP, hat die Mutter gesagt

Moin, Mütter können ja so peinlich sein! Aber dass man dann diese Peinlichkeiten auch noch für seinen Landtagswahlkampf einsetzt – das ist krass, würde meine Tochter sagen. Aber den 27jährigen von nahe dem Obenende kümmert das wenig. Er kandidiert am 20. Januar  für den niedersächsischen Landtag. Lesen tut er gerne Ken Follet, das lässt Spannung aufkommen. Und sowieso: Er gibt sich als Wirtschaftsdozent und ist beim Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft in Papenburg und Sögel beschäftigt. Seine Fachhochschulausbildung mit dem Schwerpunkt Kulturmanagement beendete er mit einer Spezialisierung auf historische Museen. Heute kümmert er sich um Jugendliche, die es bspw. mit dem Berufsschulunterricht nicht so leicht haben. Ein junger Mann also aus dem Emsland, der in die Öffentlichkeit drängt. Es ist nicht herauszubekommen, welchen Listenplatz er einnimmt, aber unter den ersten 13 ist er nicht – und die benötigten 2008 einen Anteil von 8,2 %. Kann das? Das kann heute nicht noch einmal!

 

Es kommt mir vor, wie wenn man sich hochmotiviert zu Günther Jauch und seiner Millionenfrage drängt, dann aber im Studio schwitzend die Auswahlfrage nicht schnell genug beantworten kann:  Ordne die nachfolgenden vier Parteien umgekehrt nach dem Stimmenergebnis der Bundestagswahl 2009. Warum dieser Vergleich? Nun, seine Mutter kam zu dieser peinlichen Bemerkung immer nach seinen klugen Kommentaren bei Sabine Christiansens Talkshow, gleich nach dem Tatort. Von da an bereitete er sich auf seine Politikerlaufbahn durch die Beobachtung der liberalen Spitzenpolitiker Cornelia Pieper, Guido Westerwelle u. a. vor. Das steht alles in meiner Ems-Zeitung. Dazu ein flottes Bild, auf dem er versucht, die gelbe Billardkugel mit einer weißen zu touchieren. Soll das? Das soll wohl?


Hoffen wir doch einmal, dass sein Nachwuchs im Sommer gesund und kräftig wird. Das ist dann eine sichere Grundlage für die weitere positive Entwicklung des Emslandes: Kinder, denen man beibringen kann, was gut und notwendig ist – die eigene und die Not der anderen zu wenden.


Da bestehen hier nämlich offensichtlich erhebliche Missverständnisse auf allen Ebenen. Einerseits wird Bauland ohne Ende ausgewiesen. Man ist hier erst jemand, wenn man ein eigenes Haus besitzt. Allen anderen will man wohl im guten Sinne ausreichende Gründe für ihr Anderssein unterstellen wollen – aber welche, das interessiert niemanden so recht, sie haben eben kein Haus. Ein eigenes Haus haben, bedeutete hier jedoch seit Generationen auch, sich und seine Familie geschützt zu haben. Ein Steinhaus, keines aufgeschichtet aus Torfsoden wie vor 150 Jahren. So wundert es auch nicht, dass kilometerlang rechts und links der alten Kanäle Häuser aufgereiht sind. In ihnen werden die Eltern alt und die Kinder wollen natürlich auch hier bauen, also schafft man neues Bauland. „Andere kämpfen gegen den demografischen Wandel, du glückliches Emsland gebierst Kinder!“ Nur funktioniert das auch nicht mehr so wie früher. Und die Zuziehenden können aussuchen.


Andererseits und folgerichtig, wenn jetzt mal ein Haus länger leer steht, rückt schon mal nachts gerne die Freiwillige Feuerwehr aus, zu löschen, was noch zu löschen ist. Der Sachschaden wird dann bei 60.000 € liegen, ein Wert, der am Markt wohl nicht mehr zu erzielen war. Man muss einmal sehen, wie viele Häuser in diesen Reihen angeboten werden. Heute berichtet meine Ems-Zeitung davon und gibt auch die erste Vermutung der Polizei wieder: Brandstiftung. Der Brand vor einigen Wochen ließ sich nachweislich so erklären. Es wird so weitergehen, anders geht es für einige eben nicht mehr weiter.


Muss das? Das muss nicht. Und was hat der FDP-Kandidat damit zu tun? Nichts, denke ich mal. Der kam nur heute auch in der Ems-Zeitung vor. Aber was hat der auch schon mit der Landtagswahl zu tun? Der kommt da auch nur im Wahlkampf vor. Kann das? Das wird wohl.


Noch eine letzte Tasse Kaffee und Tschüss. 

 

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