Sonntag am Obenende

Foto: wikipedia.org/wiki/ Peer_Steinbr%C3%BCck
Foto: wikipedia.org/wiki/ Peer_Steinbr%C3%BCck

Moin, da freut man sich auf den letzten Sonntag im Jahr, erwartet Sonne für einen erfrischenden und fotogenen Moorspaziergang, endlich mal wieder bei zunehmender Helligkeit und überhaupt, das neue Jahr wird alles verändern, mit dem Ziel, es besser für alle werden zu lassen. Dann gurgelt man noch etwas vorm Zubettegehen und kann anschließend nicht mehr richtig einschlafen, auch nicht hier am Obenende, wo doch eine tiefe Ruhe herrscht.

 

Und wenn man dann am etwas späteren  Sonntagvormittag tatsächlich über den Tassenrand hinausschaut, dann blinzelt einem tatsächlich die Sonne entgegen - aber das war es schon. Der Albtraum war keiner, sondern nahm nur die Wirklichkeit vorweg, und es wurde noch schlimmer. Der EL-Kurier bestätigt die Googleinfos und die Google-Süddeutsche legt noch einen drauf. Ich denke mein Berufsleben zurück und erinnere mich sehr gut, dass ich vieles (an-) gedacht habe, was später eingetroffen ist - nur es aussprechen das durfte ich oft nicht und habe es dann besser selber unterlassen. Mir wurde unterstellt, dass ich mich über eine zurückgehende Einwohnerzahl von Dortmund freuen würde, um Recht zu behalten. Und wenn sie es mal vorübergehend nicht tat, hatte ich die öffentliche, ironische Häme zu tragen, freundlich verbissen von meinem Chef vorgetragen. Nie wäre ich den Weg gegangen, den ich gehen durfte, hätte ich alles gesagt, was ich wusste oder mir gedanklich erarbeiten hatte können. Und merkwürdig, vielen kam dies schlüssig vor, denen ich es dennoch berichtete. Ihre fragenden Blicke habe ich zu oft mit einem vielsagenden Lächeln beantwortet: "Die wissen das!"

 

Und ich erinnere mich auch noch daran, wie ich bei meinem Einstellungsgespräch erstaunt über die Höhe des Gehaltes war, eine Eingruppierungsstufe höher als erwartet. Es reichte zum Leben eines 30-jährigen, der nun eine Familie gründen wollte. Dass es später dann mehr wurde, liegt im Lauf der Dinge.  

 

Nein, ich schreibe hier nicht aus der Sicht des SPD-Kanzlerkandidaten, sondern aus meiner. Und dabei haben wir vieles gemeinsam, er scheint mir nur 2 Jahre älter zu sein: Zweimal sind wir beide in der Sekundarstufe sitzengeblieben und mussten ein altsprachliches Gymnasium verlassen, stammen beide aus bürgerlich-konservativen Elternhäusern. Beide haben wir dann ein wirtschaftsorientiertes Abitur gemacht, er es jedoch nur fachbezogen. Aber dann waren unsere Wege sehr unterschiedlich, gleichwohl wir beide aus bürgerlich-konservativen Elternhäuser stammen.  

 

Peer, es ist richtig, dass KanzlerInnen zu wenig Geld für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit bekommen - aber haben sie für das, was sie tatsächlich machen auch mehr verdient, fragen die Menschen hier am Obenende, ich höre sie schon. Hättest du doch besser geschwiegen und weiter darüber nachgedacht. So aber meinen sie, du würdest das Fell des Bären verteilen, ohne ihn bereits erlegt zu haben. Und mehr noch, damit nämlich nicht zufrieden zu sein. Als wenn das dein oberstes Politikziel sei! Ich habe dich bislang anders gehört! Du machst das doch nicht für Geld, also, äußere dich doch unmißverständlich - oder gar nicht. Kann Frau Merkel doch auch. Habt ihr doch alle drauf, mit vielen Worten keine angreifbaren Wahrheiten aussprechen. Dass du anders bist, wissen wir hier. Muss das? Das muss. Aber brauchst du einen teuren Berater, der dir sagt, dass du das besser ab Oktober 2013 ausleben solltest? Das habe ich doch als Statistikchef einer großen Stadt schon gelernt - mit ein paar blauen Flecken, zugegeben.

 

Peer, und dann wissen wir alle, dass Angela ein weiblicher Vorname ist. Musst du unbedingt betonen, daß dies ihr wichtigstes Pfund ist? Das muss wohl nicht! Dann hättest du ja gleich dein entscheidendes Manko mit auf den Weg gegeben. Kannst du dir vorstellen, wieviele Männer dir heimlich Beifall gezollt haben? Ganz viele, aber nicht genug! Musst du immer aufrecht durch die Gegend laufen, ohne Rücksicht auf tiefhängende Stahlträger, die den Weg zum Ziel säumen? Aufrecht mag ich dich, aber flexibel sein gehört dazu. "Muss das," frage ich dich. Und weil wir ähnlich gestrickt sind wirst du antworten: "Das muss wohl!" Dann tu es!

 

Wenn mein netter Nachbar hier am Obenende im nächsten Jahr erzählt, dass der Bürgermeister "seiner" sei und "seiner" auch direkt in den Landtag gewählt worden sei, dann möchte ich ihm antworten, dass "meiner" aber in Hannover am längeren Hebel sitzt, und auch in Berlin "meiner" gewonnen hat. Ist das? Das ist!

 

Und wenn du mehr wissen willst, wie wir so ticken, dann komm doch einfach mal zum Frühstück am Obenende, täglich im Internet, oder ganz richtig zum Frühstücksei mit Kaffee und Brötchen, wenn du mal hier bist. Hast was gutzumachen am Obenende, bei der Landbevölkerung und der des Landes! Muss das? Das muss! C you, Tschüss.          

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