Silvester am Obenende

Die sind mitgekommen . . .
Die sind mitgekommen . . .

Moin, ein trüber Tag und nichts richtig Spannendes in der Zeitung. Ein ganzer Teil der Ems-Zeitung druckt die "Best of the Local News" des zu Staub zerrinnenden Jahres 2012 ab, und ich reibe mir die Augen: Das schon wieder - oder immer noch? Dann bemerke ich meinen Irrtum. Die Weltnachrichten - immer noch aus Berlin - hatten wir gestern schon und sie stimmen mich immer noch nicht heiter. Die Leserbriefe und mein Horoskope geben auch nichts her, letzteres verheißt einen trübsinnigen Tag. Und auch die tägliche Mini-Comic-Folge "Rabenau" ringt mir kein müdes Lächeln ab: "Jedes Jahr habe ich gute Vorsätze für die nächsten 365 Tage, jedoch der Geist ist zwar willig, das Fleisch dagegen schwach". Verteilt auf drei Bilder.

 

Also eine eigene Rückschau neben die 3 Dutzend all der anderen stellen, eine Nabelschau des Vergangenen, ein  Versuch, festzuhalten was einen bewegt hat - ohne einen Blick dafür zu riskieren, dass alles ab morgen besser, schlimmer, schöner, häßlicher, auf jeden Fall anders werden wird. Warum erst ab morgen? Muss das? Das muss wohl.

 

Mein kleiner Anhänger steht schon über ein halbes Jahr untätig rum, seine letzte wirkliche Tour im März brachte den gesamten Rest dessen, was ich noch an Dingen in Dortmund hatte zum Obenende, vier Winterreifen für den dieselfressenden Geländewagen und mein Bett, ein paar Kisten Getränke von meiner Abschiedsfeier und etwas eigenen Krams aus dem alt-möblierten Appartment. Die Erinnerungen daran bleiben dort, etwas Ärger, z. B. über die Abrechnung der Nebenkosten kommen mit, wie ich später feststelle. Im Geländefahrzeug finden sich die Klamotten und die notwendige Elektronik, die ein 62jähriger zum Leben braucht. Restliche Lebensmittel sind dabei, ein paar Töpfe und Geschirr. Es passt gerade noch das persönliche Abschiedsgeschenk eines langjährigen Kollegen hinein, der geholfen hatte, die Dinge zu verstauen: Ein Buch über die Sehnsucht, einen großen Fisch zu fangen - oder doch besser nicht! Ich habe es niemanden verschwiegen, ich werde mir dort ein schönes Gewässer suchen und den Schuppentieren nachstellen. Ich erhalte es an der Stadtgrenze, ein kräftiger Händedruck und ein letztes freundliches Zunicken, Tschüss, das waren knapp 20 Jahre einer guten Zusammenarbeit, nicht immer ohne Schatten, aber auch mit viel Sonnenschein. Im Rückblick ist man nur noch dankbar. Danke.

 

Kein Blick zurück, die Fahrt geht nach Norden.

 

Waren es zuvor nur Wochenenden, kürzere und etwas längere Aufenthalte in meinem Haus am Obenende, bzw. der ideellen Häfte davon, so wache ich ab sofort mit dem zunehmend sicheren Gefühl auf, nicht nach Dortmund in aller Früh wieder zurückfahren zu müssen. Es fehlt zwar das schöne Gefühl, am Freitag gegen 15 h das Wochenende dort vor dem flackernden Kamin und bei einer kräftigen Rindfleischsuppe in Gemeinschaft beginnen, genießen zu können aber ein anderes stellt sich schnell ein: Ich werde hier zuhause sein. Muss das? Das muss.    

 

Der Regen der nächsten Wochen hilft mir, die vielen Abschiedsgeschenke zu sortieren, die Bücher zu lesen, mich zu freuen an  diesen letzten Wertschätzungen. Gern wird man ja den einen oder anderen mal wieder sehen, aber das wird die Zeit zeigen, habe allen meine Visitenkarte hinterlassen.

 

Dann geht es an den Abriß und Wiederaufbau des Gartenschuppens, einer Unterstellmöglichkeit für Fahrräder, Mülltonnen und etwas Gerümpel, sowie die Überdachung and more der Terrasse. Es wird August bis das meiste fertig ist. Ein paar Urlaubstage schließen sich an, Besuch von Kindern - und Hedi versteht langsam auch, dass wir fertig sind! Ein paar Restarbeiten werden ins nächste Jahr verschoben, nachdem ich mein Panama beim Eindecken des Schuppendaches im November gefunden habe (facebook-Eintrag von D. P.).    

 

Ich könnte dann noch auf den ruhigen Dezember verweisen um den Eindruck zu erwecken, im nächsten Jahr geht es dann mit dem Rentner sein richtig los, dem passiven Altern, wie ich kürzlich von deutlich jüngeren Statistik-Kollegen hören musste!  Nein, dieser Schluss passt nicht auf das Jahr 2012, zuviel Neues hat sich angekündigt, neue Kontakte haben sich zaghaft hervorgewagt, zaghaft, weil noch suchend, aber mutig, weil erkannt, dass nur das Aufeinanderzugehen - geradeaus und nur mit Rücksicht auf querliegende Stahlträger - persönlichen Erfolg bringen kann. Ich habe heute Zeit, die Dinge wachsen zu lassen, zu fördern, wo es mir nötig erscheint, nicht tot- und kaputtzuquatschen, weil es schneller gehen muss. Manches wird Gegenstand des nächsten Rückblicks werden können, wenn das Jahr nicht bis zum Bersten gefüllt sein wird. Manches aber wird man irgendwann nicht mehr erwähnen. Unvergänglich (und unersetzlich) ist nur sehr weniges. Kann das? Das kann.

 

Die letzte Tasse in diesem Jahr ist nun kalt, mein Herz beim Rückblick auf das ablaufende Jahr aber warm. So ist das Leben - auch hier am Obenende. Wir wünschen euch allen einen guten Übergang und dann ein Frohes Neues Jahr 2013.

C You Next Year! Tschüss         

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Kommentare: 2
  • #1

    zypresse (Montag, 31 Dezember 2012 17:27)

    Kontere ich doch mal einfach mit Silvester am unteren Ende - wir werden den Abend nämlich mit Freunden im Münchner Literaturhaus verbringen und hoffentlich über der Landeshauptstadt ein tolles Feuerwerk am wolkenlosen Himmel erleben. Das wär doch mal ein gutes Zeichen für 2013!
    Dir und Deinen von hier unten jedenfalls alle guten Wünsche, kommt gut über und im Jahr 2013 Zeit für Schönes, für Ernstes und Lustiges, Zeit für Dich und für andere Mneschen, Zeit für Dächer und für Wasser, für Nahes und Fernes - und auch für die ruhigen Seiten des Älterwerdens ;-) ...

  • #2

    loire2012 (Dienstag, 01 Januar 2013 12:15)

    Danke - freue mich für Euch und hoffe ihr hattet eine gute blau-weiße Zeit. Nur, dass mit der ruhigen Seite des Älterwerdens, darüber muss ich noch länger nachdenken, als über das Frühstück am Neujahrstag.