Über die Integration von Fremden und mein gefühlter Anspruch fremd sein zu dürfen

aufgrund des Beitrags „Münchner Freiheit“ von Cornelia Münster,  Ems-Zeitung vom 3. Januar 2013

 

Da schreibt einer über Hamse der aus Somalia gekommen ist, nun in München wohnt und Asyl beantragt hat. Es steht heute den 3. Januar 2013 in der Ems-Zeitung und ich denke sofort an die Eimermenschen in Sögel, von denen ich bereits zweimal berichtet hatte. Mir fällt ein, dass Menschen aus dem Ausland nach Deutschland kommen, hier zu arbeiten, Geld zum Überleben zu verdienen, auch Spaß zu haben, aber gleichzeitig frei und sicher zu sein. Ich hatte 1974 zwei Pakistaner in Teheran kennengelernt, der eine kam aus Deutschland und musste zurück nach Pakistan, der andere war umgekehrt unterwegs.

(. . .)

Ich stelle mir vor, selber vor 70 - 80 Jahren meine Heimat hätte verlassen müssen, weil, ich nicht sicher gewesen wäre, morgens um fünf von Spezialpolizisten abgeholt und in eben jene Kaserne gebracht zu werden, in der Hamse heute wohnt. Die war zwar neu, aber genauso tot und unwirtlich wie heute, allerdings damals mit noch weniger Hoffnung ausgestattet. Wenn ich dann das Glück gehabt hätte, über z. T. dunkle Wege nach Lissabon zu kommen, eine der wenigen Überfahrten nach Amerika zu erhalten und dort zwar die Sprache verstehen und sprechen zu können, allerdings nicht arbeiten zu können, ich hätte mich bescheiden über mein Glück gefreut, sich schlafen zu dürfen, Freunde aus der Heimat gerne gesehen und mich mit ihnen an unseren Gewohnheiten erfreut, hätte sicher den Anspruch aufgestellt, fremd sein zu dürfen, weil dann mit noch etwas besserem Gefühl im Bauch.

(. . . )

Ankommen ist immer auch ein Prozess, sich in ein anders Land einzufinden. Wenn wir das nicht zulassen und nur den Eimer sehen, mit dem er täglich zur Arbeit geht, dann töten wir ihn mit seiner ganzen Vielfalt und Bereicherung für unser Leben. Mein kleiner Anspruch, in der Ferne etwas fremd bleiben zu dürfen, muss auch auf ihn übertragen werden können. Das Fremde bei ihm bringt uns erst auf den Gedanken, uns stärker mit uns zu befassen, nicht die Bestätigung, dass wir die Besten sind.  

 

Quellen:

Eigenes Erleben

OECD-Statistik

„Münchner Freiheit“ von Cornelia Münster,  Ems-Zeitung vom 3. Januar 2013

 

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Kommentare: 1 (Diskussion geschlossen)
  • #1

    Rolf (Freitag, 25 Januar 2013 08:20)

    Ein guter Beitrag!
    Solch Gedanken habe ich oft im Kopf wenn ich als Tourist im Ausland bin.
    LG Rolf