Kochen und Essen in Frankreich

Über 30 Jahre war ich eng mit Frankreich verbunden, ein ganzes Familienleben. Campingurlaube und eine unmittelbare Beziehung zur französischen Lebensart gehörten dazu: Marktbesuche, Muscheln an der Küste suchen und finden, bombastische Menues zaubern, guten Wein dazu auswählen. Und natürlich auch nicht den Aperitíf und den Deguestíf vergessen, sowie die kleinen Mundschmeichler vorweg . . .   



Ich habe in Frankreich immer anders gelebt als aus Konserven oder mitgebrachten Kartoffelsäcken. Natürlich war eine ausreichend große Küche dabei, wenn wir mit dem Zeltanhänger unterwegs waren, ab 1992 ein Holtkamper Flyer mit der luxuriösen Deichselküche. Diese war während der Fahrt auf der Deichsel befestigt. Man konnte sie dann leicht herunter nehmen, an den gewünschten Ort (im Vorzelt) rollen und dort in beliebiger und vor allem geeigneter Höhe fest aufbauen. Kochen im Stehen war dann auch mir mit 1,92 m möglich, nicht in gefühlt gebückter Haltung, wie zuhause. Allein das war schon ein Genuss.

 

Kochtöpfe in allen gangbaren Größen waren dabei – und natürlich auch ein Dampfkochtopf. Ging man kurz vor der Essenszeit über einen französischen Campingplatz und hörte ein leises Zischeln, dann wußte man, hier sind Franzosen am Werk, der Dampfkochtopf gehörte zur Standardausstattung. Pfannen jeder Größe wurden gleichfalls mitgenommen. Und weil weder die ganz große Pfanne noch der ganz große Topf, der für das Kochen der Krebsgetiere, auf den Herd passten, gab es natürlich auch den großen Aufsatz, um direkt auf der Camping-Gaz-Flasche arbeiten, d. h. kochen zu können.         

 

Waren es anfangs noch Krebse jeder Art, insbesondere die kräftigen Taschenkrebse, die ich draußen bei Niedrigwasser zwischen den Steinen jagte, bin ich später zur Strandangelei, dem gezielten Suchen essbarer Muscheln übergegangen, Palourdes waren immer meine Favoriten, jene dunklen Muscheln mit kräftigem Fleisch, die man mit speziellen Hacken aus den schlickigen Steinverstecken herausholen musste. Viele andere Muscheln gibt es, die alle ihren besonderen Strand haben und ihre Zeit, da man sie fangen kann. Wilde Austern sind eine Delikatesse, die ich vor Ort genossen hatte, mein finnisches Waldmesser bekam jede auf. Fische, Langoustines, Crevettes und Schnecken habe ich dann auf dem Markt gefunden und täglich sechs Austern.

 

Natürlich gab es auch Andouille, jene landestypische Kochwurst aus Mägen oder Andouilette zum Grillen, Lammfleisch in allen Varianten, leckerstes Kalbfleisch und vor allem Huhn, Hahn, Kapaun, Perlhuhn und Wachteln. Alles in ganz anderen Qualitäten als bei uns.

 

Und dann das Gemüse, die Kartoffeln und der Salat! Tomaten mit Geschmack! Melonen, insbesondere die aus der Charente! Ich höre auf zu schreiben. Stelle nur noch meine Bilder ein. Aus vielen Aufenthalten bunt gemischt. Denke aber noch mit besonderer Inbrunst an die gemeinschaftlichen Essen in der Normandie zurück. Wie wir über den Platz Tische und Stühle zusammentrugen, riesige Platten mit Krustentieren drauf, Platten gebastelt aus Pappkisten und Alu-Papier - es musste ja Stil haben! Alles hatte ich mit Bernd zuvor vom Markt in Grandville oder von Leclerc geholt - über den Wein und den Pommeaux reden wir hier gar nicht . . .

 

Nein, nein, nein, wer mehr als seine erste Tagesration mit nach Frankreich nimmt, ist ein Barbar und wird nie ein neugieriger Reisender!  

 

Ich aber bin ein Krebs, liebe das Meer, wo es am flachsten ist und finde dort alles zum Kochen und Essen. Die französische Küste ist reich gedeckt für Krebse wie mich! Und dazu reiche ich gerne einen kalten Muscadet oder Riesling, so z. B. zum Raie au beurre noir, dem Rochen in schwarzer Butter, bei dessen Zubereitung auch mal ein Zelt abbrennen kann, wenn man den Essig in die heiße Butter gießt - ohne vorher das Gas abgestellt zu haben . . . Ist ja noch mal gutgegangen.  

 


Das ist mein Beitrag zur (Blog-)Parade Essen auf Reisen.   

 

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Kommentare: 6
  • #1

    zypresse (Sonntag, 06 Januar 2013 09:42)

    Da läuft mir ja schon beim Lesen das Wasser im Munde zusammen - LECKER!!!

  • #2

    Travelmaus (Freitag, 18 Januar 2013 13:04)

    Nach diesem Bericht bin ich auf Frankreich (geplant 2014) und der französischen Küche vorbereitet. Außer beim Rochen habe ich so meine Bedenken...! Danke für den tollen Bericht! LG Anni

  • #3

    Simone (Freitag, 18 Januar 2013 16:58)

    Ja, die französchische Küche ist schon absolut klasse. Ich war mal einen Monat lang dienstlich in Frankreich, was mir gut 3-4 kg mehr auf die Rippen beschwert hat, aber jedes Gramm war es wert!
    Den Rochen hätte ich nicht in Frankreich erwartet, aber ich habe ihn schon mal in Asien bekommen und er war echt lecker! Schöner Bericht der mal wieder Lust auf Frankreich macht!
    LG Simone

  • #4

    Beate (Samstag, 19 Januar 2013 07:22)

    Dank Deiner Schreibkunst und der Fotos kann ich die Atmosphäre sehr gut nachvollziehen; das wären in den 1970er Jahren die genau richtigen Reisen auch für mich gewesen.
    Heute streichle ich lieber die zutraulichen Rochen - anstatt sie zu essen. Aber bei den Melonen aus der Charente bin ich wieder dabei!
    LG Beate

  • #5

    zypresse (Sonntag, 03 Februar 2013 21:50)

    Lieber EO,
    das Essen auf Reisen bringt die Menschen zusammen - was man schon an den fröhlichen Kommentaren zu Deinen Blogeinträgen merkt.
    Einen guten Start in die neue Woche wünsch ich Dir/Euch und natürlich guten Appetit beim Frühstück am Obenende,
    Ulli

  • #6

    Eckehard (Sonntag, 28 Juli 2013 19:13)

    Ich glaube, das müssten wir nochmal persönlich vertiefen.