Es ist wie es ist

frei nach: Mainzer Fassnachtsbrunnen
frei nach: Mainzer Fassnachtsbrunnen

Moin, heute kommt mir der ewig erste Satz unseres großen Vorbildes hier am Obenende in den Sinn, das Frühstück bei Stefanie, jener Kult-Comedy des NDR, die zuletzt den deutschen Comedy-Preis eingeheimst hat. Täglich werden bei Stefanie die Dinge der Welt verfrühstückt. Und wenn Opa Ahlers sein Mettbrötchen geschmiert bekommen hat, sowie den entscheidenden Hinweis auf sein Kreuzworträtsel, dann ist es wie es ist, stellt Stefanie bis zum nächsten Tag fest.

 

Jo, und das ist ja auch so beruhigend, hier am Obenende und anderswo sicherlich auch. Familienverhältnisse, die sind so, wie sie sind. Da nützt es auch gar nichts, sie ändern zu wollen, warum auch, die sind so. Die haben sich so entwickelt, die werden so gelebt und das betrifft auch nur die, die es immer betroffen hat, die Betroffenen. Ist das? Das ist.

 

Da haben wir uns schon mal drüber aufgeregt, als ein Kardinal sich über die Familienverhältnisse des Bundespräsidenten ausließ, der habe Vorbild zu sein, Schutz von Ehe und Familie usw. Es war gar nicht lange her und er bezog sich auf den Präsidenten Gauck, der kein CDU-Mitglied ist und zuvor evangelischer Pfarrer war.

 

Und jetzt kann man sich schon wieder aufregen, dass ein anderer (ehemaliger) Bundespräsident allein deshalb in den Schlagzeilen steht, weil er sich von seiner Frau räumlich trennt. Das verkennt eindeutig, dass es heute zunehmend mehr Paare gibt, die, in die Jahre gekommen, sich getrennte Schlafzimmer wünschen. Der eine schnarcht und es gibt kein Mittel dagegen, der andere liest gerne noch ein Stündchen im Bett, der steht gerne früher auf und der andere hat es gut, darf länger im Bett bleiben, ohne etwas zu versäumen. Dann ist es gut, für klare Verhältnisse zu sorgen, denken wir. Muss das? Das muss.

 

Ja, es ist auch nicht überall so wie hier am Obenende. Wenn man die Möglichkeiten hat, sein häusliches Leben auf zwei Häuser zu verteilen, eines mag doch ruhig eine Mietwohnung sein - obwohl, das hätte hier keinen Stil . . . Wir müssen doch nicht immer so tun, als wenn unser Leben das Maß aller Dinge ist. Warum soll es nicht Menschen geben, die so öffentlich sind, dass sie ihre wenige gemeinsame Zeit nicht am liebsten auch in einem öffentlich zugänglichen Café verbringen wollen? Wenn sie es sich leisten können und nicht am häuslichen Fernseher bei Cräcker zusammensitzen wollen? Mein Kaffee hier am Obenende aus der Maschine ist billiger und die Cräcker von Aldi auch. Aber bitteschön, es ist wie es ist. Muss das? Das muss.  

 

Im September des vergangenen Jahres hielt Alice Schwarzer die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten mit einigen marginalen Einschränkungen für eine mutige Frau, als sie in Ihrem Buch die Trennung einläutete, die Frauenrechtlerin verbrämte das allerdings als selbstbewusste Befreiung gegen den Medienterror. Ja, meinen wir hier am Obenende, mutig war sie schon, als sie 2006 alles auf eine Karte setzte - aber zu verlieren hatte sie dem Grunde nach überhaupt nichts, nur mehr oder weniger zu gewinnen. Wir werden sicherlich noch erleben, wieviel es sein wird.

 

Und er? Er braucht jetzt einen Opa, der ihm aus seiner Klemme hilft. Früher wäre er hier am Obenende zu ihm gegangen, in nasser Hose und Hemd, einigen blauen Flecken und einem traurigen Blick. Er hätte fünf Mark als Trostpflaster bekommen, weil er mit seinem Moped in den Mittelkanal gefahren war, schuldlos natürlich. Heute würde Opa ihm einen Hunni mit den Worten in die Hand drücken, dass er sich mal einen schönen Abend zwischen Oben- und Untenende machen solle, alles zu vergessen, denn es ist wie es ist. Und kein Wort an Mama und und Papa! Denn Opa meint immer noch, dass das besser nicht in die Öffentlichkeit gehört. Kann das? Das kann.

 

Die letzte Tasse Kaffee ist mal wieder auf und der Strom weg, weil eine Sicherung durchgeknallt ist - kommt in den besten Familien vor. Aber warum die knallen, die Sicherungen, Sektkorken oder Türen, das ist meist Sache der Familienverhältnisse und auch am Obenende schwer zu verstehen. Auch in Dortmund nicht. In Großburgwedel mag das ja anders sein, da war aber auch die große Welt der Schönen und Wichtigen zuhause. Tschüss          

 

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