Ein Wink mit der Parkkralle

Moin, jeden Tag ein Unfall - und das jetzt auch noch direkt am Obenende. "Ob denn da häufiger Autos in die Kanäle fahren", werden wir gelegentlich von Besuchern gefragt. Wir nicken und erzählen von dem Spezialfahrzeug, welches zum Herausholen vor einiger Zeit angeschafft wurde. Jetzt war es wieder im Einsatz, einem Mann aus Ostfriesland war schlecht geworden und er ist dann anschließend mit seinem Passat in den Splitting gefahren. Kann das? Das kann!

 

Wäre das einer vom Obenende gewesen, hätte der ein Haus und seine Grundsteuer nicht bezahlt, trotz mehrfacher Mahnung, dann wäre ihm das mglw. erspart geblieben. Die Stadt Papenburg hat nämlich vor 2 Monaten eine Parkkralle angeschafft, um auch bei sehr säumigen Zahlern ihre Steuern eintreiben zu können. Und wenn die dann auch keine Garage haben oder das Moor bereits auf das Grundstück übergegriffen hat, weshalb dann auch keine Parkfläche hinter dem Haus mehr zur Verfügung steht, dann wird es peinlich. jeder Nachbar sieht: der zahlt nicht! Naja, sagt man sich, dann wäre das Auto auch nicht in den Kanal gefahren . . .

 

Nur ist das auch keine Lösung. Weder am Oben- noch am Untenende gibt es einen ÖPNV, der diesen Namen auch wirklich verdient, nur mal so einen Bus auf der Durchreise. Was anderes ist hier nicht üblich. Wenn man also den Menschen ihr Auto nimmt, nur weil sie die Grundsteuer nicht bezahlen können, dann kommt das ja schon fast einer Freiheitberaubung gleich. Wie sollen denn die Brötchen vom Bäcker auf den Frühstückstisch kommen, die Milch von Combi, Aldi oder Lidl in den Kaffee, der gelbe Sack vom Rathaus in den Mülleimer?

 

Zumindest würde es am anderen Ende des Kanals als genauso gravierend angesehen, wenn der Gerichtsvollzieher den Fernseher mitnimmt, weil man immer wieder schwarz mit der U-Bahn gefahren uind erwischt worden ist, dann aber das Bussgeld nicht bezahlt hat. Kann das? Das kann. Was sollen die armen Kerle denn auch machen? Die wirklich alten Häuser können doch nur zu Preisen verkauft werden, mit denen anschließpend keine Miete finanziert werden kann - es gibt hier zuwenig Mietwohnungen, erst recht keine tatsächlich preiswerten. Ist schon eine Zwangslage der besonderen Art. Am anderen Ende des Kanals wohl auch schwer zu verstehen. Vielleicht jetzt in Großburgwedel? Also, das mit der Parkkralle finde ich in einer Stadt, wo das Auto so wichtig ist, dass man nirgends eine Parkuhr aufstellen mag, schon einen herben Wink mit der Keule!  

 

Das mit den Zahlungsrückständen hier am Obenende und umzu muss aber ein wirkliches Problem sein. Die Frau, welche mir schon länger beim Frühstück den kleinen Kosmos hier erklärt, ist nämlich der Meinung, wir hätten immer einen guten Eindruck bei unseren Handwerkern hinterlassen, weil alle Umbauarbeiten sofort bezahlt würden. Und, komischerweise, einmal habe ich einen Handwerker gefragt, warum er auch nach drei Monaten noch keine Rechnung geschickt hätte. Doch, hätte er, muss wohl verloren gegangen sein, oder . . . Aber an eine Mahnung hatte er nie gedacht. Muss das, das muss! Ja, sagt diese Frau, man wartet hier immer etwas gerne mit dem Bezahlen.  

 

Ob das in Hannover auch so war, mit den Kliniken, die das Land nach Recherchen des Landesrechnungshofes zu billig privatisiert hat, ich denke nicht, war ja ein Schnäppchen und würde hier vielleicht sogar in die Kategorie "Nachbarschaftshilfe" fallen, da heißt es immer: Cash auf die Kralle! Und schon schließt sich unvermittelt der Kreis. Ja, das mit der Kralle versteht der Mensch hier am Obenende sicherlich am Besten! Ist das? Das ist wohl.

 

Ich habe etwas gelernt, lehne mich zufrieden zurück, denke an  früher und sinniere, erinnere mich an die endlosen Debatten um die Erhöhung von Grund- und Gewerbesteuern. Lasst die doch weiter ganz unten. Das ist die Lösung: Kommunale Steuern niedrig halten, die Ansiedlung staatlicher Betriebe (auch die denken wirtschaftlich) als (verdeckte) Strukturhilfe begreifen und dann noch etwas Cash auf die 200-€-Kralle, dat isses doch, Jörg. Auch in passenden Großstädten, die kleinen machen es vor! Komm wir trinken noch einen Kaffee! Tschüss.      

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