Darf es auch etwas weniger sein?

Licht am Ende des Tunnels?
Licht am Ende des Tunnels?

Moin, "weniger?" hören wir fragen, "wieso denn das?" Es geht ja nicht um die Ladentheke, da wäre solch eine Frage undenkbar, geschäftsschädigend eher. Es geht um uns, so einfach mal darum, was man hier am Obenende zum Leben braucht und sicherlich auch am Untenende, in Aschendorf, der Samtgemeinde Sögel, dem ostfriesischen Leer und auch der Metropole am anderen Ende des Dortmund-Ems-Kanals. Also in der ganzen Welt, die wir so noch gerade überblicken können. "Darf es etwa auch etwas weniger sein?" 

 

Weniger Steuern? Weniger Zinsen für unsere Spargroschen, weniger Urlaubstage in der Sonne, weniger Zeit für die Familie, weniger km fürs Auto und auch weniger schnell, weniger Weihnachtsgeschenke, weniger warm in der Wohnung? Weniger, das ist etwas, an das wir uns schwer gewöhnen können. Weniger Steuern - natürlich, ein Klasse Wahlgeschenk. Weniger Staat, jawohl! Weniger staatliche Leistung? Hilfe, der Sozialismus will uns fertigmachen, die können doch nicht mit dem Geld anderer Leute umgehen! Wir haben ja schon Schwierigkeiten, zu verstehen, dass es nicht immer mehr wird, kaum Wachstum: wo soll das noch hinführen? Ins "Weniger!" Kann das? Das kann.

 

Wir werden erfahren, dass dieses "Weniger" uns hilft zu entscheiden, wovon wir mehr haben möchten, worauf wir verzichten können, ganz oder zum großen Teil. Mancher wird urplötzlich erkennen, worauf viele bereits heute schon verzichten, freiwillig oder unfreiwillig. Gar manchem von uns wird aber eine Entscheidung überlassen.

 

Wir hier am Obenende können uns z. B. entscheiden, ob wir die teuren Eier zum Frühstück wählen, von freilaufenden Hühnern, oder die billigen aus der Käfighalterung ihrer Hennen. Wir haben auch die Wahl zwischen frischem Fleisch aus Ostfriesland nebenan und gefrorenem von irgendwoher. Wir haben sogar die Wahl zwischen Gemüse aus dem Bio-Laden oder dem Discounter. Es geht, die Qualität der Ernährung (und damit auch die Qualität des Wohlbefindens) zu erhöhen, gleichzeitig die Kosten aber einzugrenzen. Artikel mit nur noch kurzer Haltbarkeit sind deutlich günstiger. Warum soll ich mehr bezahlen, wenn ich es eh heute essen will? Es geht um die Reduzierung der Kosten, wenn man die Ziele im Auge hat. Muss das? Das muss.

 

Ich hätte ja meinen schlecht sitzenden Anzug nicht in Shanghai bestellen müssen, zum halben Preis, um damit lediglich bei Beerdigungen auftreten zu können - eine Fehlinvestition, aber nicht ganz unnütz. Nur in Zeiten des "Weniger" wäre eine doppelt so teure Anschaffung besser gewesen, weil dann ein zweiter Anzug nicht erforderlich gewesen wäre.    

 

Und so kommt mir die Presselandschaft am anderen Ende des Kanals, also in Dortmund, auch vor. Man will Kosten beim WAZ-Medien-Konzern sparen und investiert in die Beerdigung der WR, indem man die Lokalredaktion auflöst und deren Arbeit vom bisherigen Konkurrenzblatt machen lässt. Kann das? Das kann schon mal gar nicht!

 

Wenn ich meine häusliche Kostenstruktur neu ordne, dann investiere ich mglw. in eine bessere Dämmung des Hauses oder Gewinnung von Solarstrom. Wenn es mir nicht gelingt, die Finanzierung durch die niedrigeren Energiekosten bei einem ingesamt geringer werdenden finanziellen Spielraum auffangen zu können, werde ich vielleicht auf einen Anzug verzichten oder eine Woche Reiseurlaub - je nach Belieben, nur nicht auf das Essen, da ich Prioritäten gesetzt habe, inhaltliche und nicht Kostengrenzen, die mich unweigerlich zum Discounter führen. Muss das? Das muss. Und viele handeln schon danach. Der WAZ-Konzern sollte es auch tun, die WR quer zu subventionieren, denn er ist aufgrund seiner Geschichte der Presselandschaft verpflichtet, der öffentlichen Meinung, nicht höherrangig der Gewinnmaximierung. Das sehen wir hier sogar am Obenende so, wie schwer mag es die Menschen in Dortmund treffen?

 

Aber ja doch, teurer wird es für die, und für das Internet wird man dann auch bezahlen, aber die Nachrichten sind recherchiert, bewertet und verbürgt. Das kostet natürlich. Die Nachrichten der RN sind es auch, nur anders. Die Wahl ist nicht umsonst - aber ein hohes Gut, wofür man dann auch gerne auf etwas wie Zigaretten, Schokolade, ein Gläschen Wein oder eine Tasse Kaffee verzichten mag. Soll das? Das soll wohl. Tschüss       

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