Entscheiden oder Moderieren, das ist hier die Frage

Athen 1978
Athen 1978

Moin, ganz Hamlet, so denken wir, einschließlich des Königsmordes, aber ohne zuviele Analogien, so kommt die Politik heute daher: Sein oder Nichtsein, Entscheiden oder Moderieren, das ist hier die Frage. Und das düstere Gesicht des auf dem Tron sitzenden Herrschers blickt uns von vielen Faltblättern (zudem falsch zitiert) entgegen, den Kopf des Hofnarrens im Schosse tragend. Nun, ganz so theatralisch ist Politik am Obenende nicht, auch haben sich die Methoden des Machtwechsels geändert. Aber: Eine interessante Botschaft haben wir vom Neujahrsempfang in Aschendorf mitgenommen: Politik muss entscheiden, nicht allein moderieren, sagt der hiesige Europaabgeordnete der Sozialdemokraten. Muss das? Das muss.

 

Und dann liegt heute zum Frühstück Schnee über dem Obenende. Nicht so sehr hoch, vielleicht 3 cm im Durchschnitt. Es ist aber dieser feine, welcher vom Ostwind in jeden Winkel getragen wird und sich dort auftürmt zu kleinen Schneewehen. Man muss damit leben, die Ems-Zeitung hat es ja auch geschafft und war pünktlich. Die Spuren im Schnee lassen erkennen, dass der Schneefall gegen Mitternacht eingesetzt haben könnte, damit bildlich diesen spannenden Wahlabend mit einem Glitzer friedlich überzogen hat: Schlaft Euch jetzt erst einmal aus. Muss das? Das muss.  

 

Eine Stimme mehr im Landtag, damit lässt sich eine rot-grüne Wende beginnen, 12.409 Stimmen landesweit. Kante kann gezeigt werden, muss es, ein wenig moderieren, um die Menschen einzubinden - und dann entscheidend den weiteren Weg festlegen.

 

Uns gefällt der Gedanke, dass Politik derzeit zusehr moderiert wird und sich so vor Entscheidungen wegduckt. Nicht dass wir das nicht bereits gespürt hätten, dass wir nicht bereits seit langer Zeit ein Unbehagen empfinden, uns zurücksehnen nach einer ganz anderen Politikkultur, nein, nein, das schon, aber wir haben jetzt ein Wort dafür gefunden, es ist uns benannt worden. Kann das? Das kann wohl und wir sind darüber gut zufrieden.     

Wir hier am Obenende haben unsere Grundsätze, haben unsere Überlebensregeln und wissen wo wir stehen, wir als Rentner ohnehin. Dass hier die Mehrzahl der Menschen bürgerlich-konservativ wählt, ist das? Das ist wohl, und die sind es gut zufrieden. Die Dinge stehen hier für die Menschen anders im Raum als dort, wo ich herkomme, vom anderen Ende des Kanals. Aber wo wir unser Essen herbekommen, von Combi, dem Bioladen oder Aldi, in dieser Frage treffen wir uns wieder. Und das ist hier so wichtig, wie am anderen Ende - nur andersherum. Da muss man überall mit den Leuten reden, wenn man etwas möchte. Zuhören, damit man weiss, wo der Schuh drückt, aber auch, wo die Grenzen der Zumutung liegen. Aber das wissen wir alle ja aus unseren Leben, unseren Alltagserfahrungen.

 

Ein Moderator wird am Ende einer Diskussion nur die Ergebnisse auflisten, damit alle fröhlich nachhause gehen können. Er wird niemanden  vergessen, weil er ja gerne noch einmal Moderator sein möchte. Ist ja auch schön und wichtig. Aber beim nächsten Mal wird man sich fragen, was passiert ist, wenn keine Arbeit verteilt wurde, keine Aufgaben zu erledigen waren. Man wird sich daran erinnern, dass alles schon einmal diskutiert wurde und es offensichtlich keinen Fortschritt gibt, nur Meinungskarten an der Pinnwand. Man wird sich abkehren von den moderierten Gesprächskreisen, seinen anderen Interessen nachgehen, einer klaren Kante nachtrauernd. Aber auch: Entscheidungen weiterhin erwartend, die einen Weg bedeuten, für die man sich die richtigen Schuhe anziehen kann, nicht zufällig mit den Sambalatschen im Moor zu versacken oder mit den Pumps durch den tiefen Schnee zu stiefeln. Muss das? Das muss wohl nicht.  

 

So, und da sind wir jetzt mal gespannt, was da so demnächst in Hannover ans Laufen kommen wird, oder in Berlin danach oder auch in einem Jahr bei der Europawahl. Klare Kante? Ja bitte! "Freunde", höre ich Hans-Dieter Hüsch vom Niederrhein vor 45 Jahren bedeutungsvoll sagen: "Freunde, wir haben Arbeit bekommen!" Eine Tasse Kaffee auf ihn, muss das? Das muss. Tschüss  

 

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