Geradezu beglückt!

Moin, geradezu beglückt sei er gewesen, meinte der noch amtierende Justizminister der Niedersächsichen Landesregierung am Wahlabend angesichts der ersten Hochrechnungen gegenüber der Presse, was diese trotz seiner nur verhalten jubelnden Parteifreunde auch gerne als Überschrift verwendete. Immerhin hatte der Papenburger mit 66 % persönlichem Zuspruch auch 10%-Punkte mehr Erststimmen erhalten als 5 Jahre zuvor. Einzig der SPD-Kandidat konnte als Mitbewerber gegenüber 2008 1%-Punkt draufsatteln (jetzt 21 %), die übrigen mussten Verluste hinnehmen oder konnten sich gerade halten (Grüne). Erst hielt ich es für einen Fehlerteufel, ein Plus von 10%-Punkten gegen den Trend. Doch die Recherche half: Es gab 2008 noch eine Freie Wählergemeinschaft mit einem Direktkandidaten, jetzt aber nicht mehr . . . Ist das? Das ist.

 

So tut es auch nicht wundern, wenn meine Ems-Zeitung uns am Obenende mit einem etwas durchwachsenen Kommentar zum Wahlergebnis in den Tag danach schicken wollte. Da nämlich die FDP wider Erwarten erstarkt sei, würde sie wohl den Posten des Justizministers für sich beanspruchen, wenn es an die Regierungsbildung gehen würde. Dass diese schwarz-gelb aussehen würde, stand bis zum Redaktionsschluss wohl außer Frage. Man hätte es jedoch im Konjunktiv formulieren können, aber vielleicht wollte man seinen Leserinnen und Lesern einen Grinser zum Frühstück als Ziehguck mitliefern. Oder es ist bloß das alte Denken gewesen. Kann das? Das kann wohl.

 

Denn der scheidende Justizminister wird nun als zukünftiger Landtagspräsident gehandelt. Mal sehen, was wird. Dickköpfig und furchtlos Strippen ziehen kann der Emsländer durchaus - und der ehemalige Bundespräsident hat es zu spüren bekommen. Mit 66 % direkt gewählt zu sein, das stärkt das Selbstbewußtsein. Und in der Ortschaft Oberlangen Moor hat er sogar 93 % hinter sich versammeln können. Überhaupt, diese vielen kleinen Dörfer und Städtchen machen sich ja jetzt auch große Sorgen. So auch das ausgesprochen schmucke Sögel, wo zwar die sog. Eimermenschen miserabel untergebracht wurden, es aber einen gut funktionierenden Großschlachthof gibt, das sehenswerte Schlößchen Clemenswerth und bspw. die Hannoversche Beteiligungsgesellschaft (HanBG) mit saftigen Gewerbesteuerzahlungen. In der HanBG sind die Landesbeteiligungen zusammengefasst und an einen Ort mit niedriger Gewerbesteuer verlagert worden. Das will die neue Landesregierung rückgängig machen, hat dort auch ein deutlich schlechteres Wahlergebnis eingefahren und muss sofort mit den Warnungen aus dem Emsland leben lernen.

 

334 Direktstimmen in Hildesheim hätten zu dem einem Mandat mehr für Rot-Grün geführt und damit die Wahl entschieden. Kann man so im Land der Busemänner, Remmers und Seiters sehen, aber dass die schwarz-gelbe Regierung knapp 100 Tsd. Stimmen verloren und Rot-Grün knapp 350 Tsd. dazugewonnen hat, das war die Voraussetzung dafür - und hatte seine Gründe. Das wissen wir wohl am Obenende. Und das wird einiges ändern, insbesondere hier. Sich aber nun schon mal für die politische Vorratskiste darüber zu beklagen, dass weder die SPD, noch die Grünen ihre emsländischen Kandidaten so plaziert haben, dass sie nun auch im Landtag sitzen - das wäre der Ems-Zeitung am Wahlabend noch nicht eingefallen. Und eigentlich ist es ja auch nur ein verzweifelter Versuch, Recht zu behalten und für alles weitere schon mal Schuldige zu benennen - für die nächste Wahl. Kann das? Das kann.

 

Es geht den Medien um die Machtfrage, "Rot-Grün will um jeden Preis die Macht". Wir hier am Obenende setzen darauf, dass in Hannover immer aus der Position einer gerechten Verantwortung heraus gehandelt wird, allen und allem gegenüber. Darauf noch ein Kaffee, muss das? Das muss. Tschüss.        

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