Kigoma - am dritten Tag nach der Wahl

Moin, jetzt, drei Tage nach der Wende-Wahl in Niedersachsen, treten die Schlagzeilen darum in den Hintergrund, an nachgeordneter Stelle wird über die Koalitionsverhandlungen in unserer Ems-Zeitung berichtet. Gut Ding will eben Weile haben. Andere Meldungen machen wieder auf die ursprünglichen Bedürfnisse hier am Obenende aufmerksam. So kann man hören, dass nach Einfädelung durch die Landesregierung - wer dort in der Staatskanzlei auch immer - Kigoma gerne mit Papenburg, also auch dem Obenende, eine Partnerschaft eingehen möchte. Ein kleiner Einspalter auf der zweiten Seite des Lokalteils. Kigoma, kann das? Das Kann wohl.

 

Und jedes zweite Schulkind am Obenende weiss, wo die Stadt Kigoma liegt: Am Wasser, weil dort ein berühmtes Papenburger Schiff liegt und eigentlich nicht mehr fahren kann. Nein, es liegt weder am Küsten-, noch am Dortmund-Ems-Kanal, nein, sondern im Tanganjika-See, mitten in Afrika und schon seit hundert Jahren, da regierte uns alle noch der richtige deutsche Kaiser von Berlin aus. Und weil der gerne überall seine Schiffe haben wollte, insbesondere auch da, wo die Engländer noch keines hatten, baute man auf der Meyerwerft ein Eisenschiff, etwa 40 m lang und auch gut breit, schraubte es nach der kaiserlichen Abnahme auseinander, verstaute es in 5.000 Kisten, brachte es an den riesigen Binnen-See nach Afrika und schraubte alle Teile wieder zusammen. Eine Kiste soll gefehlt haben, aber das Schiff tat seinen Dienst, bis in die heutigen Tage. Muss das? Das muss.     

 

Ein engagierter Papenburger wollte das Schiff jetzt zurückholen, hatte auch schon einen Bundespräsidenten hinter sich, aber dann kamen zwei Wechsel und die Einsicht: Geht nicht. Aber immerhin: Es sollen mglw. die paar Millionen € aufgebracht werden, das Schiff wieder instand zu setzen, wobei die Meyerwerft selber wohl abwinkt. Muss das, das muss.

 

Kigoma ist der jetzige Heimathafen der "Liemba", die als "Graf Götzen" in Papenburg gebaut worden war. Und am dritten Tag nach der Wahl hören wir, dass über die Landesregierung die Anfrage nach einer Partnerschaft gestellt wurde. Da muss die neue aber jetzt ganz doll aufpassen, denn das hatten wir ja schon mal. Mit BP Wulf (CDU) war das Wort von BP Köhler (CDU) nicht einlösbar. Hat ihn das seinen Kragen  gekostet, der Justizminister (CDU) ist alter Papenburger? Wenn MP McAllister (CDU) sein Wort gibt (oder so ähnlich), wird das MP Weil (SPD) einlösen? Wir sind gespannt und fragen lieber nicht, ob das wohl muss. 

 

Damit man es besser versteht: Bensersiel (nicht weit weg vom Obenende) ist der nördlichste Vorort von Dortmund, nicht dass es eine offizielle Partnerschaftsurkunde gäbe, aber immer einen Werbestand mit guten Getränken auf dem großen Weihnachtsmarkt, seitdem es ihn gibt auch direkt unter dem größten Weihnachtsbaum der Welt. Ist also sehr wichtig für Dortmund - oder umgekehrt, weil mancher Dortmunder in Bensersiel eine zweite Heimat gefunden hat, sein Doppelleben sozusagen! Muss das? Das muss.

 

Kigoma könnte ja der südlichste Ortsteil von Papenburg werden und dann jährlich auf einem oder auch allen Weihnachtsmärkten hier vertreten sein. Und wenn wir aus der Liemba zweckentfremdend ein Hotelschiff machen, taugt Kigoma auch als zweite Heimat! Ja, so sehen Parallelen aus.

 

Natürlich ist das nicht für umsonst zu bekommen, was wir am Obenende allerdings sehr viel lieber hätten. Wenn aber die Staatskanzlei den Deal einläutet, dann wird die sich ja auch was dabei gedacht und an die Seite gelegt haben. Und wenn sich die neue Landesregierung daran nicht erinnert, dann werden die schon mal was erleben, die SPD und die Grünen! Kann das? Das kann, denn mit Afrika, der Graf Götzen (oder wie sie heute heißt) und den Erinnerungen an alte, gute Zeiten, mögen sie auch nicht lange zurückliegen, ist hier nicht gut scherzen! Man hat seine Lobby nach wie vor im Parlament, und Opposition ist nicht schön, aber man kann sich ja schon mal auf die nächste Wahl vorbereiten. Muss das? Das muss nicht.

 

Drum lasse ich das mit dem zweiten Kaffee, kommt ohnehin aus Kenia und nicht aus Tansania. Tschüss  

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