Leberspießchen in Istanbul

1974 hatte ich eine Reise in den Iran gemacht, meine erste größere. Sie sollte Erinnerung hinterlassen, die mein Leben lang Begleiter sein würden, auch Erinnerungen daran, was in anderen Ländern gerne gegessen wird und wie schnell man sich daran gewöhnen kann. 



Essen unterwegs, das sind immer diese vielen kleinen Anekdoten. Am liebsten habe ich ja selber gekocht, nur ging das nicht immer. Auch gab es Reisen, wo es nicht einmal in Ansätzen möglich war – selber zu kochen. So auf der Persienreise, wo wir immer darauf angewiesen waren, etwas Essbares kaufen zu können, mittags meistens shish-kebab (Reis mit Fleischspießchen). Irgendwann hat man das auch über. Es wurde dann in Persien bei unserem niedrigen Studentenbudget von Tag zu Tag eintöniger, sodass wir uns über eine gelegentliche Apfelsine gefreut haben. Auch erinnere ich mich auch noch genau an ein Frühstück, das uns in einem Hotel angeboten wurde, das wir Abend als Notquartier erreicht hatten, da der Bus wegen einer eingestürzten Brücke einen riesigen Umweg fahren musste. Das habe ich in meinem Reisebericht weiter ausgeführt, vom Frühstück aber bislang nichts gesagt. Wie immer gab es Fladenbrot, aber hier konnte man sich die fette Haut der gekochten Milch wie Butter auf das Brot schmieren und das Ganze ausgiebig mit Honig beträufeln. Es war soooo lecker! Es gab das für uns nur hier in diesem Hotel, kurz vor den Toren von Täbris.

 

Während der folgenden 2 Tage, wir befanden uns auf dem direkten Heimweg per Bus, dachten wir viel an Istanbul, das wir etwa 4 Wochen zuvor in östlicher Richtung verlassen hatten. Und wir malten uns aus, wie das werden würde, wenn wir aus unserem Jugendhotel herauskommend gleich rechts herum den Grill mit den beiden Jungs wieder finden. Kleine Fischchen hatten die beiden, Leberspießchen zum Verwöhnen des Gaumens und es roch so gut! Ich hatte dort auch einmal Nierchen am Spieß gegrillt probiert und konnte mir gar nicht mehr vorstellen, wie lecker das in Istanbul wohl werden würde. Wenn immer die Fahrt beschwerlich wurde, mit dem Dolmus die Hänge des Taurus-Gebirges hinab, dem Reisebus von Erzurum nach Ankara durch die Nacht gebraust, oder anschließend von dort nach Istanbul, wir heiterten uns immer wieder mit der formulierten Sehnsucht nach diesen Spießchen auf. Und als wir dann über den Bosporus übergesetzt hatten, in diese wunderschöne Stimmung des Sonnenuntergangs im Smog des März 1974 und hinter den Minaretts von Istanbul hineingesaugt worden waren, trafen wir im Jugendhotel eine Engländer. Der überwinterte immer im Süden der Türkei, wohl dort, wohl heute die Touristenzentren liegen.

 

Und dieser junge Brite, meinte uns wohl erklären, worauf hier in der Türkei zu achten sei, wohl weil wir uns gerade auf den Weg zum Grill machen wollten. „Never take the left hand of a Turkey, because they don’t use paper.” Wir haben das schon verstanden, es war uns nicht neu, hatten wir doch schon den Weg an den Persischen Golf hin und wieder zurück ohne Malässen überstanden. Dennoch, er war der Fachmann. Wir haben den Grill gesehen, die leckeren Leberspieße erschnuppert und auch ein wenig davon gegessen, eher anstandshalber uns gegenüber. Aber richtig satt wurden wir dann in einer Garküche    

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0