Bücherverbrennung - politisch korrekt?

Gasometer Oberhausen: Sonne. Mond und Sterne
Gasometer Oberhausen: Sonne. Mond und Sterne

Moin, es wird ein Jahr voller Neuorientierungen, dieses 2013, wenn wir alles annehmen, was bislang angeboten wurde. Selbstverständlich muss man auch über sich selber nachdenken, wenn es um den alltäglichen Sexismus geht, nachdenken, in welchem Umfang man selber gefangen war und ist, das abstellen, denn anders geht kein von Respekt getragenes Miteinander. Da müssen alle ran. Muss das? Das muss.

 

Natürlich wissen wir auch, dass es politisch korrekte Begriffe und Worte gibt, also auch politisch unkorrekte. . . Die zähle ich hier nicht auf, würde aber Schwierigkeiten bekommen, falls ich beispielsweise Kindern mein Mecki-Buch der 50er Jahre vorlesen bzw. zeigen würde. Selbst die Zeichnungen sind dort unkorrekt. Bei Karl May hätte ich auch so meine Probleme, Indianer mag noch gehen, aber Rothäute? Grimms Märchen kämen in einen eigens beschafften Tresor, da nun wirklich nicht korrekt: Es wird Angst vor häßlichen alten Frauen geschürt (Hänsel und Gretel), wobei das Aussetzen von Kindern gar nicht sosehr geächtet, nein, sogar als Schicksal hingenommen wird. Das Frauenbild im "Der Fischer und seine Frau" ist gleichfalls äußerst kritikwürdig. Oder ist Rassismus anders zu bewerten als Sexismus? Kann das? Das kann wohl nicht.

 

Diese Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen und es ist in der Tat so, dass sich die Inhalte von Büchern und ihre sprachliche Form jeweils dem Zeitgeist angepasst haben. Wir denken, dass heute wohl niemand mehr blutrünstige Sagen niederschreiben wird, um Kinder zu erreichen. Drachen jedoch stehen meist für das Böse, was es zu überwinden gibt. "Archetypen" fällt uns als Begriff ein und ein wenig gurgeln führt, an wikipedia vorbei, auch zu einer interessanten Darstellung, im welcher der Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung zitiert wird. In den Archetypen können Kinder das ausleben, was in ihrem eigenen Leben tatsächlich nicht  vorkommen wird, aber zur Persönlichkeitsbildung durchlebt/verarbeitet werden solllte. Wir haben das jetzt mal so frei formuliert.

 

Ob nun dunkelhäutige Menschen auch zu Archetypen gehören, fremdartige also, vermögen wir nicht zu sagen, können es uns aber vorstellen, denn Rassismus bei Menschen, welche Bücher in ihrer Kindheit gelesen haben, wo Andershäutige unreflektiert dargestellt werden, sind uns persönlich nicht bekannt. Wir haben Mecki gelesen, Pippi Langstrumpf, das Lied von den 10 kleinen Negerlein gesungen und auch Geschichten von Zigeunern verschlungen, Operetten dazu gehört und gesehen. Nicht alles ist Kinderliteratur, aber sehr vieles davon. Muss das nach den Vorstellungen der Familienministerin jetzt alles auf rassistisches Vokabular hin untersucht und davon befreit werden? Das wäre allein volkstümelnd populär und durch nichts belegt, würde Kultur vernichten und nichts Neues schaffen oder weiterentwickeln helfen. Bücherverbrennung aus Gründen des Zeitgeistes liegt nah, auch wenn nur formelle Parallelen erkennbar sind.

 

Wir leben in einer sich schnell ändernden Zeit, die war nicht immer so. Gedruckte

Bücher hatten und haben ihren Wert, ihre Beständigkeit, sind Zeitzeugen. Und wie in jedem anderen Buch auch, liegen in solchen mit heute eher unkorrektem Vokabular durchaus wichtige Inhalte versteckt, die gerade von Kindern positiv bewertet und aufgearbeitet werden. "Kinder sind doch nicht blöd", heißt es im Umfrageergebnis unserer Ems-Zeitung heute zum Thema. Oder kann sich jemand vorstellen, dass seine Kinder mal ein Pferd in der Küche hochstemmen oder "Sachenfinder" als Beruf anstreben? Aber im träumen davon finden sie ihren Frieden.

 

Zunehmend mehr werden heute die Bücher nicht mehr gedruckt, sondern als e-book angeboten bzw. gleich auf CD gesprochen - mit entsprechend kürzeren Halbwertzeiten. Das mögen wir bedauern. Aber wir brauchen das dann auch nicht mehr im Feuer zu entsorgen, wenn man meint, es passe nicht mehr. Einfach nur löschen oder, viel besser, mit einer Suchfunktion die kritischen Volkabeln herausfinden und automatisch durch passendere ersetzen. Wenn es denn der Erziehung dient? Ist so ja wohl eh nur vordergründig und formal angelegt.

 

Muss das? Das muss wohl nicht. Und Bücher vernichten schon einmal gar nicht. Vorlesen und -leben, erzählen und antworten, reden und zuhören, Zeit zum Laufen und Zeit zum Spielen, das ist es, was unseren Kindern angeboten werden sollte, nicht das gerade passende Vokabular, austauschbar wie die Rechtschreibung oder die Mengenlehre als Denkmodell für die Mathematik. Darf das? Das darf nicht.

 

Da kommt jetzt plötzlich unsere Raumpflegerin ins Zimmer und fragt zögernd, was ich denn von dem Wahlergebnis in Niedersachsen halte. Als ich ihr sage, dass ich damit "gut zufrieden sei", schaut sie verunsichert und meint nur, dass ihr sowieso alles egal sei. Ist halt schon wieder Wahlkampf im Emsland, denke ich. Trotzdem, die zweite Tasse Kaffee bitte und Tschüss.        

 

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Beate (Mittwoch, 30 Januar 2013 07:51)

    … und wer hat’s erfunden …? Die Idee der "political correctness" haben wir wie so vieles von den Amis (pardon: den US-amerikanischen Bürgern) übernommen, doch in typisch deutscher Manier müssen wir mal wieder über-reagieren und Rundum-Kahlschläge veranstalten.
    In den Staaten überlegt man schon länger, wie man den Indianersommer politisch korrekt umbenennen könnte. Da sollten wir uns beeilen, um mit unserem Altweibersommer nicht hinterherzuhinken.

    Im Ernst: solange der Umbenennung nicht auch ein Umdenken folgt, ist das Ganze für mich einfach nur eine Farce ...