Aber einen Teddy hatte doch jede(r) . . .

Moin, Weihnachten ist schon lange vorbei, fünf Wochen liegt es zurück, Kerzen am geschmückten Baum, darunter Geschenke für Groß und Klein, fröhliche Stimmung. Manchmal gestresst, wegen vielleicht nicht erfüllter Erwartungen, korrigieren kann man nichts mehr und Tränen sind das Schlimmste, was man nun sehen möchte. Nein, bloss nicht das! Und die Kinder wissen das sehr schnell. Freuen sich riesig über jedes Geschenk - auch wenn es dann jahrelang unter dem Bett verstaubt. Aber einen Teddy - geliebt oder nicht, klein oder groß - hatte doch wohl jede(r). Kann das? Das kann.

 

Und man sieht es an dem "(r)", dass dieses geschlechtslose Wesen sowohl die Herzen der Jungen, wie die der Mädchen erobern sollte. Ich weiss nicht, ob das hier am Obenende auch immer so war, wir können es uns aber gemeinsam gut vorstellen. Warum hätte es anders sein sollen? Diese Teddys blieben ja dann auch nicht alleine. Bei den Mädchen kam eine Puppe hinzu, die zu pflegen war, die "Mama" blöken konnte und charmant mit den Augen klapperte. Die Jungen fanden kleine Autos unter dem Tannenbaum, dann eine Eisenbahn, gelegentlich gleich eine elektrische, ansonsten kam die dann später. Hier am Obenende wird es sicherlich auch noch wegen der vielen Kanäle eine Angel gewesen sein. Die Mädchen zogen mit Puppenwagen nach, Puppenhäusern, in denen man dem Einrichtungstrieb nachgehen konnte, die Jungen erhielten ihr erstes Handwerkszeug, es dem Vater nachmachen zu können. Kann das? Das kann.

 

Eigentlich könnten wir uns jetzt ja wieder neun Monate zurücklehnen, das nächste Weihnachtsfest und die Vorweihnachtszeit abwarten, Geschenke zu besorgen. Mal schauen, was dann so gewünscht wird. Aber da war eine kleine Nachricht heute in unserer Ems-Zeitung, die mich aufhorchen ließ. Nicht im Lokalteil, da war der 100jährige Geburtstag des Rathauses großes Thema, oder im Emslandkreis, wo der hier wieder seit 23 Jahren ansässige Biber erwähnt wird (und dessen Gefährdung durch geplanten Sandabbau), nein, in dem von der Osnabrücker Zentralredaktion oder einer beliebigen Agentur produzierten Wirtschaftsteil: Der Anteil des Spielzeuges für Mädchen sei deutlich gestiegen. Anlass war die heute eröffnende Nürnberger Spielwarenmesse.  

 

Die Produktlinie "Friends", welche sich speziell an Mädchen richten würde, sei der größte Wachstumstreiber gewesen, berichtet der Vizepräsident von LEGO. Und so gibt es auch eine Yacht (orig.: Jacht) zum Erträumen für Mädchen. Wir fragen uns, ob das irgendwie mit der aktuellen Debatte zum Sexismus in Verbindung zu bringen ist. Finden zwar keinen direkten Anknüpfungspunkt, denken aber daran, dass offensichtlich Mädchen und Jungen unterschiedliche Interessen haben, auf die bereits beim Spielzeug Rücksicht genommen wird. Denn wenn es Produktlinien für Mädchen gibt, dann auch solche für Jungen. Auch Yachten, nur andere? Oder ist den zukünftigen Männern ein Raumschiff wichtiger, während die jungen Frauen dran gehen werden, ihre Träume von einer Yacht zu reaslisieren? Muss das? Das muss wohl nicht.

 

Nichts wird auch hier so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Gerade gestern haben wir darüber gesprochen, dass Kinder nicht blöd sind. Sie suchen instinktiv die unter einer Geschichte liegende Wahrheit. Insofern müssen wir keine Angst vor dem massenhaften Auftreten von Jung-Vampiren haben oder aufgrund alter Kinderbücher eine Verfestigung des (latenten) Rassismus befürchten. Aber man sollte durchaus den Zeitgeist berücksichtigen. Nur, zurück zum Spielzeug, den kuscheligen, geschlechtslosen, einfach nur da seienden und nach einer intensiven Bespielung lechzenden Teddy, den finden wir nirgendwo mehr, nur noch in den Vitrinen sammelwütiger Erwachsener. Und wäre nicht gerade der Teddy ein Spielobjekt, miteinander gegenseitigen Respekt einzuüben, Junge und Mädchen gemeinsam? Man muss mal drüber nachdenken, so'n Frühstück ist dafür zu kurz. Kann das? Das kann wohl.

 

Jetzt noch schnell eine Tasse Kaffee und auf geht's! Tschüss.               

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Kommentare: 1
  • #1

    I hate Barbie (Mittwoch, 30 Januar 2013 11:14)

    Der Sexismus fängt schon mit dem Ü-Ei an; die gibt's jetzt auch speziell für Mädchen! Würg!
    s.a.: http://www.spiegel.de/panorama/rosa-ueberraschungsei-gender-forscherin-gegen-produkte-nur-fuer-maedchen-a-852318.html