Outsourcing nach Sögel - darf das?

Zeche Zollverein (Essen)
Zeche Zollverein (Essen)

Moin, dieses Jahr hat es in sich. Political correctness steht offensichtlich über Allem, politisch korrekt muss es sein, was immer das meint. Und jeder Betroffene wird es weit von sich weisen, dass gerade er oder sie dagegen verstoßen hat. Das ist von außen auch so schwer zu unterscheiden, was in der Politik richtig und was korrekt ist. Interessiert das überhaupt jemanden hier am Obenende? Soll das? Das soll.

 

Denn was richtig ist, bestimmt eine Mehrheit (manches mal eine zufällige) im Stadtrat. Dann wird das so gemacht, das ist Demokratie, sollen die Gegner es doch anders machen und sich selber mal eine Mehrheit besorgen. Aufgeklärte Demokraten - insbesondere solche am anderen Ende des Kanals, dort, wo man eine jahrzehntelange, aber jetzt untergegangene Tradition entwickelt hatte, die Wahrheit durch Mehrheitsbeschluss zu bestimmen - haben inzwischen erkannt, dass dieser Weg nicht immer zum besten Ergebnis führt. Deshalb überlegen sie vorher auch die Konsequenzen.

 

Was nun korrekt sein soll, hatten diese zwar zuvor auch versucht, per Mehrheit zu entscheiden, sind aber möglicherweise auch daran historisch vor gut 10 Jahren gescheitert. Politisch korrekt? Nicht ohne Grund verwenden wir das aus dem anglo-amerikanischen Sprachenraum kommende Wort von der political correctness. Für uns hier am Obenende verbirgt sich darin sehr viel mehr Öffnung über die politische Aktualität hinausreichend. Correctness leitet sich danach eher ab von einer gesellschaftlichen Strömung, bspw. Verhaltensweisen in Bezug auf den Umgang zwischen Männern und Frauen oder die Verwendung heute als nicht mehr tragfähig angesehener Vokabeln in alten Kinderbüchern. Tagespolitik ist das nicht, sondern es bezeichnet gesellschaftliche Ziele, ohne demokratische Legitimation, aber als Leitbild dennoch von einer Mehrheit gelebt oder von einer aktiven Minderheit engagiert angestrebt.

 

Unterliegt das outsourcing dem Anspruch einer political correctness? Wir meinen das regionale outsourcing. Wenn wir also Geld nach Liechtenstein transferiert hätten, um es dem Steuerzugriff hier zu entziehen? Oder in die Schweiz? Immer unterstellt, dass die Aktionen legal waren und damit auch korrekt abgewickelt wurden. Es wurde unser Geld dorthin gebracht, wo es für uns den größten Nutzen bringt. Durfte das? Das durfte. Darf das? Dass darf wohl eher nicht, weil wir immer mehr dem Gemeinwohl verpflichtet sind.

 

Was ist aber denn nun, wenn die CDU-Landesregierung ihre Beteiligungsgesellschaft (HanBG) nach Sögel in den Hümmling verlegt? Das war sicherlich politisch korrekt abgewickelt worden. Die Stadt Hannover verlor dadurch zwar Gewerbesteuererträge, aber Sögel war der Gewinner, zugleich aber auch die HanBG, da die Hebesätze in Sögel deutlich niedriger sind. Was Hannover natürlich nicht verloren hat, sind die Aufwendungen für die der HanBG zugehörigen Gesellschaften. Ist das noch durch correctness gedeckt? Kann das? Das kann nicht. Und der neue Ministerpräsident hatte schon im Wahlkampf angekündigt, er würde die HanBG nach Hannover zurückholen. Das wäre eine zentrale Gesellschaft und deren Sitz gehöre in die Landeshauptstadt.

 

Und so tobt denn auch nach der politischen Wende in Niedersachsen der politische Kampf in Sögel. Die SPD fordert eine Entschuldigung, weil der Sögeler Bürgermeister (CDU) dem zukünftigen Ministerpräsidenten (SPD) vorgeworfen hat, er würde Niedersachsen insgesamt einen  Schaden zufügen und hätte offensichtlich das System des Finanzausgleichs nicht verstanden. Die Entschuldigung dafür wird von der SPD-Fraktion gefordert, auch weil der BM Parteifunktion und Amt vermengt habe. Der Vorwurf endet, so meine Ems-Zeitung von heute, mit der Warnung: "Wenn Sögel anfange, gegen Weil zu stänkern, dann haben wir ein Problem."  

 

Also wir (am Obenende) meinen, dass es der political correctness entspricht, zentrale Einrichtungen auch zentral vorzuhalten. Den Finanzausgleich betrifft das schon mal gar nicht. Außer man sieht nur den eigenen Kirchturm, der nach der Landtagswahl in Niedersachen auf immer kleinerem Territorium steht. Und dass das Ganze auch poltisch korrekt umgesetzt wird - das versteht sich doch von selbst. Muss das? Das muss!

 

Noch ein letzter Kaffee, das Themen wird bleiben, aber anderes ruft auch. Tschüss       

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Kommentare: 1
  • #1

    zypresse (Donnerstag, 31 Januar 2013 12:35)

    ...wenn ich nicht regelmäßig hier frühstücken tät - ja, dann wüßte ich wohl nicht, wo Sögel liegt, geschweige denn, dass es Sögel überhaupt gibt. Und den Sitz der "Hannoversche Beteiligungsgesellschaft mit beschränkter Haftung" hätte ich dort (bzw. in Groß Berßen) wohl zuallerletzt gesucht... Hoffentlich versinkt sie nicht im Loher Loch, weil jemand über den Missbrauch des Steuerrechts flucht ;-)
    (ja, schon gut, ich geb's zu - ich habe in Wikipedia gestöbert...)