Papenburger Totalitäten

Moin, es gbt ihn doch, den Papenburger Karneval, und wie! Da macht sich im Rheinland niemand Gedanken drüber, weshalb man ihn hier so pflegt. Wir hier am Obenende schon. Und mag der Obenender an  sich auch sehr karnevalbeflissen sein, wir vom Frühstück sind es nicht und beim Frühstück schon einmal gar nicht. Dennoch wissen wir, dass die Menschen hier sehr gerne feiern und auch jeden Grund dafür nichnur suchen, sondern auch herzhaft annehmen. Dafür gibt es viele Beispiele, und zur Grundausstattung einer jeden guten Nachbarschaft gehört denn auch ein kräftiger Bollerwagen, möglichst mit Standplatz für einen Kühlschrank und Platz für etliche Kisten. Es geht auch eine fahrbare Zapfanlage. Muss das? Das muss.

 

Karneval wird jedoch auch gerne als Prunksitzung im Saal gefeiert. Da trifft man sich in einem geeigneten Saal, wir haben hier am Obenende einige, und dann geht das von Jahr zu Jahr immer rund. Und Orden wollen natürlich auch verteilt werden, warum sollte es hier anders als anderswo sein? Und wenn Aachen den Orden "Wider den tierischen Ernst" verleiht, mindestens auf der Ebene eines ehemaligen Ministers, um sich auch einmal frischen Humor einzuholen, dann steht dem Papenburg nicht nach und zeigt in diesem Jahr mal dem ehemaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer das Obenende mit seiner Gaststätte Schulte-Lind, um ihn mit dem Gerd-Bliede-Preis auszuzeichnen. Dass Töpfer Humor hat, bewies er in seiner Amtszeit, als er den Rhein durchschwamm, zum Beweis für das gute Wasser dort.

 

Natürlich hielt der Ehrensenator vom PCV, Rudolf Seiters, die Laudatio. Da haben sich dann hier am Obenende mal wieder zweie getroffen, die sich von sehr viel früher erzählen konnten. Mittendrin am Ehrentisch Gitta Connemann mit rotem Schopf, denn die will ja am 22. September erneut in den Bundestag gewählt werden. Da war es doch schön, sich mal so von der Sonntagspresse ablichten zu lassen, das zählt nämlich immer noch am meisten. Das weiss man auch auf der anderen Seite vom Dortmund-Ems-Kanal, oder hat man das womöglich vergessen? Kann das? Das kann.

 

Denn hier in Papenburg, am Oben-, wie am Untenende, aber auch in Aschendorf, lebt die aussterbende Spezies von profilierten CDU-Politikern. Die Familien der Landesminister Busemann und Remmers, sowie Rudolf Seiters, der heute noch als DRK-Präsident in Amt und Würden steht, mir jedoch bekannt wurde als Kanzleramtsminister unter Kohl während der deutschen Wiedervereinigung, später als Innenminister. Wir können aber nicht erkennen, ob oder besser dass sich diese Runde verdienter Politiker, die sich jetzt hier mit Golf, Wochernmarktbesuchen und Ehrenämtern das Alter schmücken, gelegentlich prominten Besuch empfangen und im übrigen überall als VIP gerne als einer von hier gesehen werden, vergrößert. Ergänzungen sind derzeit noch nicht erforderlich. Dennoch, Züge eines politischen Altenteils hat das hier schon, aber auch damit geht der Karneval großzügig um, verteilt seine Rollen. Papenburg bleibt eine klassische CDU-Stadt. 

 

Ulrich Nehe, der Alt-Bürgermeister, stieg allerdings zum letzten Mal mit seinem jährlichen Klassiker "Bürger Nehe" (welch ein Wortspiel!) in die Bütt und reimte sich ins karnevalistische Altenteil (so der Emsland-Kurier): "Nun entschied ich's zu Ende; ich geh' in Narrenrente. Ich hab gestochen und enthüllt, mich wohl in dieser Roll' gefühlt." Ja, da treffen sie sich alle wieder. Muss das? Das muss.

 

Und am anderen Ende des Kanals? Ich glaube, da wird der Zug immer noch von demselben (Recker-)Mann organisiert und angeführt, der das schon vor mehr als dreißig Jahren gemacht hat. Karneval ist eben der bessere Teil vom Leben, da gibt's auch keine Rente, sondern nur Orden, Ehrungen und Auszeichnungen für jeden Mist. Kann das? Das kann.

 

Und wer jetzt keinen Humor aufbringt, wird uns wahrscheinlich dafür während der nächsten zwei Wochen an die dänische Grenze verbannen. Oder man beweist Humor und reicht uns auf der nächsten Sitzung einen Orden. Muss das? Das muss nicht. Lieber erst noch einen Kaffee und Tschüss.   

 

  

 

 

 

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