Immer nur sparen wollen bringt Verdruss

Foto: Henning Müller-Späth
Foto: Henning Müller-Späth

Moin, na klar, wir wissen das. Wenn  man seine Heizung nicht wartet, dann ist es schon mal schnell kalt. Aber auch nach einer Wartung, kann ein Teil ausfallen, doch dann gibt's ja die Garantie. Beim Schornstein war das immer so ein Problem, weil, den Russ sehen wir ja nicht, aber, ist halt billiger vorzusorgen. Und bei den Brennwertheizungen fällt das dort auch weg. Ja, und unsere Autos bringen wir auch regelmäßig in die Werkstatt, weil der Tüv das Ergebnis ja überprüft. Auch lieben wir es, wenn das Auto immer anspringt und auch nie liegen bleibt. Und  so'n Auto braucht es halt zwingend hier am Obenende. Muss das? Das muss.

 

Nein, sparen kann man woanders, sonst bringt es reichlich Verdruss. Die Menschen am Obenende haben kein Problem damit, wenn es im Winter kurz vor Mitternacht stockfinster wird, da die Straßenbeleuchtung für etliche Stunden abgestellt wird. Mich würde es verdrießen, wenn ich unterwegs bin, aber das ist ja wohl meist nicht. Und böse Buben gibt es hier nur sehr wenige. Aber auch, und das ist dann schon verdrießlich, im Dunkeln. Es gibt hier sehr grelle, weil wohl mit alter LED-Technik ausgestatte, Ampeln, man spart, wo man kann. Das ist bei Nebel zunächst schön, dann aber verdrießlich, weil man stark geblendet wird. Wir fahren ja nicht mit geschlossenen Augen über eine Kreuzung. Und anschließend ist es gefährlich, weil die Straßenlaternen ein diffuses Dunkel verbreiten, sehr zum Verdruss der Radfahrer, aber das wissen die wohl noch nicht: Sie nutzen lieber die glatte Straße, als den vom holprigen Fußweg abgetrennten Radweg, und am Licht der Fahrräder wird eh gespart, nicht nur an den Radwegen. Muss das? Das muss wohl nicht.

 

Und dann berichtet heute meine Ems-Zeitung aus Lingen, das liegt fast auf dem halben Weg zur großen Stadt südlich vom Obenende. Da haben wohl die Betreiber von Feuermeldern ihre Geräte so schlecht gewartet, dass die freiwillige Feuerwehrleute wohl sehr häufig wegen eines Fehlalarms ihre normale Arbeit niedergelegt haben und ausgefahren sind. Das brachte soviel Verdruss, dass jetzt bei solchen falschen Alarmen die Kosten dem Betreiber auferlegt werden. Das bedeutet anderen Verdruss  - und vielleicht die Einsicht, dass man besser die Folgen jeder Sparstrategie im Auge behalten sollte.

 

Häufigeres Zähneputzen führt ja bekanntlich auch zu weniger Zahnschäden und -kosten, da fallen die zwei bis drei Tuben Mehrverbrauch im Jahr sicherlich nicht ins Gewicht. Man könnte ja auch eine regelmäßige Prophylaxe vornehmen - auch das erleichtert das Leben und weniger den Geldbeutel. Und was für den privaten Haushalt gilt, zählt sicherlich auch zu den angestrebten Tugenden der öffentlichen Einrichtungen und umgekehrt, heißt es doch immer. Ich kann ja regelmäßig die Straße reinigen, das tun die hier am Obenende genauso häufig, wie in der großen Stadt am anderen Ende des Kanals, die machen das sogar etwas billiger. Und das erst anschließend schnell die Rest-Mülltonne geleert wird, das kenne ich auch aus Dortmund, eine Frage der Organsiation. Und wenn dann hier wegen der automatischen Ein-Mann-Leerung der Tonnen selten mal eine umkippt oder sogar das Fahrzeug drübermangelt, das Problem löst man elegant und spart insgesamt Kosten ein. Stört auch keinen lange. Aber ich kenne Bilder aus der großen Stadt, da liegt das Streugut immer noch auf der Straße, auch nachdem das Reinigungsfahrzeug wieder fort ist. Das zeigt Richtung Verdruss, zumal das Zeug nur in die Straßenmitte geschoben worden ist. Hat man da am richtigen Gerät gespart? Hier wird viel weniger gestreut. . . Kann das? Das kann wohl.  

 

Man mag eine Sparstrategie dahinter vermuten, denn auch die Adventsbeleuchtung, die Lichterketten, hängen noch in den kahlen Platanen der Innenstadt. Bauzäune werden noch durch wenig Tannengrün verdeckt, so, als sei Weihnachten und der Abbau des riesigen Weihnachtsmarktes gerade 2 Wochen alt. Ein trauriger Anblick, der sich in den Pfützen des nassen Februarmorgen spiegelt, die grelle Neonbeleuchtung der vielen Filialbetriebe an der Einkaufsstraße verstärkt und an der Menschentraube vor dem Kaufhauseingang hängen bleibt. "SALE" steht in großen Lettern darüber geschrieben. In wenigen Minuten wird das Kaufhaus öffnen. Und keine zwei Stunden später wird sich der Trauerzug von der Westfälischen Rundschau aus in Bewegung setzen, eine Institution zu Grabe tragen. "Immer nur sparen bringt Verdruss," denken wir. Aber wir wissen auch, dass der Strukturwandel vor unseren Türen noch lange nicht halt gemacht hat. Es wird durch das Sparen nichts billiger, erschwinglicher, nur anders. Wird das? Das wird wohl.

 

Heute wird das aber wegen Regen nichts mehr mit dem Bäumeschneiden, das muss aber, damit wir wieder ordentlich Äpfel bekommen. Also trotzdem los, ein Kaffee noch und Tschüss.     

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