Die Straße - die Umwelt - die Vernunft

E 233 vierspurig? Quelle: Google maps
E 233 vierspurig? Quelle: Google maps

Moin, eigentlich geht es gar nicht um Straße, Umwelt und Vernunft. Es geht um Grundsätze, aber die kann man so nicht unter die Leute bringen, die macht man fest an dem, was die Menschen möchten und die Natur nicht leiden kann: an einer Straße. Die heißt E 233 und verbindet das deutsche Autobahnsystem ab der Hansalinie (A 1) mit dem niederländischen Autobahnnetz - über den Ostfriesenspieß (A 31) bei Meppen hinaus. Und diese Straße soll vierspurig ausgebaut werden. Muss das? Das Muss. Oder auch nicht. Kann das? Das kann.

 

Ein Ausbau erspart Autobahnabhängigen, die über Osnabrück ausweichen müssen, die halbe Fahrstrecke, die man ansonsten bei etwas Pech kilometerlang hinter Treckern zurücklegen muss, wie gerade die Kreisvorsitzende der emsländischen SPD Andrea Kötter aus Meppen. Dies hatte meine Ems-Zeitung heute berichtet. Wir finden, dass der Ausbau dieser Straße - und allein darum geht es - sinnvoll und erforderlich ist. Vielleicht reichen ja auch drei Spuren, wie bei der B 54 zwischen Münster und der A 31. Das würde sicher auch viel Verkehr aus dem Ruhrgebiet (A 2) nehmen und insbesondere das dortige westliche Autobahnkreuzungssystem entlasten, meinen wir als zwei von 10 Mio. bundesweiten Experten für Verkehrsplanung, als erfahrene Laien also. Wir nutzen gerne bei Fahrten an die Atlantikküste den vierspurigen Abzweig von der A 31 bei Meppen nach den Niederlanden, sparen uns Bottrop, Oberhausen, Duisburg usw. aus, erleben zwar Breda - aber in NL ist das alles etwas entspannter. Kann das? Das kann.   

 

Was das für die Brummifahrer und die anliegende gewerbliche Wirtschaft ausmacht, können wir nur ahnen, vermuten aber nur Gutes. Und wo jetzt noch kein Gewerbegebiet ist, könnte ja eines entstehen, den Menschen Arbeit zu sichern, wenn diese anderswo wegbricht. Politik braucht vorausschauendes Denken, Vorstellungs- und Gestaltungskraft, Phantasie, aber keine Phantasten. Und damit haben wir das Thema dort abgelegt, wo es eigentlich herkommt und auch hingehört: Bei den Grundsätzen. Und da fällt mir die Flughafendiskussion am anderen Ende des Kanals ein, hat man ja auch unter NRW-Rot-Grün gelöst, gehört hier aber nicht hin. 

 

Da ist es natürlich ínteressant, wenn der Konflikt zwischen den beiden Koalitionspartnern hier vor Ort ausgetragen wird, da kann man mal die Waffen zeigen, hier noch den einen oder anderen Fürsprecher auf verschiedenen föderalen Ebenen, dort die Vernetzung mit Bürgerinitiativen. Entschieden wird irgendwo anders und umgesetzt - wenn - über einen längeren Zeitraum. Uns hier am Obenende wird das weniger betreffen, aber zumindest interessieren. Die Straße ist für uns nicht wichtig, wir haben unseren guten Anschluss nach dem Süd-Westen. Aber es wäre doch sicherlich ein guter Schritt in Richtung "Überwindung der Torfbarrieren, die durch das Emsland zu den Niederlanden bestehen".

 

Verstanden? Nein? Gut nochmal: Historisch lag das Emsland immer abseits der eigentlichen Zentren, wesentlich bedingt durch seine zwar schöne, aber nasse und vielfach abweisende Landschaft. Durch das zunehmende Zusammenwachsen von Europa im Allgemeinen, Deutschland und den Niederlanden im Besonderen, braucht es belastbare Verkehrsverbindungen. Die dürfen aber nicht allein über die bestehenden Grenzen hinaus gerade eimal die nächsten Straßen miteinander verbinden, sondern müssen das Hinterland mit einbeziehen. Muss das? Das muss.  

 

Wir lehnen uns beim Frühstück etwas zurück, schauen in die frisch verschneite Gartenlandschaft hinaus, bemerken die Vögel am Futterhaus und genießen unser kleines, humanes Biotop durch die Fensterscheibe. Bloss hier keine Autobahn! Doch darum geht es ja auch nicht. Nur, ohne Arbeit wäre das alles auch bei uns nicht(s). Kann das? Das kann nicht. Das wissen die da auch. Und von Hannover aus sieht man das Efeu an den Kirchtürmen nicht - bleibt zu hoffen. Das muss.

 

Also, eine zweite Tasse Kaffee eingeschenkt und Tschüss.   

 

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