Und immer ausreichend Wasser unter dem Kiel

Moin, mal wieder verlässt ein Kreuzfahrtschiff unsere Stadt. Nur wenige Autominuten entfernt wurde es im Trockendock zusammengebaut, vor kurzem ins Freie und damit auch ins Wasser entlassen, ergänzt um etliche Bauteile, die Rettungsboote usw. für die Überführung in richtige Gewässere nunmehr vorbereitet. Samstag geht es los, die Ems entlang.Muss das? Das muss.

 

Das nächste Schiff wurde schon begonnen, auf Kiel zu legen, es ist das erste einer neuen Serie, das nun Papenburg verlassende das letzte der AIDA-Baureihe. Sicherlich wieder ein großer Tag für den Papenburg-Tourismus, keine Chance, auf den bekannten Wegen an den Ems-Deich zu kommen. Eisenbahnbrücken werden vorübergehend abgebaut, die Ems auf einen Höchststand aufgestaut. Rückwärts geht es die Ems herunter.

 

Wir hier am Obenende wünschen dem Schiff eine gute Fahrt, hören auch immer wieder, dass die Menschen, welche dort einige Tage ihres Urlaubs verbringen, den hohen Komfort loben. Möge der immer bezahlbar sein, dann wird es auch den Arbeitern der Meyerwerft gut gehen, ihren Angestellten, der Chefetage und den vielen tausend Menschen in den Betrieben, die weiter hoffen zuliefern zu dürfen.

 

Nein, der Werft geht es nicht wirklich schlecht. Man hat die Auftragsbücher immer einige Jahre im Voraus gut gefüllt, das muss wohl. Ein Spezialschiff für die Meeres-Forschung, zwei Luxus-Kreuzfahrer einer neuen Bauart, das kann sich sehen lassen, der Markt aber fordert Kostensenkung, also will man heute auch gleich festlegen, wo denn die 50 Mio € gespart werden können, die man sich als Ziel gesetzt hat. Deshalb sicherlich eine Woche mit gemischten Gefühlen hier, da auch UPM-Nordland, die so wichtige Papierfabrik in Dörpen, 50 ihrer 1.800 Arbeitsplätze abbauen will. Kann das? Das kann.

 

Bleiben wir auf hoher See, dann schreckte uns hier am Obenende in der Seefahrerstadt das aufgegebene Kreuzfahrtschiff "MV Lyubov Orlova" hoch, das zur Zeit als Geisterschiff im Nordatlantik auf die Irische Insel zutreibt, kein Mensch, sondern nur noch Unmengen von Ratten an Bord. Ausgemustert, aber dann wie ein Bulle auf dem Weg zum Schlachthof freigekommen. Hat sich einfach losgerissen auf der Schlepptour zum Abwracken in der Karibik, kaum dass es die Gewässer von Kanada verlassen hatte. War wieder eingefangen worden, als es auf eine Bohrinsel zutrieb, konnte dann den Kanadiern zum Weiterschleppen übergeben werden, es rissen aber erneut die Tampen . . . Da bleibt für diesen in die Jahre gekommenen Luxusliner, der gut betuchten Reisenden zuvor im Eismeer Robben und anderes Getier nahegebracht hat, wohl nur der Fangschuss über - und ab in die Tiefe der Meere. Ob der Käufer, der nur am Schrott interessiert war, seine 27.000 $ Kaufpreis wiedersehen wird, mag eine Frage der Versicherung sein. Er ist es ja nicht Schuld, hat er doch auch keinen Schlepper und kein Geld dafür. Und das Abschleppunternehmen ist vielleicht genauso insolvent, wie der vorherige Eigner es war.    

 

Denn Schiffen der Meyerwerft wünschen wir dann doch einen würdigeren Abgang, wenn es denn mal soweit ist. Muss das? Das muss wohl.

 

Sonst würden wir ja auch zu all den vielen untergegangenen Schiffen laufend weitere stapeln, das wäre ja so, wie wenn wir die Reste unseres Picknicks einfach im Wald liegenließen, oder am Fluss, darf das? Das darf nicht.

 

Ach nee, der Kaffe wird (k)alt. Tschüss    

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Kommentare: 1
  • #1

    DiedenWaldliebt (Mittwoch, 06 Februar 2013 10:26)

    Eigentlich eine rührende Geschichte, die dieses freiheitsliebende Kreuzfahrtschiff uns bietet … wären da nicht die ganzen Schadstoffe an Bord. An ein ordnungsgemäßes Abwracken ist ja wohl nicht mehr zu denken, also wird es vielleicht wieder einmal "Schiffe versenken" heißen; die US-Küstenwacht beispielsweise kennt sich da aus. Und dann: aus den Augen, aus dem Sinn.
    Wie die angesprochenen Picknickreste im Wald. Wenn es nur die wären! Auch unser so oft besungener Deutscher Wald verkommt immer mehr zur Müllkippe ...
    DAS DARF WIRKLICH NICHT!!!