Die soziale Gerechtigkeit wird entscheiden

Moin, kaum erholt man sich von der einen Wahl, sieht man schon die Schatten der nächsten auf sich zukommen. So geht es jedem Verlierer und der Sieger macht sich auf, den nächsten Gipfel zu erklimmen. Am Obenende ist das so und auch in der übrigen Welt. Ganz besonders, von unserem Standpunkt aus, in Haren/Ems, wo die Junge Union sich das Wahlergebnis vom Geschäftsführer des renommierten Meinungsforschungsinstitutes TNS Emnid erklären ließ, Klaus-Peter Schöppner. Kann das? Das kann. 

 

Meine Ems-Zeitung verwendet dafür heute die Überschrift "Politik muss alle Bürger mitnehmen". Das klingt so einfach. Und die JU stellt in ihrer Diskussion auch heraus, dass man sich das auch hier im Emsland mit den bombigen Ergebnissen nicht zu einfach machen darf, sich darauf auszuruhen ginge schon einmal gar nicht. Damit ist sicher "weitermachen wie bisher" gemeint, denn in eine Ausruhphase hatte sich bestimmt keiner begeben. Im Gegenteil, die Erfolge im Aufbau einer wirtschaftsnahen Infrastruktur lassen sich vorzeigen und belegen schon durchaus Eifer, gepaart mit Erfolg. Und dann kommt einer aus dem fernen Bielefeld und spricht von "Sozialer Gerechtigkeit", die entscheiden wird. Muss das? Das muss.

 

Was ist überhaupt "Soziale Gerechtigkeit" und wird diese womöglich regional unterschiedlich erfahren? Im katholischen Emsland erhält die Partei die mit Abstand meisten Stimmen, die den Menschen auf der Ebene ihrer grundlegenden Bedürfnisse begegnet: Dem richtigen Glauben, der Bestätigung, dass jeder es schaffen kann, sofern er/sie ein ordentlicher Mensch ist, den Ausgleich von Lebensengpässen durch eine be-ruhigende Landschaft und deren Menschen, welche die Geselligkeit lieben. Wir wollen mal abwarten, wie der Politmatador des Emslands hier mit seiner Alkoholfahrt zurechtkommen wird. Wir denken, man wird sie ihm verzeihen. Und die Mehrheit wird es nicht verstehen, weshalb man dann eventuell als Landtagspräsident trotz Nominierung nicht wählbar ist. Kann das? Das kann wohl nicht.

 

Soziale Gerechtigkeit ist mehr, als finanziell abgesichert zu sein, nach sozialen Kriterien ausgewogen, gleich und menschenwürdig. Es beinhaltet auch die Gleichheit als Ausdruck von Gerechtigkeit vor den lebenslangen Chancen in unserer Gesellschaft. Das wird natürlich durch den Horizont der Menschen begrenzt, und der ist unterschiedlich weit, auch immer anders. Ich erinnere mich an die große Stadt Dortmund am anderen Ende des Kanals, ihre Abkehr von den politischen Koordinaten im Wege des Strukturwandels, der Aufgabe der Montanindustrie. Erst da haben sich Keimzellen der rechtsradikalen Parteien bilden können, ab den 80er Jahren immer dort, wo die jahrzehntelang Beherrschenden eben keine soziale Gerechtigkeit mehr vermittelt haben. 15 weitere Jahre brauchte es, dass man sich von den Wahlen resigniert abkehrte, damit den alten Gegnern das Feld immer mehr überließ. Am Obenende ist es ähnlich, aber andersherum. Hier wirkt der verbindende Glaube - doch der ist institutionell im Rückzug begriffen, stiftet immer weniger soziale Gerechtigkeit. Auch hier wird man eines Tages erkennen, dass die Erde keine Scheibe ist, wenn auch vielleicht ganz zuletzt. Muss das? Das muss.    

 

Und dann werden ganz langsam die Wählerinnen und Wähler entscheiden. Nicht aufgrund der Wahlplakate, sondern aus ihrem ganz persönlichen Wohlfühlvermögen heraus, der empfundenen sozialen Gerechtigkeit. Das ist ein langer Weg. Er kann eine halbe Generation umfassen oder mehr. Und darauf soll die Politik Rücksicht nehmen? Das sind doch keine Phantasten - meinen die von sich, nein das sind Realos, die anpacken, wo es auch mal weh tun mag, ganz im Interesse ihrer Wähler und immer aus der Erfahrung der letzten Dekade für die nächsten fünf Jahre gedacht. Sie übersehen, dass die Wählerinnen und Wähler sich verändern, lernen und auch an der fehlenden sozialen Gerechtigkeit verzweifeln können. Kann das? Das kann!

 

Ob das nun die JU heute mit einem Arbeitskreis für soziale Wirtschaftspolitik richtig angeht, spielt für die Weltgeschichte hier am Obenende keine Rolle. Ja, noch'n Kaffee bitte, ist ja auch schon Mittag geworden. Tschüß   

 

 

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