Eine App für alle Fälle

Moin, den Namen "Busemann" nahm ich sinierend in den Mund, zwischen Ei und getoastetem Ciabatta halblaut murmelnd. Und schon kam es mir entgegen: "Ich kann das nicht mehr hören, diese Verlogenheit. Jetzt halten alle es hier für ein Kavaliersdelikt. Fast 0,9 Promille im Blut und dann als Innenminister noch selber gefahren. Zuvor hatte er, wohl durch den Wahlkampf motiviert, die Grenze der Fahrtüchtigkeit auf 0,3 Promille heruntersetzen wollen." Dann las ich die Seiten mit den spontan eingeholten Unterstützungsadressen meiner Ems-Zeitung und auch den Zeitungs-Kommentar dazu. Nein, heißt es da, Gesellschaft und Medien dürfen nicht immer sofort den Stab über einen Politiker brechen, wenn der einen Fehler macht. Zudem hätte er sich ja entschuldigt. Eine Bestrafung wegen der Ordungswidrigkeit wäre, wie für jeden anderen auch, ausreichend. Beispiele von Menschen des öffentlichen Lebens werden genannt. Otto Wiesheu (CSU) wurde nach einem unter Alkohol (1,75 Promille) verursachten Unfall mit einem Toten später noch Verkehrsminister, Jörg Haider (östereichischer Rechtspopulist) raste mit 1,8 Promille in den  Tod. Margot Käßmann (EKD-Ratsvorsitzende) trat nach ihrer Trunkenheitsfahrt sofort zurück. Warum das in eine Reihe mit Foto gestellt wird, bleibt mir verborgen, aber wir denken, dass alles möglich ist, wenn man bedenkt, welche Vorbildfunktion man sich selber zumisst und welchen Respekt man von sich im Amt von anderen wünscht. Muss das? Das muss.

 

Und so wollen wir auch etwas abwarten, was denn nun passieren wird. Nein, der Chef einer Spedition muss sicherlich nicht seine Firma nach einer Alkoholfahrt verkaufen, aber seine Fahrer würde er möglicherweise entlassen, würden die erwischt. Je nach Situation des Betriebes ein günstiger Zeitpunkt zu rationalisieren. Soziale Gerechtigkeit, du gefallener Engel, stehe bitte wieder auf! Soll das? Das soll.  

 

Nichts also mit Busemann und ich vertiefe mich wieder in den Beitrag zur Kreis-App. 15.000 kostenlose Schulfrei-Apps wurden bislang runtergeladen, ein großer Erfolg, wie der Landrat mitteilt. Apps, so eine kurze Erklärung, sind kleine Programme für Smartphones, die aktuell bestimmte Informationen vermitteln. Die einen verteilen diese Programme kostenlos, um für sich zu werben oder Produkte besser zu verteilen, für andere muss man ein Abo abschließen, bspw. für Zeitungen. Die Welt also auch am Obenende immer in der Tasche. Und wenn es klingelt, surrt, singt oder bellt, dann wird neuerdings daran erinnert, dass am nächsten Tag der gelbe Sack abgeholt wird, die graue Tonne, das Bio-Zeugs oder Papier. Und es gibt noch Millionen anderer Apps. Der Kreis ist mit dabei und das scheint gut so.

 

Denn wenn man sich erst daran gewöhnt hat - das dauert hier auch seine Zeit, bleibt aber nicht aus, dann zahlt man die Kosten sicherlich gerne, weil man dann auch immer auf der Höhe der Zeit ist. Kreis und Ems-Zeitung unterrichten einen dann immer zeitnah, mit Nachricht und Kommentar. Ich brauche woanders, etwa über Google und das übrige Internet, gar keine Infos mehr abzurufen, das verwirrt doch nur die Orientierung. Man war hier doch immer etwas besonders. Abgekehrt von der restlichen Welt, seinen Weg durch das Moor suchend, Schiffe für ferne Gewässer bauend. Da braucht es eine eigene Identität und wenn auch über eine eigene App. Nein, nein, nicht dass der Informationweg der Kreisverwaltung ein schlechter ist, nein, sehr modern  und richtig. Aber was da sonst noch so von der Spitze her verbreitet wird . . . Man muss das alles zusammen sehen. Muss das? Das muss nicht.

 

Und warum sind wir jetzt wieder bei Herrn Busemann? Weil der hier als ein biederer Mann von uns dargestellt wird, bodenständig, aus Dörpen kommend und auch als Landtagspräsident manches für Papenburg und das Emsland erreichen kann (wie das?). Und Alkohol am Steuer? Meine Güte, halb Ostfriesland (der regionale Erzgegner weil mehrheitlich evangelisch und SPD) hätte dann keinen Führerschein mehr! Man kann doch wohl mal nach einem guten Essen zwei Bierchen trinken! Da wird die regionale "Zufriedenheits-App" bemüht, auf landestypische Geselligkeit gesetzt, die anderswo offensichtlich niemand versteht. Oh du glückliches Emsland, andere fahren Taxe, du sparst für das nächste Bier. (Für die eifrigen Zitatforscher: in Ableitung des Ausspruchs "Bella gerant alii, tu felix Austria nube" - "Kriege führen mögen andere, du glückliches Österreich heirate". Kann das? Das kann.

 

Und so werde ich mir auch bald ein smartphone zulegen, es mit allen erreichbaren Apps versehen, die man hier im Emsland braucht - und noch ein paar mehr für alle Fälle, vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit, eigene Apps umgekehrt zu posten - dann wird's aber lustig, wenn jeder für alle Fälle mal so den anderen seine Meinung in die Hosentasche pusten kann, oder auch in die Handtaschen der Damen.

 

Moment, hatten wir heute den Kaffee schon auf und sind bereits zum Frühstück bei der toten Tante gelandet? Ach ja, ist ja auch Karnerval! Tschüss    

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    zypresse (Freitag, 08 Februar 2013 10:29)

    Da empfehle ich doch glatt zum Beispiel nachfolgende App: http://www.chip.de/downloads/Alkohol-Promille-Rechner-iPhone-App_53321852.html

    Nach einem Online Promillerechner kan man bei einem Mann von 80 kg (kommt das bei Herrn Busemann hin??) nach 4 Bier von 0.36 Promille, nach 10 Bier von 0.91 Promille ausgehen. Und dr Oktoberfest-Promillerechner bestätigt für einen 80 kg schweren Mann nach 3 x 0,4 Oktoberfest-Helles: "Sie haben im Moment eine Blutalkoholkonzentration von 0.83 Promille. Da sind sie ja bestimmt ganz lustig drauf!"

    Ich bin der Meinung, Herr Busemann täte gut daran, dem Beispiel von Frau Käßmann zu folgen. Geht das? Das geht nicht nur, dass muss!

  • #2

    loire2012 (Freitag, 08 Februar 2013 12:11)

    Ja ich auch. Ich erinnere daran, dass OB Pistorius (OS) demnächst Innenminister werden soll. Seine Eignung dafür war ihm im Wahlkampf von der CDU abgesprochen worden, urplötzlich fanden er und einige andere OBs sich während des Wahlkampfes vor Gericht wieder, wo ihnen falsche Entscheidungen in einer schwierigen personalwirtschaftlichen Frage zur Last gelegt wurden. Es ging um die Ausweitung vom Zahlungen einer Leistungsprämie an Beamte, nicht nur an Angestellte, was der Gesetzgeber dem Grunde nach nicht zulässt, aber für den Betriebsfrieden unerlässlich ist. Die Verfahren wurden nach der Wahl eingestellt. Pistorius wird Innenminster.

    Ein Innenminister muss untadelig Vorbild sein, auch ein Landtagspräsident. Man wählt einen Präsidenten und keinen Papst. Ok. Aber politische Konsequenzen werden immer zu ziehen sein, jenseits der Frage, ob es sich um eine Ordnungsvergehen oder eine strafrechtlich zu bewertendes Vergehen handelt.