Cui bono - oder: wem nützt es

Tetraeder in Bottrop
Tetraeder in Bottrop

Moin, manches Mal fragt man sich, weshalb so viel Energie auf nebensächliche Dinge verschwendet wird, während wichtigere einfach liegen bleiben. Haben sie etwa keinen Stellenwert oder geht es immer danach, wer wen beisst, der Mann den Hund oder umgekehrt? Da macht man sich so seine Gedanken.

 

Cui bono, wirft Hedi ein und ich verstehe, der Nutzen ist entscheidend. Ich bin ja auch zeitlebens Anhänger von Verschwörungstheorien und - ideologien gewesen. Wikipedia gibt zudem gleich die richtige Erläuterung: "In der Moderne ist das Prinzip, bei der Frage nach persönlicher Verantwortung nach dem Nutzen zu fragen, aus der Kriminalistik, politischer Analyse und Geschichtswissenschaft nicht mehr wegzudenken. (. . .) So wird häufig daraus, dass die amerikanische Regierung von den Terroranschlägen volm 11. 9. 2001 insofern profitierte, als sie dadurch eine Rechtfertigung für den bereits unabhängig davon geplanten Irakkrieg konstruierte, der Schluss gezogen, dass sie auch hinter den Anschlägen stecken müsse. . . " Nur, und auch das schreibt Wikipedia, darf allein eine solche Argumentation nicht zu falschen Kausalschlüssen führen. Es kann Zufälligkeiten geben und ganz andere, von einem bekannten Interesse unabhängige Gründe. Kann das? Das kann. 

 

Wem nützt es, wenn Herr Busemann trotzdem Landtagspräsident wird? Der rot-grün angeführten Demokratie in Niedersachsen, denn jetzt hat man die Möglichgkeit, auch ein Pairing durchzusetzen (ein in jedem Parlament dem Grunde gängiges Instrument). D. h., wenn zukünftig einmal bei einer Abstimmung ein Angeordneter von Rot-Grün krank ist, wird sich seitens der Opposition einer weniger an der Abstimmung beteiligen, um die Mehrheitsverhältnisse nicht dem Zufall zu überlassen. Die CDU hatte das bisher abgelehnt. Kann das? Das kann wohl.

 

Wem nützt es, wenn Frau Schavan der Doktortitel aberkannt wird, sodass sie als Ministerin zurücktreten muss? Allein der Universität Düsseldorf, denn so kann sie elegant verschleiern, dass ihre Lehrstühle in der Gründungsphase der Uni und dem Zusammenschluss mit der Pädagogischen Hochschule eifrig Promotionen angenommen haben, ohne diese tatsächlich ausreichend betreuen zu können. Frau Schavan macht auf den Fotos von damals eher den Eindruck eines fröhlichen, zurückhaltenden Mädchens, denn einer von Karrierewahn zerfressenen Politmaschine, die vor keinem copy and paste zurückschreckte. Hätte man die damaligen Kriterien zu Grunde gelegt, wäre es vielleicht anders ausgegangen, für Frau Schavan und die Uni. Cui bono?

 

Und wenn wir uns vorstellen, dass sich heute um 13:11 h ein wieder wohl 3 km langer Zug lustiger, kostümierter Menschen auf Wagen, mit Handwagen, zu Marschmusik und Gejohle entlang gleichfalls kostümierter Menschen vom Obenende in Richtung Untenende in Bewegung setzen wird, sich dort aufzulösen, dass die Teilnehmer weitersaufen können, fragen wir auch nach dem Nutzen und finden uns im Abseits wieder, eine typische Frage unverbesserlicher Protestanten! Eine Frage, welche den Sinn organisierter Fröhlichkeit offensichtlich per se ausschließt. Sie darf nicht gestellt werden, wenn zigtausende die Antwort mit den Beinen geben. Ach so. Das ist in der anderen großen Stadt am Ende des Kanals genau so, nur der Zug ist kürzer, den wieder mehr Menschen sehen werden. Kann das? Das kann!

 

Cui bono heißt auch, gelegentlich nicht weiterzufragen, wenn es absehbar an das Eingemachte geht, das, was die Menschen ausmacht - nach ihrer Meinung jedenfalls. In Heede, einem Wallfahrts- und Besinnungsort hier nebenan, wäre die Frage nach dem Sinn des Papsttums ganz anders zu bewerten (wahrscheinlich mit einem lebenslangen Verbot, diesen Ort zu betreten), als in Lünen. Die Frage, wem der vierspurige Ausbau der E 233 zwischen Cloppenburg und Meppen nützt, wird dort, in Bremen und in den Niederlanden ganz anders beantwortet, dort aus Sicht von mehr Lärm etc. abgelehnt, dort allerdings dann wegen der Arbeitsplätze und des absehbaren ökonomischen Vorteils unterstützt.

 

Jetzt denken wir nur mal darüber nach, ob eine Gesellschaft, die Eliten und eine Avantgarde zum Träger ihres Handelns macht, zu besseren Ergebnissen kommt, schneller und effektiver: Berliner Flugplatz, Stuttgart 24, Hamburger Elbphilharmonie, Dortmunder U-Turm, Papenburger VHS-Erweiterung, Ems ausbaggern für Meyerschiffe - es gibt überall Vorhaben, die zu Gedanken einladen. Nur, wir leben in einer anderen Gesellschaft als der von Eliten. Und die wird sich auch noch weiter von diesen entfernen, dank facebook und twitter. Wir werden uns nicht nur an diesem Sonntag der Frage stellen müssen, sondern sehr viel häufiger eine Antwort darauf finden müssen, wem was nützt: Cui bono? Muss das? Das muss.

 

Kaffee ist auch schon alle. Mist aber auch. Tschüß     

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    diemitderFünfinLatein (Sonntag, 10 Februar 2013 14:50)

    Wenn ich mich recht erinnere, dann war Frau Schavan aber auch eine der Ersten, die "Guttenberg muss zurücktreten!" forderte.
    Um bei den alten Römern zu bleiben: Quod licet Iovi, non licet bovi …? Oder was?

  • #2

    tossens4ever (Sonntag, 10 Februar 2013 15:05)

    Richtig, aber das hat sie m. E. nicht getan im Wissen über die Mängel ihrer Arbeit, deren "Erstellungs-Umstände" sind völlig andere, als die des ehemaligen Verteidigungsminsters. Das ihre Arbeit den Ansprüchen an eine Diss. nicht genügt hätte man schon damals feststellen können, als es noch kein copy-and-paste gab. Dass sie zurücktreten muss, liegt auf der Hand, aber meine Frage ist dem Grunde nach, warum die Uni Dü´dorf so entschieden hat, wie sie es hat - sie kommt da nämlich auch nicht schlecht bei weg . . . Der Vergleich des Jupiter mit dem Stier hinkt m. E. . . .