Dusel haben oder Dussel sein?

Moin, Busemann, zum MdL mit 66 % wiedergewählt, wird es bald geschafft haben. Sein menschliches Wesen und seine juristischen Fähigkeiten machen ihn zum einzigen ernsthaften Kandi-daten der CDU für das Amt des Landtagspräsidenten. Diese Fraktion hat das Vorschlagsrecht, weil sie die stärkste hier in Niedersachsen ist. Da will die SPD ihm seine Alkoholfahrt als Innenminister nicht nachtragen, er hat sich ja entschuldigt. Und weil die sich dann auch alle so lieb haben, wollte die CDU nicht nachstehen und hat angeboten, in begründeten Fällen das Fehlen von rot-grünen Abgeordneten bei Abstimmungen auszugleichen. Sie wird dann auf Teilnahme einer entsprechenden Zahl von MdLs ihrer Farbe bei Sitzungen verzichten - etwa bei Krankheit. Damit soll den tatsächlichen Mehrheitsverhältnissen im Landtag immer entsprochen werden. Meine Ems-Zeitung empfindet das als ein sehr konstruktives Angebot. In anderen Landesparlamenten, so auch bislang in Niedersachen, ist das der Normalzustand. Vergessen, dass die CDU/FDP solches ursprünglich nicht vorhatte, vergessen auch, dass meine Ems-Zeitung den unterstellten Versuch der SPD, dies auf dem schmalen Kreuz von Busemann auszutragen, vor einer Woche als Geschachere abgetan hat. Kann das? Das kann wohl.

 

Nur, unser Frisör hier am Obenende stellt fest, dass Busemann wohl einen riesen Dusel gehabt haben muss. Die Sache mit dem Papstrücktritt hat ihn tagelang (und wird es vor allem wohl auch noch) aus der Presse herausgehalten. Ein Dussel ist der ja nun nicht. Hat gleich gewusst, dass der Drops noch nicht gelutscht war, aber nur eben etwas teurer werden würde. Mögen seine Parteifreunde ihn deshalb für einen Dussel halten - wir nicht. Denn solch eine Ruhe ins Spiel zu bringen und trotzdem an seinem Ziel festzuhalten, qualifiziert sicherlich noch mehr für das angestrebte Amt. Kann das? Das kann.

 

Politik braucht eben einen langen Atem und ausreichend Beharrungsvermögen. Das beweist die katholische Kirche bereits seit Jahrtausenden. Es hat zwar Veränderungen gegeben, wahrlich, aber die lassen sich meist erst in einer sehr langen Rückschau tatsächlich feststellen. Aufbruch und mitnehmende Reformen sehen anders aus. Und wenn man unseren Frisör so hört, dann haben wir am Obenende etwa 10.000 Katholiken, aber 3.000 sieht man nur in der Kirche. Ich finde das schon viel, aber es liegt wohl am Maßstab. Und wenn man ihn dann so schimpfen hört, dann sind es fehlende Reformen, die zu dieser Entwicklung geführt haben, keine unverstandene Reforminflation. Nein, auch hier am fernen Obenende spürt man die lähmende Agonie, das Beharren in althergebrachten Dogmen. Man spürt ja auch, dass die eigene Welt einer stetigen Veränderung unterliegt, empfindet den Widerspruch zur kirchlichen Entwicklung als schmerzlich. Und irgendwo in seinen Gedanken lese ich in Großbuchstaben den Satz: Das sind doch alles Dussel! Ist das? Das ist wohl.  

 

Wen er damit meinen könnte, kann ich nicht erkennen, aber wenn ich mich heute jenseits meiner Ems-Zeitung in der Presseschau des Internets umschaue, ahne ich es. Er könnte jene meinen, die von einem neuen, jüngeren, nicht-europäischen, mglw. westafrikanischen Papst den Abbau des Reformstaus in der Kirche erwarten: Zölibat, Ehesakrament für Wiederverheirate, Ökumene, Frauen im Priesteramt usw. "The winner takes it all" heißt es irgendwo, aber nicht in der Kirche, trotz aller Hierarchie und dem Unfehlbarkeitsdogma. Ein Bischof von Rom für eine Mrd. Katholiken weltweit - da sind Schwerpunkte zu setzen und vor allem die Hierarchie der Kurie einzubeziehen, samt den vielen Bistümern weltweit. Und kann man erwarten, dass der Neue genauso handelt, wie der Alte, nämlich die Probleme seines Herkunftslandes zurückstellt? Nein, denn kommt er aus Afrika, wird er sich um Hunger und Freiheit, Sicherheit und Lebenschancen kümmern müssen. Muss das? Das muss.

 

Und, glauben wir im Ernst, dass die katholische Kirche, bzw. ihre alt gewordenen Kardinäle, vorausschauend einen schwarzen Papst wählen werden, der dann 30 Jahre den Stuhl in Rom besetzen wird? Nur wenn der erkennbar schwach ist und keinen Einfluss nehmen kann! Statt seiner regiert währenddessen die Verwaltung. Und die meinte unser Frisör wohl tatsächlich mit seinen Gedanken. Aber die hat seit Jahrtausenden Beharrungsvermögen vermittelt. Wer glaubt, dass ein anderer Papst allein das Heil bringen kann, glaubt auch an den Weihnachtsmann als Teil der frommen Liturgie. Kann das? Das kann.

 

Uns als Protestanten berührt das eigentlich nur am Rande. Jedoch, es ist ein Problem der Verfasstheit unserer Gesellschaft und wir sind solidarisch mit unseren katholischen Nachbarn. Etwas Milch von ostfriesischen Kühen in den afrikanischen Kaffee, dass er eine gut abgewogene Farbe erhält und uns weiterhin schmeckt.Tschüss.    

Kommentar schreiben

Kommentare: 0