Eltern mit 100 € an ihre Verantwortung erinnern

Moin, Aschermittwoch ist vorbei und das Ende der Glückseligkeit hinter sich gelassen. Es geht wieder voran. Über markige Worte wollen wir uns hier nicht auslassen, die werden im Süden geboren, auch in der anderen großen Stadt am Anfang oder Ende des Kanals, wer will das schon genau festlegen, so aus der täglichen Erfahrung heraus. Dass man das tatsächlich gemacht hat, dafür steht natürlich die Kanalverwaltung. Der Kanal beginnt mit einer Km-Zahl nahe 1 in Dortmund - oder etwas später an der Schleuse Henrichenburg. Dortmund ist danach die Nummer 1, aber Papenburg, mit seinem Stadthafen am Ende gelegen, trägt die sehr viele höhere Km-Zahl - oder beansprucht Dortmund die auch für sich? Darf das? Das darf nicht.

 

Ist für unser Frühstück aber auch egal, zeigt jedoch zugleich, dass alles was ist und alles was soll, nicht immer zusammenpassen kann. Der erste mit der größten Zahl sein, das geht nicht, genausowenig, wie der Coolste mit dem höchsten Alkoholpegel. Da finden sich bestimmt welche, die das auf Dauer für uncool halten - schon wegen des Komas, was man sich als Ziel gesetzt hat. Wer als erster aufhört zu saufen ist jedoch zunächst der Schwächere! Wir kennen das bereits John Steinbeck und der Verfilmung mit James Dean aus den 50er Jahren, "Jenseits von Eden": Wer als erster aus dem auf die Klippen zurasenden Auto springt ist ein Feigling.

 

Komasaufen ist nach wie vor offensichtlich ein spaßiger Zeitvertreib für junge Menschen, die nicht wissen, wie Leben funktioniert und soviel frei verfügbare Zeit haben, dass sie nicht wissen, wie damit anders als dubios protzend umzugehen. Die Verantwortung für die Vermittlung von Werten an die Generation legen wir immer gerne in die Hand der jeweiligen Eltern. Jedoch wir entziehen ihnen diese immer wieder dann ganz schnell, wenn sich der Lerndruck in der Schule erhöht, die Notwendigkeit einer intensiven Berufstätigkeit beider Eltern zu Kompromissen verleitet und die mediale Welt, sprich Fernsehen und Internet, Smartphone und Spielekonsole das empfohlene Buch oder den Sportverein ersetzen müssen. Die Sozialisation liegt heute zunehmend weniger in der Hand der Eltern und somit auch die Vermittlung von Werten und Verhalten. Kann das? Das kann.

 

Hier am Obenende ist das ja nur an Feiertagen wie dem 1. Mai, Vatertag und Karneval ein besonderes Problem, Pfingsten vielleicht noch, diversen Boßeltouren und Geburtstagsfeiern. Der Handwagen mit den Vorräten ist immer dabei. Jo, denken wir, so einen Rausch haben wir auch schon in unserem Leben hinter uns gebracht - und daraus gelernt. Ist nicht unbedingt zu empfehlen, aber wohl auch nicht zu umgehen. Komasaufen ist jedoch anders, da fallen alle Hemmungen und man lebt nur noch für diesen Augenblick, ein Weiterleben wird stattfinden, das weiss man, aber wie, das ist sowieso egal, wird schon. Und da fordert jetzt der gesundheitspolitische CDU-Sprecher des Bundestages pauschal 100 € Beteiligung an den Krankenhauskosten von den Eltern. Selbst der NOZ, dem Mantel unserer Ems-Zeitung ist das der völlig falsche Weg. Wertevermittlung über finanziellen Druck provozieren? "Die sollen mit 100 € an ihre Verantwortung als Eltern erinnert werden!" Wow, kann das? Das kann wohl so nicht! Ist nur gesundheitspolitischer Achermittwoch vom hohen Roß aus.

 

An anderer Stelle unserer Ems-Zeitung steht der entsetzte Leserbrief einer 70jährigen Rentnerin aus Meppen: "... Das Bild von Herrn Busemann mit dem Bier und dem 'Röhrchen' in der Hand zum Titel: 'Vorfall ist mir peinlich', schreit nach Auflehnung! Es ist mir unerträglich! Wenn die nächsten Generationen die Werte wie Ehrlichkeit, Offenheit, Charakter und Verantwortung nicht vorgelebt bekommen, werden wir bald: 'Prost armes Deutschland' sagen müssen."      

 

Diese Frau legt das Problem dort ab, wo es hingehört, in unserer Gesellschaft, die verantwortungsbewußt und solidarisch Werte leben und damit insbesondere vorleben muss, nicht nur die Eltern, nicht nur die Lehrer, alle, auch die Ärzte und Politiker. Beim Alkohol versagen wir offensichtlich, beim Rauchen haben wir versagt, der Medikamentenmissbrauch bleibt im Dunklen. Vorleben heißt nicht plakatieren, sondern leben, auch den Wandel, aber nicht wegschauen. Helfen, wo was schief läuft und alle Menschen mitnehmen, niemanden ausgrenzen. Auch das gehört zum Thema Komasaufen. Die Nummer 1 zu sein mag einen ehren, die höchste Zahl zu tragen, ist jedoch damit nicht zu vereinbaren, wenn der Kanal 226 km lang ist. Und umgekehrt. Oder: Wegschauen was von km 1 bis 226 passiert, es den anderen überlassen alles im Griff zu behalten, aber den Kanal mit großer Selbstverständlichkeit benutzen und sich zu beklagen, dass er nicht überall bestes Trinkwasser trägt, das geht nicht.  Kann das? Das kann nicht.  

 

Abends trinken wir mal ein klitzekleines Gläschen Rum oder so, zum Essen einen Wein oder eine Niedersachsen-Flasche (1/3 l) Bier, selten eine NRW-Flache (1/2 l). Zum Frühstück aber nur einen Kaffee. Tschüss.              

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