Kommunale Pressefrei- und -unabhängigkeit

Moin, die Pressefreit ist ein hohes Gut und sie zu wahren die Aufgabe eines gesamten Berufsstandes, nämlich dem der Journalisten. Alle anderen sind nur auf die Kohle aus, der Verleger oder Herausgeber ist an viel Werbung und einem gesicherten Absatz interessiert, ach ja, auch niedrigen Produktionskosten. Der Käufer will wenig bis nichts dafür bezahlen, ach ja, aber er will auch was über seine Nachbarn lesen, so neutral, dass er ungestraft mitreden kann. Der Journalist oder seine Kollegin marschieren völlig unbeeinflusst von solchem Ansinnen durch die Wirklichkeit, immer die absolute Wahrheit im Sinn, völlig unbeeinflußt. Allenfalls gehorchen sie noch den eigenen hehren Ansprüchen, die sie dazu gebracht hatten, Journalist zu werden. Unbeeinflussbar und edel. Kann das? Das sollte wohl.

 

Es ist bei Km 1 des Kanals genauso, wie bei Km 226: Es wird immer zu wenig und zu negativ über die eigene Stadt berichtet, sagt der (Ober-)Bürgermeister, sagen die Räte, merken die Bürger und Bürgerinnen. Letztere verschmerzen das noch am ehesten. Wechseln eben den Sender, hören sowieso nur Musik und warten eigentlich nur darauf (oft zeitlebens vergebens) einen Bekannten aus dem Radiolautsprecher zu hören. Boah, hör mal, der hat's geschafft, ist wieder im Radio! Das vermittelt lokale Identität. Kann das? Das kann.

 

Ist dann auch immer wieder eine schöne Gesprächseröffnung, wenn man sich auf dem Samstagmarkt trifft: "Moin, hab dich wieder im Radio gehört," und der andere strahlt bescheiden ob des Ruhmes. Allenfalls er weiss noch, worum es ging. Da soll man als Journalist den hehren Grundsätzen der Unabhängigkeit jede Sendeminute folgen? Also 25 % würde doch reichen. 40 %? Na, wenn das der Sender mal mitmacht . . . warum so skeptisch am Obenende? Nun, die Ems-Zeitung berichtet heute, dass der Papenburger Rat auf Vorschlag der Verwaltung beschlossen hat, das Ems-Vechte-Radio mit Standort in Werlte jährlich mit 5.000 € zu bezuschussen. Früher war das Studio in Papenburg gewesen und früher wurde auch mehr über die See- und Werftstadt Papenburg berichtet. Nur wurde das schon früher hier zu teuer, sodass man in das billigere Werlte auswich. Die SPD-Fraktion hat zwar jetzt per Pressemitteilung gefordert, dass das Studio auf Kosten der Stadt zurückgeholt werden soll, aber darüber habe ich nirgends etwas gehört oder gelesen, außer in meinen Mails.  

 

Diese 5.000 € p. a. sollen nun für drei Jahre sicherstellen, dass mehr über Papenburg im Radio gesendet wird. Dafür soll dann ein Journalist entsprechende Beiträge schreiben, berichtet meine Ems-Zeitung. Das wird dann sicherlich unter die Quote der 60 - 75 %  gelenkter und interessenaffiner Berichterstattung fallen. Immerhin, und das war wohl der entscheidende Knackepunkt der Beratungen, wir haben hier am Untenende 2014 die niedersächsische Landesgartenschau, da braucht es Werbung für (fast umsonst). Wenn ich ehrlich bin - ich hatte noch nie von dem Sender gehört. Will ich mal einen privaten hören, dann über Webradio den Dortmunder Kultsender DO 91,2 (habe mich da ja früher auch häufig aufplustern und meine Seele streicheln lassen können) oder den Ostfriesischen Sender, der bis Oldenburg reicht. Sonst NDR 2, weil ich niederländisch nicht verstehe. Aber wichtiger noch, die Musik ist bei unseren Nachbarn zu laut und anders. Kann das? Das kann wohl.

 

Drei Jahre hat nun eine 450€-Presskraft Zeit, sich zu beweisen, dann entscheidet der Rat neu.  High sei, frei sein und auch mit dabeisein, hieß es doch 1968 ff. Heute heißt das: Sender, Journalist und Politik - und also zählt der Hörer ab:

Ene-mene-mu und raus bist du,

raus bist du noch lange nich',

sag mit erst was ich jetzt krich.

 

Ja, so kann das gehen, mit der Pressefreiheit und in der Stadt am Km 1 würde man, weil ja viel größer, vergleichbar 80.000 € pro Jahr für eine angemessene Berichterstattung zahlen, da geht dann schon  mehr . . . den Berg runter. Kann das? Das kann wohl.  

 

So, noch eine Tasse Kaffee aus der DO91,2-Tasse und ab geht's, das Auto freischaufeln. Tschüss.  

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