Pennies werden zu Pennies - Dollars zu Dollars

Schinkel-Kirchlein in Delling (Bergisches Land)
Schinkel-Kirchlein in Delling (Bergisches Land)

Moin, mal wieder ein sehr spätes Frühstück, nachdem wir gestern eines ausgelassen haben. Aber man muss schon mal den Mut haben, die Feder hin zu legen, die Kamera zu ergreifen und etwas anderes machen, um dann beides zu einer Synergie zusammenzubinden. Ja, sagt Hedi, dieser Mann überfällt einen insbesondere in den Morgenstunden mit den wahnsinnigsten Ideen, meist wenn man selber gerade dabei ist, herauszufinden, ob man nun  in einem Land lebt, welches in 2 x 12 Stunden rechnet, oder 1 x 24 . . . Kann das? Das kann.

 

Und so wird es eigentlich nie langweilig. Man gewinnt den richtigen humorvollen Abstand zu den Dingen um einen herum und schmunzelt sich einen, denn alles ist schon einmal angedacht worden, für alles eine Alternative bereits ausgedacht. Funktionierende Pläne sind entworfen, für sich selber und eben das ganze Drumherum. Manchesmal kommt es schlimmer, Mappus z. B. im Ländle oder Benediktus im Vatikan, zu dessen Rücktrittsankündigung es einer unserer Freundinnen spontan entfuhr. "Wie - schon vorher?" Und wir sind gespannt, was das schon wieder bedeutet. "Wovor" ist er zurückgetreten?

 

Schlimmer sind aber die Dinge, die kleiner ausfallen, als sie es eigentlich dürften. Man kommt dann sehr schnell zum Fremdschämen. Papenburg ist nämlich eine sehr hübsche kleine Stadt. Hat nette Geschäfte, angenehme Lokale - und alles nicht nur für die vielen Touristen, sondern auch die Menschen vom Oben- und Untenende, aus Aschendorf und so. Also uns. Wir alle freuen uns kollektiv auf die Landesgartenschau 2014. Aber wenn jetzt der recht kleine Stadtpark umgebaut wird, können wir den ein ganzes Jahr lang nicht mehr betreten, anschließend ein weiterers Jahr nur gegen Eintritt. Wir werden das verschmerzen, aber das Geheule geht schon los, wohin in der Mittagspause? Wie soll ich denn dann mit meinen Fahrad fahren, da müssen Extraradwege gebaut werden! Und jetzt die Gastwirte und Einzelhändler! Üblicherweise wird die Gastronomie für eine Gartenschau an einen Pächter abgegeben, der soll dann sehen, wie er die Pacht wieder reinbekommt & more. Hier ist der Stadtpark aber so klein und die Vielfalt der Läden und Restaurants so groß, dass man nichts Neues bauen und auf den Bestand zurückgreifen will. Eine halbe Mio. € Pacht ist allerdings eingeplant und die will man jetzt von den Händlern und Kneipiers holen. Die schauen verwundert, zahlen doch schon Gewerbesteuer . . .  und sehen in der Landesgartenschau einen schönen Werbegag für das eigene Geschäft. Kann das? Das kann.

 

Ist es nicht schön zu sehen, wie die Menschen sich leichtgläubig vorstellen können, ihnen würde etwas geschenkt, mit dem sie bei Einsatz einiger Pennies ganze Dollars verdienen können? Einmal im Leben mit ein paar Pennies das große Geschäft machen, wer mag ihnen das versprochen haben, wo kommt das her?

 

Und der Bürger meint auch, nun bald über einen wunderbaren Stadtpark zu verfügen, zum Nulltarif, alles geht weiter wie bisher - und schnipps! er ist da. Leute, das geht anders, geht doch mal in den Zeitspeicher, es galt doch immer schon: dem ersten der Tod, dem zweiten die Not, dem dritten das Brot. Und haben Eure Vorfahren nicht jeden Meter Kanal mit der Hand gegraben, ein Baugrundstück zu bekommen? Heute stirbt man nicht mehr und gräbt auch keine Kanäle, heute wird gezahlt, investiert, auch gewettet auf das Wetter im Jahr der Landesgartenschau, aber nur mit Dollars kann man Dollars verdienen. Das machte sich sogar Ray Charles zu eigen. Sie aber denken nur in Pennies, die Stadt mit ihrem Kulturprogramm, die Kaufleute mit ihrer Risikofeindlichkeit und die Gastwirte mit ihrer Skepsis, die Bürger mit ihrer Vorstellung einer möglichst billigen Veranstaltung, gerade den eigenen Ansprüchen angemessen und die Vereine mit ihrem Argwohn, ja nicht zu kurz zu kommen. Verwechselt man vielleicht das Emsland mit Niedersachsen - und kann sich die Zahl 500.000 nicht so recht vorstellen? Ja, das ist sehr viel, nur etwas weniger, als die Einwohnerzahl am Km 1 des Dortmund-Ems-Kanals, oder genauso viel, wie alle Einwohner des Emslandes und der Grafschaft Bentheim zusammen. Viel Kaufkraft!

 

Ach, das bringt doch nichts, lass sie machen wie immer, das mit den neuen Ideen will man ja nicht immer. Portokasse, das kennen wir, und von Lottogewinnen träumen wir, und wenn wir eine Chance verpasst haben, dann jammern wir.

 

Ich träume von von einer Kaffeemaschine. Tschüß     

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