Von Küken und Fröschen

Moin, es gibt Themen, die möchte man beim Frühstück bereits hinter sich gebracht haben oder beim Ei aufklopfen noch nicht wissen, dass man sich mit Ihnen beschäftigen wird. Die Sache mit dem Küken, und dabei fallen mir zunächst Frösche ein. Und wenn das eine ein Vogel werden soll, so ist das andere bereits eine fertige Amphibie. Ist das? Das ist.

 

Früher habe ich gerne mal Froschschenkel gegessen, weil man ja alles einmal ausprobieren wollte und fand das ganz nett, aber nicht wirklich sättigend, es war ja auch nur als Vorspeise gedacht. Schmeckte wie zartes Hühnerfleisch und lag immer paarweise - ich denke es war leicht gedünstet - mit viel Knoblauch und leckeren Kräutern auf dem Vorspeisenteller. Es gibt aber auch noch andere Rezepte. Dann aber war es aus, nachdem ich nämlich angefangen hatte einmal nachzudenken, was denn wohl wie auf den Teller kommt und das ZEIT-Magazin darüber berichtet hatte. Die Tiere werden gesammelt, so auseinandergerissen, dass die Schenkel noch paarweise zusammenbleiben. Das noch eine Zeit zappelnde Oberteil landet in einem Abfalleimer, die Schenkel werden gesammelt. Ich entwickelte Hassgefühle gegen Froschschenkelesser und stieß jetzt auf ein alternatives Rezept mit Putenfleisch. Ist wohl nicht mehr politisch korrekt, solcherart getötete Tiere anschließend mit Lustgefühlen zu verspeisen. Kann das? Das kann.

 

Und was hat das mit den Küken zu tun, außer, dass das auch keine Säugetiere sind? Während Frösche in der Natur gefangen bzw. abgesammelt werden, brauchen wir Hühner in richtiger Größe und mit dem richtigen Wachstum, damit wir dann auch unsere Eier in den vorgeschriebenen Größenklassen bekommen, oder die Tiere selber in der richtigen Größe und Beschaffenheit, dass sie gefroren zu 450 gr. das Stück in der tiefgekühlten Verkauftheke immer schön drei nebeneinander angeboten werden können. Das Preisschild spricht von 450 gr. nennt einen kleinen Preis und wehe, das stimmt nicht! Der Käufer wird ärgerlich. Natürlich auch, wenn er Eier der Größe L gekauft hat und in der Packung solche findet, die sowohl zu XL gehören als auch zu M. Dann sind wir nicht gut zufrieden!

 

Die Geflügel- und Eierindustrie - nennen wir sie GEIindustries - hilft sich mit drei Typen von Tieren, dem Masthähnchen, dem Suppenhuhn und der Legehenne. Alle auf ihre Aufgabe hin konditioniert hinsichtlich Legeapparat und Wachstum (wo soll was wie schnell hin - hier hat Hüftgold noch einen Wert!).  Jetzt ist das aber noch Natur und trotz alledem (Käfighaltung) noch kein Fließband, das man vom Computer aus steuern kann: Heute nur Legehennen produzieren. Die ausgewählten Hühner haben nun ein mal die Eigenschaft, auch Hähnchen-Küken in ihre Eier zu packen, obwohl von Ihrer Rasse (Bauart) nur der Typ "Legehennen-Küken" von GEIindustries am Markt untergebracht werden kann. Ein Hähnchen-Küken wird es nie zur Legehenne schaffen, ist also ein unnützer Esser.

 

Um diesem Kostenfaktor frühzeitig zu begegnen, werden die Brüder von geschickten Händen aussortiert. Nichts ist mit Koedukation, sofort nach dem Schlupf. Statt Spielplatz geht es in den Karton und anschließend in den Schreddder. Wer Glück hat, dem werden einige Tage geschenkt und er kommt noch in den Zoo, als Schlangenfraß oder Geiermahl. Das ist zumindest der Weg vieler irdischer Lebewesen, eigentlich aller. Aber Schredder? Man hat auch schon Gas versucht, schreibt meine Ems-Zeitung, aber das war alles nicht so effizient.

 

Und ich erinere mich an die leidige Diskussion, ab wann man von menschlichem Leben sprechen kann. Das thematisiere ich hier nicht, weil die Bibel den Tieren nicht den gleichen Rang zubilligt wie den Menschen, aber der Tierschutz ist da sehr viel direkter. Die öffentliche Meinung zunehmend auch. Kann das? Das kann wohl.

 

So wird es hier im Emsland für GEIindustries immer schwieriger, neue Hühnerställe zu bauen. Die Menschen hier wollen das zunehmend häufiger nicht mehr. Und ich selber sehne mich nach einem wirklich guten Hähnchen, oder sogar einem Kapaun von 3 Kg oder mehr. Die Eier stammen auch alle aus Freiland-Farmen. Woher die Puten, Enten und Gänse stammen, weiss ich nicht. Aber die geschredderten Küken-Brüder, die machen mir jetzt zu schaffen. Das kann doch alles nicht richtig sein. Und ich bin gar nicht gut zufrieden.

 

Mag auch keinen Kaffee mehr. Tschüss 

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