Ohne vernünftigen Grund ein Wirbeltier töten

Moin, wer ohne einen vernünftigen Grund ein Wirbeltier tötet, so haben wir heute in unserer Ems-Zeitung gelernt, kann bis zu drei Jahren (also auch ohne Bewährung) im Knast landen, so das niedersächsische Tierschutzgesetz in seinem § 17. Es geht aber auch mit einer Geldstrafe. Was war denn vorgefallen, hier, nahe dem Obenende? Drei Katzen hatte man tot unter einem Baum entdeckt, drunter den Kater Ludwig, der nur 100 m entfernt in einem Gehöft in Düthe zuhause ist, nachts immer eingeschlossen wird und nur tags seine Bahnen im Wald zieht. Sicherlich kein streunender Kater, denn der hätte von einem Jäger gefangen und erschossen werden dürfen. Streunen, so erfahren wir auch, heißt, dass das Tier mindestens 500 m entfernt von einer menschlichen Siedlung aufgegriffen werden muss. Muss das? Das muss.

 

Die Polizei war zweimal da, hat Katzen und Falle sichergestellt, wird jetzt ermitteln. Die Kreisjägerschaft hat schon einmal ihre Unterstützung bei der Recherche angeboten und überhaupt kein Verständnis für diesen Frevel. Wir auch nicht, meinen aber, dass Ludwig sich doch sehr gewundert hätte, wenn sein "ohne vernünftigen Grund" herbeigeführter Tod der Lokalredaktion eine halbe Seite, sechs Spalten und 2 Fotos auf der ersten Lokalseite, wert ist. Er ist es aber und erhielt auch noch auf Seite eins des Mantels einen Hinweis, rechts oben. Und Ludwig hätte möglicherweise geahnt, dass es gar nicht um ihn geht, sondern um die Trauer seiner Besitzerin. Und was heißt da jetzt Tierschutz - wenn die menschliche Seele berührt ist? Kann das? Das kann.

 

Direkt neben Ludwig und seinen Fotos, eine behandschuhte Hand streichelt den toten Körper sanft, ein kleiner Einspalter: Rd. 80 Tauben und Greifvögel wurden in Hilkenbrook nahe einem Acker tot aufgefunden. Gegen den Landwirt wurden Ermittlungen aufgenommen, da auf seinem Acker blaue Körner mit Pflanzengift gefunden wurden. Und wir fragen uns, ob das darf. Einen vernünftigen Grund für die Tötung dieser Tiere können wir auch hier nicht erkennen. Erweist sich der Verdacht als wahr und hat der Bauer nicht zugelassenes Pflanzengift auf seinem Acker verteilt, hat er den Tod der Tiere sicherlich zumindest billigend in Kauf genommen. Heißt es dann demnächst "Hof sucht Bauern!", weil dieser drei Jahre in den Knast muss? Zumindest meine Ems-Zeitung nimmt ja hier schon einmal eine Abstufung vor - von menschlichem Leid ist nicht andeutungsweise die Rede und auch davon nicht, dass das offensichtlich nicht zulässige Gift in die Nahrungsmittelkette gelangen könnte - es war ein Rapsacker und wir vermuten, ganz Laien, es handelt sich dabei um die Gewinnung von Energie, ein modernes Öl- oder Gasfeld. Nö, wird der Bauer denken, was das für das Grundwasser ausmacht, hat mir keiner erzählt. Die Ems-Zeitung uns auch nicht. Kann das? Das kann. 

 

So sind es die Emotionen und nicht die Gesundheit, die uns allen so wichtig sind. Das Empfinden und nicht das Sein, denke ich weiter. Die guten Wünsche für die Seele, kommt es mir dann, und nicht die Realität, was uns immer gepredigt wird. Ich fange an, im Mantel der Zeitung zu suchen. Irgendetwas muss da doch stehen, die können uns doch hier im Emsland nicht für dumm verkaufen. Auch nicht am Obenende. Wir sind doch noch Papst, betreiben in Heede einen Wallfahrtsort zur Marienverehrung mit einer überlebensgroßen Statue des Papstes Johannes Paul II., dem Vorgänger von Benedikt XVI., der jetzt aus Altersgründen, wie er sagt, zurücktreten wird. Nein, seit gestern berichtet man von einem "Schwulennetzwerk" im Vatikan: Focus, Sueddeutsche.de und Die Welt berichten online - nur meine Ems-Zeitung nicht. Kann das? Das kann.

 

Wenn sich das als wahr herausstellt, welch eine Last müssen die betroffenen Kardinäle getragen, eine Selbstverleugnung erduldet und schließlich wissentlich Schuld auf sich genommen haben. Sie werden an sich gespürt haben, was Mensch sein ausmacht, nämlich Sexualität leben, so wie man es aufgrund seines Empfindens möchte, frei von gesellschaftlichen Zwängen. Und sie werden dann auch geahnt haben, dass dieses nur im Respekt seinem Partner oder seiner Partnerin gegenüber möglich ist. Ob sie sich auch darüber klar sind, dass sie damit nicht alleine stehen, sondern nur einer von ganz vielen sind? Dass sie das sogar unterstützt haben - völlig widersinnig gegen die eigenen Interessen, oder welche haben sie gehabt?

 

Wirbeltiere dürfen ohne vernünftigen Grund nicht getötet werden. Gab es aber etwa vernünftige Gründe, über Jahrhunderte den Menschen das Rückgrat zu brechen, Männern wie Frauen, wenn diese anders leben wollten, als von der Kirchenwahrheit und -vernunft vorgeschrieben? Hat der Vatikan etwa im Umgang mit seinen Gläubigen nicht einmal das Tierschutzgesetz angewandt und dann offensichtliche Verstöße gegen dieses bigott bejammert? Fragen, die wir nicht einfach mit "kann", "soll", "muss" oder "darf" beantworten können. Kann das? Das kann wohl.   

 

Nix dazu in der Ems-Zeitung, ist wohl noch einige Zeit zu früh dafür. Googeln wir also bei einer Tasse Kaffee weiter rum. Tschüss.

 

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