Was ist Formaldehyd schon gegen Pferdefleisch?

Japanische Truppen mit Pferden 1900 in China
Japanische Truppen mit Pferden 1900 in China

Moin, da sage doch einmal jemand, wir sind ganz cool und rational. Mitnichten! Kaum ist der Verdacht von Beimengungen in ungeahntem Ausmaß von Pferdefleisch bei Rindergehacktem belegt, da erschüttert eine Schlagzeile die Welt hier am Obenende: Pferdefleisch in den beliebten Köttbullar von IKEA. Wir wissen gar nicht, wie Pferdefleisch schmeckt, aber die Köttbullar mögen wir schon sehr gerne. Und wenn es mal wieder nichts gibt, was uns in dem Möbelhaus anspricht, letztendlich ist es immer das Köttbullar-Mahl, was wieder gute Laune verbreitet. Und das soll jetzt mir Pferdefleisch durchsetzt sein? Na Mahlzeit, das wird aber den Möbelumsatz in den Keller sinken lassen! Kann das? Das kann.

 

IKEA ist nämlich gar kein Möbelhaus, sondern eine ganz große Fastfood-Kette, wo man auch mal einige Möbel bekommen kann, die früher kultig und sogar preiswert waren. Ein weltweit neues, frisches Design hatte uns geholfen, uns in der schönen neuen Welt einzurichten, wohl zu fühlen, regelmäßig für kleines Geld Tischwäsche und Gardinen der Jahreszeit anzupassen. Unserer persönlichen Wertschätzung tat es immer gut, wenn wir ein neues Möbelstück geschafft hatten. Stolz deuteten wir auf 2,40 m Billy mit Aufsatz und Glastüren: Habe ich alles am letzten Wochenende alleine aufgebaut. Und langsam lernten wir die Aufbauanleitungen auswendig, schafften es auch ohne die fremdländischen Comics. Das war IKEA, das war unser Leben. Bis dann nach 1990 die Möbelproduktion teurer wurde und es auch nicht mehr der politischen Correctness entsprach, bei Möbeln auf das schwedische Möbelhaus zu setzen - wir waren erwachsen geworden! Aber immer noch mit dem Hang zur Sandkiste - und sei es wegen der Köttbullar, jener leckeren Hackfleischbällchen mit Pommes, brauner Sauce und Preisselbeeren. Muss das? Das muss.

 

Haben wir uns einmal über Formaldehyd in den Möbeln wirklich aufgeregt? Ist jetzt ja auch Vergangenheit, aber . . . denken wir doch einmal zurück. Haben wir wirklich vor den Toren unserer frühen Träume gestanden, diesen riesigen Drehtüren, durch die hindurch man das Tobeparadies unserer Kinder sehen konnte, zu demonstrieren gegen die Produktion von Billy, IVAR und anderen Möbelserien unter den Zuchthausbedingungen der DDR? Der vermuteten Kinderarbeit in vietnamesischen Produktionsstätten? Wir reden jetzt auch gar nicht über die Teppiche . . . Haben wir nicht. Haben allenfalls den Laden gewechselt, wenn mal wieder ein Bett zusammengebrochen war. Aber da gab es dann auch kein Köttbullar. Kann das? Das kann.

 

Nein, das Formaldehyd hat uns doch nie gestört. Ein flüchtiges Gas, unsichtbar, zwar krebserregend, aber eben notwendig, unsere Welt für kleines Geld etwas schöner zu machen. Krebs kommt später. Aber Pferdefleisch, das erinnert uns an den  letzten Ferienaufenthalt auf dem Bauernhof, wie die Kinder so fröhlich von ihrem Ausritt zurück kamen. Und dieses treue Pferd soll jetzt in den Klopsen sein? Die kleinen Ferkel waren so niedlich, aber wenn sie groß sind, werden es erst Schweine, dann Koteletts. Schafe kann man  eh nicht zählen, Kälber bekommt man selten zu Gesicht, weil die meist in abgeschlossenen Ställen großgezogen werden, ähnlich wie Hühner. Nein, es stört nur, was wir kennen und plötzlich vermissen! Kann das? Das kann.

 

So stört es mich, dass ich bei IKEA nicht mehr geduzt werde - und dass ich keine Köttbullar mehr bekomme, weil die out sind. Denn IKEA ist immer noch KULT  - auch wenn der Hype sich längst überlebt hat, zugunsten eines unerbitterlichen Preiskampfes - in dem jetzt sogar die Pferde nach einem langen Arbeitsleben nicht mehr in Ruhe sterben können, sondern um jeden Dumpingpreis Europas in die Wurst müssen. Und das Formaldehyd in die Möbel, weil die sonst nicht zusammenhalten. Aber wenn ich gesundes Pferd esse, dann wird es mir nicht schlechter gehen, als wenn es gesundes Rind wäre. Formaldehyd gibt es jedoch nicht in gesundheitsverträglicher Form. Kann das? Das kann.

 

Ich schaue den Kaffee an, auch nicht fair gehandelt, denke ich. Trotzdem, eine Tasse noch und dann Tschüss.                           

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Kommentare: 2
  • #1

    pizzasocken (Dienstag, 26 Februar 2013 11:03)


    Gewinnwarnung

    Etwas, was man gar nicht sieht,
    ist das Gas Formaldehyd.
    Pferdefleisch in Köttbullar
    bietet sich unsren Augen dar.

    Gas und Pferd will ich nun meiden,
    IKEA wird bald drunter leiden...

  • #2

    loire2012 (Mittwoch, 27 Februar 2013 13:14)

    Das kam ja schneller, als erwartet, denn die Köttbullar sind jetzt tatsächlich aus.