Das neue Schiff

     Fotos (2): Hedi Glock
Fotos (2): Hedi Glock

Moin, da liegt sie vor uns, im Hafen der Meyerwerft, die Norwegian Breakaway. Das größte Kreuz-fahrtschiff, das je in Deutschland gebaut wurde: es stammt aus dem Trockendock in Papenburg. Und, das ist das Faszinierende, keine 2 Monate zuvor verließ das letzte Schiff der AIDA-Flotte das-selbe Dock. Und das war auch kein kleines Boot, nur eben nicht ganz so groß wie das jetzt. Naja, denkt der Papenburger, 'n neues Schiff, kann ja mal gucken gehen, wie es da so liegt. Dieses Schiff wird mithelfen, die Welt der Karibik zu verändern - die nahe liegende von Papenburg wird deshalb allerdings nun keine Veränderung erfahren. Allenfalls, wenn es eines Tages keine Schiffe mehr zu gucken geben wird, dann würde hier einiges aber anders werden. Kann das? Das kann.

 

Das dauert aber noch, denn immer mehr Schiffe braucht der Markt. Die Norwegian Breakaway soll im Mai getauft werden. Sie hat eine Länge von etwa 3 Fußballfeldern und ist mit 40 m halb so breit wie ein solches Feld. 4.000 Passagiere finden auf ihr Platz - und die wollen natürlich auch ihre Unterhaltung haben. Sonst könnte man ja auch einen Billigflieger buchen, wenn man nur von New York zu den Bahamas gelangen möchte. Kann das? Das kann. 

18 solche Ausflugsboote wird das Schiff haben. Das Wort "Rettungsboot" möchte wir an dieser Stelle eher als Unwort des Kreuzfahrttourismus in die Ecke verbannen. Nicht auszudenken, wenn sie eines Tages für einen solchen Zwecke eingesetzt werden müssten. 

 

Nun, und wenn der Kreuzfahrtriese in zwei Wochen den Werfthafen über die Ems Richtung Nordsee verlassen wird, dann ist wieder eine Eisenbahnbrücke abzubauen, da hat man Routine, und es ist ja auch nicht die IC-Strecke betroffen. Eng wird es zuvor an der Seeschleuse. 40 m Breite müssen auf einer Länge von rd. 320 m da hindurch. Zwei Meter rechts und zwei Meter links bleiben, um etwas Spiel zu haben. Zwei Meter, das ist jene Autobahnbreite, die wir in Baustellen als zu eng empfinden, wenn wir einen größeren LKW überholen wollen. Oder, rechnen wir das einmal auf unser 1,80 m breites Auto runter: Wir fahren mit unserem Auto durch einen geraden Tunnel von mehr als 320 m Länge, dessen Wände mal eben nur zwei Meter auseinander stehen. Oder stellen wir uns doch einmal eine solche, ein Tal im Sauerland überspannende Brücke vor, zwei Meter misst die Fahrbahnbreite, dann eine niedrige Wand von Reifenhöhe - und ab ginge es bei jedem Fahrfehler in Richtung eines Totalschadens. Das wäre natürlich auch erheblich schädlich, wenn die Überführung der Norwegian Breakaway -übrigens ein Auftrag in Höhe von 0,75 Mrd. € - an dieser Stelle zum abrupten Stillstand käme. Da hilft dann kein Rettungsboot mehr. Allerdings untergehen kann das Schiff nicht so schnell, zumindest in der Schleuse oder auf der Ems, denn diese ist nur soweit wie unbedingt erforderlich ausgebaggert und für die Überführung aufgestaut worden. Muss das? Das muss.   

Auch da kommt es durch!
Auch da kommt es durch!

Und deshalb lebt da auch kein Fisch mehr. Das wird als Preis dafür angesehen, Arbeit durch den Schiffsbau zu haben. Dadurch wird sich hier aber auch nicht viel verändern - Angelgewässer gibt es genügend . . . Man wird also weiterhin seinem Freizeitvergnügen nachgehen können. Aber das mit den Kreuzfahrten auf den großen Schiffen, die ja alle nie wieder zurückkommen werden, das wird dann in der Karibik Veränderungen auslösen, denn so ein Schiff bietet alles, was man zur Erholung braucht. Und wenn man Exotik live haben möchte, dann hat es noch mehr als jeder superanimierte 3D-Kinoflim in petto. Nämlich einen sicheren Ausflug in einem der kleinen Boote dorthin, wo das karibische Leben pulsiert, inkl. einer deutschsprachigen Führung und der Gewissheit, abends wieder sein Kotelett essen zu können, sein gewohntes Bier zu bekommen - oder aber, als einmaliges Erlebnis, das exotische Essen, ohne Montezumas Rache befürchten zu müssen. All inclusive - und davon kann man dann zuhause schwärmend den Neidern erzählen. Vor über 100 Jahren mögen das die Eisenbahnfahrten in den Wilden Westen gewesen sein, auf denen man aus dem bequemen Salonwagen heraus den wilden Büffel schießen konnte. Hat sich auch überlebt, zumindest für Büffel und Indianer. Kann das? Das kann.

 

Ja, so ist das, was dem einen seine Eule ist, ist dem anderen seine Nachtigall. Und was den Ostfriesen ihr Tee, das ist uns der Kaffee. Tschüss.    

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