Empfang im Schloss Clemenswerth

Loireschloss Azay-le-Rideau
Loireschloss Azay-le-Rideau

Moin, es gibt Nachrichten, die braucht unsere Welt nicht. Ein von mir geschätzter Radiojournalist hat mal davon gesprochen, dass etwa 30 Kurznachrichten täglich rund 10.000 jährlich ausmachen. Er selber habe aber nur eine einzige für wirklich wichtig gehalten - während eines ganzen Jahres. Nachrichten dienen dazu, die Seiten und Sendeminuten zu füllen, Programme für die Programmacher zu erfinden, letztlich auch Arbeitsplätze zu sichern. Es gibt aber auch Nachrichten über Ereignisse, die unser Herz erreichen und es überlaufen lassen sollen, den Kopf zu blockieren, das Hirn am Denken zu hindern. Gerade in so schwierigen Zeiten wie dieser: Alles wird immer hektischer, die Landesregierung in Niedersachsen stellt jetzt Rot-Grün und der Papst ist nun auch weggeflogen. Da trifft es sich doch wunderbar, wenn sich ein ganz Großer von uns in das Goldene Buch des Landkreises Emsland einträgt und ihm zu Ehren ein Empfang veranstaltet wird: Der Landtagspräsident, erster Katholik auf diesem Stuhl und erster Emsländer dort überhaupt, Bernd Busemann. Stellen wir bescheiden zurück, dass er auch noch als erster Präsident aus dem Nichtregierungslager seit vielen Jahren gewürdigt wird. Kann das? Das kann.

 

Eine solche Nachricht ist zeitlos. Ein politisches Versatzstück, welches keine Information handelt, sondern den  (geneigten) Leser schlicht hinter den Begriffen "Katholik", "Emsländer" (=Heimat) und "CDU" (denn die ist in der Opposition) versammeln soll, einträchtig und würdevoll, aber auch ganz originär. Denn das erfahren wir auch: Bernd Busemann hat einen Vater, der arm war, seine gymnasiale Schulbildung mangels Schulgeld abbrechen musste und nach Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft eine Anstellung beim Landratsamt Aschendorf fand. Dort traf er auf eine strenggläubige Katholikin, die dort als Sekretärin des Landrates beschäftigt war. In den Jahren zuvor hatte sie Schwierigkeiten mit den Nazis gehabt. Die beiden wurden seine Eltern. Kann das? Das kann wohl.      

 

Es ist ja auch heute immer noch nicht ganz selten, dass sich junge Menschen am Arbeitsplatz kennen und lieben lernen. Sich dann aber "gewissermaßen auch ein Kind der Kreisverwaltung" zu nennen, das ist dann schon sehr dick aufgetragen. Oder? Oder nur typisch für hier? Dass die Gesandten der Kirchen (offensichtlich waren nur die katholischen gemeint) und der Städte und Gemeinden des Emsland Ihre guten Worte und Wünsche vortrugen, versteht sich von selber. Man hat ja auch Erwartungen. Daran erinnert der Samtgemeindebürgermeister von Lathen, wenn er den Präsidenten daran erinnert, dass der auch ohne Regierungsbeteiligung die Möglichkeit habe, eigene Themen zu setzen. Spätestens an dieser Stelle beschleicht einen das Gefühl, irgendwo in einem anderen Film zu sein, als dem über das niedersächsische Landesparlament und seinen Präsidenten. Es schadet sicherlich nicht, sich gelegentlich einmal mit dessen Aufgaben zu befassen. Oder sieht man in ihm eine Art Papstersatz? Kann das? Das kann nicht.  

 

Um diesen Empfang abzurunden, verrät Teetrinker Bernd Busemann dann auch, dass er wöchentlich mehrere Liter "vom guten Hümmlinger Wasser" mit nach Hannover nimmt, damit seinen Tee aufzubrühen. Lass Abend werden. Wie zufällig findet man dann - auch zum Wochenende - den Hinweis auf die Biografie von Werner Remmers mit dem Titel "Werner Remmers - die Kraft des politischen Katholizismus". Der mittlerweile 2011 verstorbene wird als "streitbarer Minister mit Papenburger Wurzeln" bezeichnet und wird auch als politischer Ziehvater des ehemaligen Bundespräsidenten Wulff geführt. Ich werde mir die Biographie aber nicht beschaffen, denn die von ihm "teilweise kritisch geführten Debatten über kircheninterne Verhältnisse und Abläufe haben letztendlich zu keiner substanziellen Distanz geführt". Soweit meine Ems-Zeitung. Und ich füge hinzu: Sie blieben also oberflächlich. Kann das? Das kann.

 

Eigentlich ist ja nun Fastenzeit, aber hier im Emsland gleicht es manchesmal einem Tollhaus. Denn ich könnte ja auch noch hinzufügen, dass Bernd Busemann wahrlich kein Freund von Wulff war . . . aber das lassen wir für heute. Clowns muss man nicht einladen, jetzt, in der Fastenzeit. Man sollte sich vielleicht eher etwas enthalten - oder hat der Wahlkampf hier auch schon begonnen? Für den Bundestag? Ich werde nun mal in nächster Zeit versuchen, seltener in die Ems-Zeitung zu schauen und damit geistiges Fasten einüben. So, jetzt schnell den Kaffee und Tschüß.

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Kommentare: 2
  • #1

    Die Protestantin (Sonntag, 03 März 2013 15:34)

    Man merkt die Absicht und man ist verstimmt...
    Ich will schließlich auch einfach nur informiert werden und nicht nur lobhudelnde Ergebenheitsadressen lesen müssen.
    Man hat offensichtlich hier noch nicht so ganz begriffen, dass die CDU nicht mehr das Sagen hat und dass die katholische Kirche ins Trudeln gekommen ist, und dann auch noch der Papst... Allerdings bezweifle ich, dass man noch vor der Bundestagswahl zu etwas objektiverer Berichterstattung finden wird.
    Bei der Aussicht kann ich mir durchaus etwas Stärkeres als Kaffee vorstellen!

  • #2

    loire2012 (Sonntag, 03 März 2013 15:55)

    Die Zweifel habe ich auch - aber eine Tote Tante löst das Problem nicht!