Das politische Spiegelbild

Moin, so ist der McAllister (MdL): "Rot-Grün hält nicht fünf Jahre durch", kommt er dynamisch auf uns zugeschritten, und dass die CDU eine schnelle Ablösung anpeilt. Man will jedoch eine Opposition ohne Schaum vorm Mund sein. So hat er denn seine Rolle gefunden, mag man meinen, und dass er Ziele hat, die nicht denen von Rot-Grün entsprechen, mag man gut verstehen. Hatten SPD und Grüne auch abweichend von seinen, haben das Mandat bekommen, jetzt 5 Jahre regieren zu sollen mit einem Programm, welches abweichend von dem der CDU/FDP-Koalition eben andere Schwerpunkte gesetzt, ein anderes Profil aufgezeigt hatte. So funktioniert Demokratie im Allgemeinen. Im Besonderen aber, etwa hier im Emsland, hat man seine Schwierigkeiten, sich selber, aber auch die Bürger daran zu gewöhnen. Wir haben ja schon von Bernd Busemann, unseremPräsidenten, gesprochen. Jetzt aber wird der Wochenend-Auftritt des CDU-Politikers David McAllister (MdL) in Hannover - muss also in seiner Freizeit gewesen sein - doppelt, nämlich gespiegelt gezeigt. Kann das? Das kann wohl.

 

Da kommt er mit kleinem Gerfolge auf uns zu, im linken Bild ist die Gruppe vom Vorhang eingeschränkt und alles wirkt etwas dunkler, im rechten Bild dagegen, er schreitet dabei "links von der Mitte", wirkt alles heller und großzügiger. Insgesamt entsteht eine optische Tiefe. Oh heilige Einfalt, mit solch einer Masche kann man ein 5 Spalten breites Titelbild produzieren, welches eigentlich nur belanglose Dynamik ausdrückt. Mal links, mal rechts, ich bin wieder auf dem Weg zu Macht und Einfluss. Der Artikel selber bringt dann noch einiges an oppositionellem Gedankengut rüber, was eh nur bis zur dreißigsten Zeile oder vielleicht Mitte der zweiten Spalte gelesen wird. Es ist halt das Programm der Opposition, das braucht keine Inhalte. Und im Zweifel schaut man sich das bei der SPD ab, so wie im Bund, denn der Bundestagswahlkampf steht vor der Tür. Dass dann niemand mehr den Kommentar lesen muss, wo die NOZ/Ems-Zeitung selber Zweifel hegt, ob das denn alles klappen kann, können wir uns denken. Kann das? Das kann.

 

An anderer Stelle der Ems-Zeitung ist wieder von Brual, jener emsländischen Ortschaft mit weniger als 1.000 Einwohnern  an der Grenze zum evangelischen und eher der SPD nahe stehenden Ostfriesland die Rede. In Anwesenheit der gesamten Honoratioren des Ortes und von Gitta Connemann (CDU und MdB) wird eine Bushaltestelle eingeweiht, die von den Kindern der örtlichen Schule gestaltet worden war. Wir freuen uns für die Kinder und wünschen der Haltestelle, dass diese Gestaltung auch dazu führt, die Verantwortung für Sauberkeit dort bei den Kindern ganz lange wachzuhalten. Aber warum das im Verbreitungsgebiet mit einem Vierspaltenbild erscheinen muss, der Sinn erschließt sich eigentlich nur, wenn man das als CDU-Ortstermin ansieht. Ein anderes Spiegelbild des Emslandes, denn ob andere Parteien auch etwas damit zu tun haben könnten, das fragt sich niemand. Kann das? Das kann. 

 

Es ist ja auch so, dass die CDU/FDP-Koalition inzwischen viele Themen der SPD für sich entdeckt hat, die Bundeskanzlerin deren Ziele zunächst für sich reklamiert und dann solange dran rumbiegt, bis sie passen.

 

Da wird dann heute auch von einem neuen Genossenschaftsrecht berichtet, mit dem man, so die Headline in der Ems-Zeitung, Dorfläden fördern wolle. Weiter liest man, dass es um eine Förderung von kleinen Genossenschaften gehen soll, jedweder Richtung, sofern sie weniger als 500.000 € Jahresumsatz aufweisen und weniger als 50.000 € Gewinn p. a. erzielen. Nicht ganz neu, der Gedanke. Deshalb aber auch nicht schlecht. Aber ob nun gerade das FDP-Justizministerium der richtige Geburtshelfer ist, mag man abwarten wollen. Die richtige Zielgruppe wird mit den Dorfläden schon angesprochen und ein Bedarf besteht schon, aber ist das liberal genug? Oder: Kollidiert das nicht etwas zu sehr mit unserer Wirtschaftsverfassung. Höhlt es nicht etwa andere Institutionen aus, die nach aufwendigerem Recht zu führen sind? Es sind viele Fragen zu klären - an  denen man sein Profil schärfen kann, ohne allerdings am Ende dann etwas umsetzen zu müssen. Bis zum Herbst wird es gehen. Kann das? Das kann wohl.      

 

Und so wird aus dem Spiegelbild des MdL ein Zerrbild der Politik, wie es eindringlicher nicht gezeichnet werden könnte, aber wer will das schon verstehen? Von der neuen Regierungsbank in Hannover habe ich noch nichts gelesen, außer dass die sich um falsch deklarierte Eier, Pferdefleisch in Lasagne und vergiftetes Viehfutter zu kümmern hat. Jo, haben wir doch immer schon gewußt, dass das mit denen nicht gut gehen kann, aber dass die nur sechs Wochen dafür brauchen . . . Kann das? Das kann nicht.

 

Denn auch der Kaffee hat seine Zeit, gebrüht zu werden und trinkbar zu bleiben, um dieses politische Zerrbild wieder gerade zu ziehen. Tschüss.    

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