Elefanten ante portas

Moin, an manchen Tagen muss man einmal weit aus-holen können, seine Gegen-wart zu verstehen. Und wenn man sie auch schon nicht in allen Einzelheiten verstehen kann, so sollte man zumindest in der Lage sein, sie anderen so zu erklären, dass sie diese ver-stehen können, zumindest verständnisvoll nicken. Ein Widerspruch? Ja, aber einer, mit dem wir gelernt haben zu leben. Denn wenn wir lesen, dass in Uganda Elefanten im Gemüsegarten wildern, dann muss das ja wichtig sein. Und es wird den Kindern, den Lesern von morgen, auch gleich der Artenschutz erläutert, warum der so wichtig ist. Es geht nämlich, so die Quintessenz, darum, zu helfen, die biologische Vielfalt, Biodiversität genannt, auf unserem Planeten zu erhalten. Muss das? Das muss.

 

Solches vesteht doch jedes Kind! Und es ist doch gut von den afrikanischen Menschen, dass sie den Elefanten helfen wollen - und schlecht von diesen, wenn sie das Gemüse zertrampeln, richtig undankbar, diese Tiere. Denn die Erklärung für die Kinder spart einige Details aus, die das Wesen der Nachricht ausgemacht haben: Dass die Elefanten nämlich wohl aus dem benachbarten Kongo den dortigen Kriegswirren entflohen sind und nun im Kibale-Nationalpark, wo sie geschützt werden, die wohl ohnehin schon starke Population erhöht haben. Elefanten haben nun einmal einen sehr großen Appetit. Das ist ähnlich so bei den Kormoranen, die hier am Obenende gelegentlich auf den Dächern der Häuser am Kanal sitzend den Splitting beäugen, ob da nicht doch mal ein Fisch vorbeikommt. Sehr zum Leidwesen der Angler. Und auch der Hausbesitzer, da die Dächer anschließend schön weiss gefärbt sind, ätzend. Ist das? Das ist.

 

Und so komme ich elegant von Uganda zum Obenende, den Elefanten über die Kormorane am Obenende zu den Tauben der Großstadt am Km 1 des Kanals. Zu den vielen Vogelhäusern, wo wir unsere gefiederten Freunde durch den Winter gebracht haben, dass sie uns im Sommer durch ihren Gesang erfreuen werden. Wenn wir wirklich wüssten, dass das nur Warnrufe sind oder Machogeschrei, Rivalen den Revier-Zutritt zu verwehren! Nicht so ganz korrekt . . .  Aber unsere Wirklichkeit ist so, Artenschutz eingeschlossen, weil sich eine sehr dominierende Art, nämlich die des homo sapiens, entschlossen hat, zu expandieren - ohne anderen Arten zu schaden, was die aber noch nicht wissen und aufgrund der ihnen eigenen Ethik auch nicht verstehen können, somit auch nicht zu wissen brauchen. Der Mensch bestimmt. Darf das? Das darf nicht.

 

Denn er ist Teil des ökologischen Gesamtsystems, das wir weder den Affen noch den Fischen oder Vögeln erklären können, auch nicht den Elefanten und wohl ebenfalls nicht wirklich Richard Kagaba, dem Gemüsebauern aus Uganda. Außer, wir leben es selber, das ist die übergreifende Sprache, die alle verstehen. Nur ich weiss nicht, ob dieses hier so am Obenende, in Dortmund oder Uganda verstanden wird - man kann es zumindest fühlen, so man möchte. Kann das? Das kann.  

 

Ist es Artenschutz, wenn wir den Wildgänsen, die jetzt wieder in langen Zügen zu ihren Brutplätzen im Norden Europas unterwegs sind, Winterasyl bieten, in Schutzzonen, und den geschädigten Landwirten, deren Äcker sie möglicherweise vorher zerstört haben, finanziellen Ersatz zukommen lassen, damit er sie nicht vertreibt? In immer größeren Scharen werden sie so in ihre Brutgebiete zurück kommen, die aus den Wintergebieten am Niederrhein oder dem Emsland werden jene zurückdrängen - allein schon aufgrund der Menge - die sich aus weniger sicheren Gebieten aufgemacht haben. Und egal, wie rum man es dreht, die Füchse wird es freuen und ihre Vermehrungsfreude erhöhen. Alles hängt irgendwie zusammen - und es fällt schwer zu erklären "wie", weil man sich manches überhaupt nicht vorstellen kann, keinen Schimmer von Ursache und Wirkung hat. Wie in der Politik - entfährt es mir. Und ich denke daran, dass jeder den demografischen Wandel auf seine ihm gefällige Weise erklärt, auch so eine Art Artenschutz, wenn man sieht, wie man bestrebt ist, diesem Wandel zu begegnen. Kann das? Das kann.

 

Ja, gib mir bitte noch eine Tasse Kaffee, auch wenn der weder fair gehandelt wurde und auch nicht sichergestellt ist, dass sein Anbau keine Elefanten vertrieben hat - ich trinke täglich ja nur zwei. Tschüss.        

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