Berichterstattung über ein zwar kleines, aber doch gefährliches Feuer

Qualm vor der bereits fertiggestellten Norwegian Breakaway Foto: Hedi Glock
Qualm vor der bereits fertiggestellten Norwegian Breakaway Foto: Hedi Glock

Moin, am Untenende hat es gestern gebrannt. Und wir hier am Obenende hatten bereits recht früh ein Foto davon (selber geschossen) wie der dicke, beißende Qualm aus den geöffneten Toren des Trockendocks herauskommt. Sehr zum Leidwesen unserer Fotografin, denn diese wollte eigentlich die bereits an der Ausrüstungspier liegende "Norwegian Breakaway" im herrlichen Sonnenlicht fotografieren . . . Nun brannte das sich im Bau befindliche Schwester-schiff, die "Norwegian Getaway". Heute morgen berichtete meine Ems-Zeitung davon, dass 180 Feuer-wehrleute das Meyer-Luxusschiff gerettet hätten. Irgendwo steht dann noch als Zwischenüberschrift das Zitat des Werftsprechers" "Es war ein verhältnismäßig kleines Feuer." Wohl im Verhältnis zur Rauchentwicklung gemeint, spekulieren wir, denn die Einsatzleitung hatte sofort noch weitere 40 Malteserhelfer angefordert, weil  viele Verletzte vermutet wurden. Ich kenne solche Katastrophenszenarien zu gut - und dieses war keine Übung. Und wenn die Zeitung dann aus dem vorsorglich alarmierten Papenburger Marienkrankenhaus ein Klinikum macht, dann entsteht der Eindruck von wahrer Größe. Auch das Krankenhaus in der Nachbargemeinde Sögel war alarmiert worden. So schreiben es sicherlich die Einsatz- und Katastrophenschutzpläne vor. Geübt hatte man eine solche Lage bereits jahrelang, heißt es in der Ems-Zeitung. Muss das? Das muss.

 

Aber wir dann gestern. Aktuelle Infos holen wir uns immer durch online-gurgeln im Netz. Und Google zeigte uns auch gleich eine Nachricht, nämlich die im Feuerwehr-Magazin. Bereits vor 15 h war dort berichtet worden. Ein Blick zum Online-Angebot der Lokalseite der Ems-Zeitung: Mopedunfall. Gegen 16 h haben wir dann bei Facebook ein Foto einstellen können, mittlerweile wurde auch die Nordwest-Zeitung aus Oldenburg als Nachrichtenquelle genannt - aber nichts Neues. Es kamen dann noch andere hinzu: Weser-Kurier (Bremen), der Schiff- und Kreuzfahrtenblog, die Grafschafter Nachrichten, Radio Bremen online, Burntimes News, NonstopNews-Nachrichtendienst, Generalanzeiger (Rhauderfehn), Lübecker Nachrichten, news aktuell, Neue Presse, NDR.de, Der Newsburger, T-Online, Emder Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, 95,5 Charivari - Münchens Hitradio und dann (endlich) wenigstens die Neue Osnabrücker Zeitung, mitzuteilen, dass das Feuer nun gelöscht sei (ca. 17:33 h). War das? Das war!     

 

Und wir fragten uns, ob denn unsere Emszeitung das gar nicht mitbekommen habe. Die gehört doch der NOZ und der Brandherd war doch keine 5 km entfernt vom Verlagsgebäude. Stille im Netz - wo jeder Exot dieselbe Meldung immer wieder neu verbrämt durch die Welt jagt. Kennt Google meine Zeitung nicht, haben die sich noch nicht bekannt gemacht? Doch, dann irgendwann ein Lichtblick, über die "EL-Nachbarn", ein Leserforum der Werbe-Zeitung (verbandelt mit der NOZ), kommt die Meldung eines Lesers von dem Brand, verbunden mit einem Link auf die NOZ.online. Und so wird man fündig: Dort, auf der Seite der "Niedersächsichen Landespolitik" berichtet der Lokalchef meiner Emszeitung seit 15 h - aber die Welt weiss es nicht! Offensichtlich ist es auch kein lokales Ereignis, denn heute morgen wird es im Printteil auch nicht als lokales Papenburger Feuer erwähnt, sondern ausführlich im Kreisteil gewürdigt, vor Ort kein Wort. Kann das? Das kann. 

 

Stattdessen wird ausführlich von der sehr löblichen Aktion berichtet, dass im südlich gelegenen Nachbarort Sögel 1.000 Schüler 10.000 Bäume für einen Klimaschutzwald am Raddesee pflanzen und damit einen Ort schaffen für den Unterricht in der Natur. Zu dumm, dass dieses schöne und pressemäßig bereits perfekt vorbereitete Ereignis durch das Feuer bei Meyer Konkurrenz bekommen hat. Aber zumindest eine kleine Meldung war es im Kreisteil wert. Umgekehrt hätte ich es für richtig gehalten, denn Sögel ist weit weg und recht bestrebt, sein Image aufzuwerten, das Feuer aber war bei uns, wenn auch am Untenende. Und im Netz konnte man es auch nur über Umwege und das ostfriesische Ausland finden, erst als es aus war, sprach die NOZ, der Mantel meiner Ems-Zeitung. Irgendwie bin ich damit nicht gut zufrieden und werde das auch mal dort vortragen bei der Lokalredaktion. Vielleicht suchen die mich ja für den Leserbeirat aus, würde mich freuen. Auch wenn das jetzt eventuell nicht die richtige Visitenkarte ist. . . Ach, Pressemenschen können einstecken, teilen ja auch aus in ihren Kommentaren. Und das wollen doch der Leser und die Leserin auch mitbekommen. Muss das? Das muss.    

 

Das Feuer ist aus, das freut uns und kein Schwelbrand ist in dem Bauch des Schiffes zurückgeblieben. Alles wird wieder gut, wir haben zumindest gelernt mit Störungen umzugehen, denn die wird es immer geben. Und ich trinke meinen Kaffee aus. Tschüss.  

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