Ein Reh im Schafzaun

Moin, eigentlich ist es ein nachdenkliches Thema, wenn Tiere wie Rehe und Eulen sich immer wieder in einem bestimmten Zaun am Ems-Deich bei Brual verfangen und elendig sterben. Ein Kunststoffzaun steht da, soll Schafe zusammenhalten, aber z. Z. sind dort gar keine, wird berichtet. Und man weiss auch nicht, wem der Zaun gehört - merkwürdig, dass das nicht recherchiert werden kann, soviele Schäfer mit ihren Herden gibt es hier nun auch nicht. Weder die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis sieht Handlungsbedarf, noch der Naturschutzbund (NABU), so bericht der Jäger, der all das der Ems-Zeitung meldete. Ein Reh konnte von einem Radfahrer befreit werden und flüchtete verletzt. Ein anderes, eine trächtige Ricke, war verendet. "Die verendete Ricke trug Kitze im Bauch," wird der Jäger in der Zeitung zitiert. Und wir stellen betroffen fest: wo sonst? Kann das? Das kann.

 

Es macht nachdenklich, dass solches passieren kann, aber außer dem Jäger scheint es noch niemand bemerkt zu haben. Denn  Beschwerden, dass dort häufiger tote Tiere gefunden wurden, sind dem dortigen Bürgermeister nicht bekannt. Jetzt wissen es ganz viele, denn es steht im Lokalteil vom Samstag ganz oben und fand mal wieder in Brual statt, mit dem Bild der verendeten Ricke. Man hat den Eindruck, als wenn das die Themen sind, die das lokale Geschehen in Papenburg wesentlich berühren. Dabei hätte man durchaus die Meldung stärker in den Vordergrund stellen können, dass es der SPD hier nach intensiver Suche und auf den letzten Metern doch noch gelungen ist, einen guten Kandidaten für die Bundestagswahl zu finden, den man hoffnungsvoll ins Rennen schicken kann. Top sind aber die Sache mit dem Reh, ein Kind, das in Sögel bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wurde und witterungsbedingte Verzögerungen bei der Grundsanierung der BAB A 31. War das? Das war.

 

Wir wollen das alles nicht überbewerten und auch nicht plattwalzen, aber es gab deutlich mehr Themen, die alle Papenburg zugeordnet waren, aber alle kamen auf den nachfolgenden Seiten vor. Ob da eine nur halb recherchierte, rührselige Reh- und Tiergeschichte die richtige Info ist als TOP-Meldung? Ist es das, was die LeserInnen lesen möchten, dann bekomme ich aber Zweifel an der Entwicklung dieser Stadt. Zugegeben, erneut hätte man die Lesung aus der neuen Biographie von Werner Remmers nicht bringen müssen. Aber das Foto nach der Lesung, es erinnert an ein Familienfoto von Downton Abbey, kommt auch erst auf Seite 7. Mal wieder sind alle CDU-Größen gemütlich und in Erinnerungen schwelgend versammelt. Nein, man hätte durchaus manchen Erfolg der hiesigen Industrie weiter nach vorne stellen können - aber dann hätte es vielleicht zu nah bei der SPD gestanden . . .    

 

Ach, egal, wenn man Papenburg stattdessen als eine Stadt der misshandelten Rehe, Eulen und Katzen darstellen will und immer gerne aus der Grenzbastion zu Ostfriesland berichtet, dann wird das wohl seinen Sinn haben - und irgendwann kommen wir dahinter, welchen. Kann das? Das kann.

 

Und weil es spät geworden ist, kein Kaffee mehr! Tschüss. 

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Kommentare: 4
  • #1

    BeateDieStreitbare (Sonntag, 10 März 2013 07:55)


    Sorry, aber die Sache mit dem Reh sehe ich etwas anders: auf meinen Spaziergängen durch Wald und Flur erlebe ich täglich die Gleichgültigkeit und Ignoranz gegenüber der Umwelt. Letztes Beispiel: s. Oskars Blog vom 28. Februar!
    Man kann nicht oft genug auf Missstände aufmerksam machen und für den Naturschutz sensibilisieren.
    Und wenn es keine Rehe und Eulen und keine Natur mehr gibt, dann brauchen wir auch keine Politiker mehr!

  • #2

    loire2012 (Sonntag, 10 März 2013 09:09)

    Ich kann deine Betroffenheit schon verstehen, besonders, nachdem ich Oskars Blog vom 28. 2. gelesen habe. Man lässt seinen Hund keine Rehe oder andere Wildtiere hetzen! Aber ich streite gerne darüber, ob eine nur halb recherchierte, rührselige Geschichte, die selbst vor Ort, bei dem NABU und der Unteren Naturschutzbehörde keine Unterstützung findet, mglw. als Fortsetzung (demnächst hat man den Schäfer ermittelt) auf den ersten Platz des Lokalteils gehört. Ich meine so nicht. Denn vergessen wird, dass wir hier aufgrund der vielfältigen Jagdleidenschaften einen Überbesatz von Rehwild haben. Und darüber, dass z. B. Federwild (Fasane, Rebhühner) bei der Maisernte systematisch geschreddert wird (die verstecken sich solange, bis sie dem Mähdrescher nicht mehr entkommen können - aus Gründen des wirtschaftlichen Erfolges wird keine Pause zum Wegscheuchen eingelegt. Und es gibt auch Fälle, da stehen die Jäger am Feldrand - mit geladenen Flinten. Sehr waidmännisch . . . Liest man eher sehr nachrangig in der Zeitung.

    Ich habe bisher nicht erkennen können, dass der Naturschutz die Berichterstattung geleitet hat . . .

  • #3

    Beate (Sonntag, 10 März 2013 09:47)

    d'accord! Danke für die zusätzliche Info.
    Freundschaft! ;-)))

  • #4

    loire2012 (Sonntag, 10 März 2013 10:00)

    :-)