Wendezeit

Moin, bei Wendezeit hoffen wir doch jetzt alle mal auf eine Wende der Großwetterlage. Wir haben den Eindruck, als wären wir hier am Obenende nicht die Einzigen, denen der Schnee oder zumindest die Drohung mit demselben, verbunden mit Glätte und ekelig kaltem Feuchtwind auf den Zwirn geht. Das ist hier auch, genauso wie anderswo in der Welt. Und als ich mich am vergangenen Freitag auf den Weg zu Km 1 des Kanals machte, da schmiss ich mich zwar in meinen Mantel, legte einen Schal um und holte die Mütze heraus, zog allerdings die etwas dünnere Jeans an. Und das war auch gut so. Denn stieg ich hier am Untenende bei etwa 1 Grad Plus in den Zug, dann war es beim Umsteigen in Münster schon erträglicher, in Dortmund aber mit gefühlten 16 Grad fast unerträglich heiß. Aber ich wusste es: Ihr kriegt es auch noch ab, denn die Kälte würde unablässig den Kanal runterkrabbeln. Kann das? Das kann.

 

Das war sogar, wie ich am Tag darauf bei der Rückfahrt feststellen konnte - aber es wurde hier am Sonntag noch schlimmer: Richtig Schnee gab es bis zum Sonntag - der dann aber auch langsam wegtaute und dessen Reste vom immer noch feuchten Kalt-Wind weggeblasen wurden. Unseren sonntäglichen Ausflug nach Oldenburg haben wir aber abgeblasen, und man hatte dafür größtes Verständnis. Muss das? Das muss.

 

Aber kalt ist es immer noch - und langsam geht das Holz für den Kamin zur Neige, womit wir beim Thema angekommen sind. Nein, nicht die gemütlichen Abenden, die sind der Ziehguck für das gute Leben, nein, die warme Wohnung. Denn dafür verwenden wir alle den größten Teil unseres Energiebudgets. Auch wenn wir vielleicht gerne schnell im Auto fahren - wir könnten auch langsamer und damit sparen. Aber warm muss sie sein, unsere Wohnung. Weil das aber immer aufwendiger wird, manche Energieträger (Gas und Erdöl) werden immer knapper, Kernenergie sichtbar immer gefährlicher und zunehmend unbeherrschbar, orientieren wir uns um, Energiewende seit über 10 Jahren. Auch hier am Obenende. Immer mehr Süddächer verbergen ihre Dachziegel hinter Photovoltaik-Feldern. Und auch bei den Frühjahrsmessen jetzt in den umliegenden Kleinstädten wird für alternative Heizkessel, z. B. Pelletheizungen geworben. Die Biogasanlagen am Rande der Dörfer haben überhand genommen und führen zu ungehemmtem Maisanbau, eben "Biomasse". Und jetzt soll der zukünftig offshore in der Nordsee gewonnene Windstrom auf neuen Stromtrassen durch das Emsland bis in den Süden Deutschlands geführt werden, dorthin wo er benötigt wird, weil dort die AKW's zukünftig abgeschaltet werden sollen. Die Energiewende wird ein neues Kapitel in der Geografie des Landes schreiben. Muss das? Das muss.

 

Denn vorstellbar ist ja auch, dass die Arbeit dorthin geht, wo die Menschen leben, Fabriken dort entstehen, wo Fachkräfte zur Verfügung stehen. Nicht jede, aber immer mehr, und das, weil es dort auch die erforderliche Energie gibt. Fläche gibt es hier genug und die Transport- und Verkehrswege sind lediglich zu ergänzen, in der Struktur sind sie angelegt. Darum ist die Energiewende auch eine Wendezeit weit darüberhinaus. Mal sehen, ob übermorgen das Thema auch darauf kommen wird, wenn ich einen kleinen Vortrag hier zur Energiewende halten werde. Ich werde es nicht provozieren - weil zu utopisch und die angekündigten gewaltigen Stromtrassen zu konkret, aber eine Lösung sind dezentrale Ansätze und in der Folge eine völlig andere geografische Struktur unserer nationalen Produktion denkbar, nicht nur der Aufbau genossenschaftlicher Energieerzeugerstruk-turen. Hätte sich je einer früher ausdenken können, dass die wohl größten Schiffe der Welt heute eher im Flusslauf der Ems gebaut werden, fast im Hinterland der Nordsee-Küste? Ein langer Entwicklungs-Prozess, dessen Verlauf und Ende nicht absehbar ist, aber das weiss man hier am Obebende: "Dem Ersten der Tod, dem Zweiten die Not, dem Dritten das Brot". Kann das? Das kann wohl.

 

Ich werde daher die große Lage skizzieren, die Unabwendbarkeit der Wende versuchen zu belegen, um dann vom gemütlich warmen Haus zu reden. Das will jeder und dafür, dass das bezahlbar bleibt, wird man alles tun, so denke ich. Und da beginnt schon das persönliche Umdenken, hoffentlich nicht erst beim Hungern und Frieren. Darf das? Das darf nicht.

 

So ein Kaffee wärmt von innnen, drum jetzt rein in die Socken, das wehrt die Kälte von außen ab! Tschüss.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Beate (Montag, 11 März 2013 10:38)

    Genau heute vor zwei Jahren begann die Nuklearkatastrophe von Fukushima ...

  • #2

    loire2012 (Montag, 11 März 2013 10:49)

    . . . und damit endlich die politische Einsicht der Koalition, dass es keinen anderen Weg gibt, die bereits im Jahr 2000 durch das EEG eingeleitete Energiewende fortzusetzen. Danke für das "Stichwort"!