Bürgerschaft - zwischen Gülle und Gesundheit

Moorlehrpfad in Pbg.- Aschendorf
Moorlehrpfad in Pbg.- Aschendorf

Moin, manches Mal ist man sprachlos, was soviel bedeutet, dass man zunächst keine Worte findet für das, was man gerade liest. Geht es anderen da nicht auch so: man überschlägt es und geht zum nächsten Absatz in der Zeitung weiter. Wenn man dann aber intuitiv zurückkehrt und nachdenkt, was das wohl eben war - dann muss es doch wichtig gewesen sein. Nö, das hat mit Gülle und Gesundheit an sich wenig zu tun - steht aber mitten drin. Gülle und Gesundheit ist ein Reizthema, da haben wir unsere Position, kennen die Begriffe: Käfig- oder Bodenhaltung, Freilandeier, Biogasanlagen und Maisanbau, steigender Nitratanteil im Grundwasser usw. Und wer da abweicht - jede Nuance hat ein Label und wir meinen zu verstehen. Und wenn dann plötzlich noch Pferdefleisch in den Eiern ist, wir können es sofort als Skandal bezeichnen, sind in der Lage mitzureden. Es betrifft uns. Kann das? Das kann.

 

Wenn dann im Lokalteil von Dörpen berichtet wird, dass dort weitere acht Millionen für den Ausbau des Industriegebietes am Hafen locker gemacht werden, dann wissen wir auch warum. Und wenn nicht, dann hilft die Zeitung mit einer unauffällig eingestreuten Grafik nach: Von den 15 Sitzen im Gemeinderat hat die CDU 10, das macht alles überschaubar. Acht Millionen sind in Dörpen viel Geld, in Dortmund hat man dafür einen Vorortbahnhof saniert (zuletzt in DO-Hörde). Und in Papenburg hatte der Fachausschuss gerade zur Verblüffung aller Beteiligter eine großzügige Erweiterung des hafennahen Industriegebietes und einen Ausbau desselben abgelehnt. Die Verblüffung der Ratsleute war berichtenswert und es war wohl die Unübersichtlichkeit der Mehrheitsverhältnisse, die das möglich werden lies: 7 Parteien und Wählergemeinschaften teilen sich den Rat, also auch den Ausschuss. Muss? Das muss.   

 

Das war kein gutes Signal, meinen wir hier am Obenende und hoffen auf eine Korrektur im Rat auf dessen nächster Sitzung. Ob da sachlich diskutiert wird? Oder politisch? Die Zuhörerbänke werden gut gefüllt sein.Vielleicht gibt es dann auch ein starkes Signal, wie unsere Zeitung das aus Dörpen vermeldet. Solche Themen muss man sachlich diskutieren - politisch allenfalls in ihrer Tragweite für die weitere Entwicklung einer Stadt, einer Region. Ich komme zurück auf Gülle und Gesundheit: Da geht das nur noch politisch und hochemotional, die eigene Gesundheit ist nicht sachlich verhandelbar. Das verstehen wir und füllen die Zuhörerbänke, beteiligen uns am Leserbriefschreiben. Kann das? Das kann. 

 

Aber dann kommt dieser eingangs erwähnte Satz irgendwo in einem Kommentar reingeschlichen, es geht um die zusätzlichen Millionen und das starke Signal in Dörpen: "Ein weiteres Indiz für derzeit wohltuend sachorientiertes Handeln ist, dass die politische Ratsarbeit trotz wegweisender Beschlüsse nicht sichtbar auf größeres Interesse der Bürger stößt." Für wie blöd hält uns der Kommentator eigentlich? Denn das heißt ja wohl nichts anderes, als der Bürger in aller Regel nur dann Interesse an seiner Gemeinde zeigt, wenn es politisch um Alternativen geht, um den Richtungsstreit. Den Zoff. Den Neubau eines Kraftwerkes. Oder eine neue Biogasanlage, eine Schweinefleischfabrik. Und der soll doch bitteschön im Sinne einer "wohltuenden"  sachorientierten Arbeit vermieden werden - was ja auch bei den vorliegenden Mehrheitsverhältnissen gut möglich ist, zumindest in der Öffentlichkeit. Das ist aber ein Demokratieverständnis! Da sind uns am Obenende aber sieben Fraktionen im Papenburger Rat wesentlich wohltuender. Und es geht eher von deren Diskussion ein starkes Signal aus, als von einer "wohltuend" sachlichen Arbeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Muss das? Das muss.

 

Ob die immer nur dann "wohltuend" ist, wenn es keinen Bürger interessiert? So, schnell noch den Kaffee leer trinken und Tschüss.   

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